Essstörung

04. Februar 2018 16:10; Akt: 05.02.2018 13:20 Print

Reiche Eltern wollen schlanke Kinder

Wenn es um Schönheitsideale geht, üben reiche Erwachsene oft Druck auf ihre Sprösslinge aus, sagt eine Expertin.

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Erwachsene drängen ihren Kindern den Traum einer schlanken und ranken Figur auf. Diese fragwürdige Entwicklung beobachtet die ETH-Lebensmittelwissenschaftlerin Marianne Botta etwa im Kanton Zug.

«Wenn Heranwachsende in einem Umfeld leben, in dem die Mutter ständig vor dem Spiegel steht und sich über ihr eigenes Aussehen beschwert, überträgt sich das vielfach auch auf die Kinder», sagt Botta zur «Zentralschweiz am Sonntag».

Immer wieder bekommt die renommierte Ernährungsexpertin zu hören, dass Kinder während den Mittagstischen im Kanton Zug winzige Portionen zu sich nehmen und auch dann nicht mehr essen, wenn sie noch Hunger haben.

Eine Luxuskrankheit?

Da sich schulische Leistungen nur bedingt beeinflussen lassen, werde umso mehr Wert auf Äusserlichkeiten gelegt. Der Druck der Eltern könne laut Botta sehr subtil erfolgen, indem sie ihre Kinder etwa häufig für ihr Aussehen loben.

Betroffen seien vor allem Kinder, die aus der Ober-und Mittelschicht stammen. In diesen Kreisen würden überflüssige Pfunde als Stigma, als Zeichen von Schwäche gelten.

Auch Bettina Isenschmid, Chefärztin am Kompetenzzentrum für Essverhalten, Adipositas und Psyche am Spital von Zofingen, bestätigt gegenüber der Zeitung, dass Krankheiten wie Ess-, Brech- und Magersucht häufiger in der Mittel- und Oberschicht auftreten. Der Kampf mit den körperlichen und physischen Beschwerden dauere oftmals ein Leben lang.

«Dicke Kinder werden gefoppt und ausgelacht»

Kinder- und Jugendpsychologe Allan Guggenbühl sagt: «In Grossbritannien und in den USA sind wohlhabende Personen schlanker als Menschen, die mit weniger Geld auskommen müssen.» Gebildete Menschen achten eher darauf, was sie und ihre Sprösslinge essen. Wenn Kinder übergewichtig sind, ist es laut Guggenbühl wichtig, den Nachwuchs zu Ernährungsbewusstsein zu erziehen und ihm behilflich zu sein, Strategien zu entwickeln, damit nicht nur Chips oder Schokolade gegessen würden.

«Dicke Kinder werden von anderen Kindern viel mehr gefoppt und ausgelacht», so Guggenbühl. «Wenn Kinder an Mittagstischen nicht essen wollen, gibt es laut Guggenbühl verschiedene Gründe dafür: Dies kann auch an einem zu gesunden Angebot liegen. Empfehlenswert ist ein guter Mix zwischen gesunden Nahrungsmitteln und solchen, die Kindern schmecken. Mitspielen könnte für die Appetitlosigkeit auch, dass sich Kinder in der fremden Umgebung nicht wohl fühlen.» Betreuungspersonen empfiehlt er in solchen Fällen, das Gespräch mit den Eltern zu suchen.

(kaf/dag)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Clair am 04.02.2018 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    ich war dick

    Ich war ein dickes Kind und eine dicke Jugendliche. Ich wünschte meine Eltern hätten etwas auf eine gute Figur und schlanke Linie geschaut.

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  • Linda am 04.02.2018 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krank

    Ich finde es gut wenn die Eltern darauf achten dass die Kinder z.b. Nicht allzu viel Süsses essen. Aber bei vielen eskaliert das. Mein damaliges Hüettikind durfte nur Naturjoghurt essen (4 J.) während die Mutter schön schoggi cremes gschlemmert hat. Mir hat das Kind wirklich leid getan. Auch in diesem Fall richtig dass die Kleine nicht 5 Schoggicremes am Tag ist. Oder das sie vielleicht Früchtejoghurt bekommt (könnte man ja auch selber machen). Aber sie durfte jeden Tag nur Natur essen.

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  • lehrerin am 04.02.2018 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimm...

    alles obetflächlichkeiten. sind wir soweit verkommen? es gibt auch noch innere werte... liebe eltern, gebt besser DAS euren kindern mal wieder mit!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl am 04.02.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und anders herum ist es besser?

    Also so lange das sich in normalen Bahnen bewegt ist es sicher besser auf das Gewicht zu achten als das Gegenteil. Hier werden wieder Probleme geschaffen. Zudem sind Kinder ja Privatsache oder nicht?

  • Was einst für Wohlstand am 04.02.2018 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    und Reichtum stand,

    gilt heute als Zeichen von Schwäche, derer man sich schämen sollte. Wer früher wohlgenährt, ja dick war, der zeigte - gerade mit dem dicken Bauch, dem Wohlstandsbauch wie reich er war und sich Essen, viel Essen leisten konnte. Dem ist nicht mehr so: wer Geld hat, kauft das Beste, achtet auf Kalorien, Figur, treibt Sport und zeigt: Ich kann es mir leisten, schlank zu sein. Wer wenig Geld hat, kauft eher zwar sattmachende aber ebenso ungesunde Lebensmittel. Wer schon als Kind verspottet wurde, wird sich irgendwann dafür schämen, womöglich noch ungesunder essen und dabei vom Schlanksein träumen.

  • Larissa am 04.02.2018 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbequem

    Wir mussten noch in die Kochschule und ein Tag in die Handarbeit,viele Mütter sind am Mittag noch unterwegs,gekocht wird wahrscheinlich nicht mehr,eine warme Mahlzeit sollte wenigsten jedes Kind erhalten,

  • Dr. Stolte am 04.02.2018 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seit ich lebe esse ich nur ungesund

    und bin mit 34 immer noch da.

    • Waterpolo1s am 04.02.2018 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. Stolte

      .... 34 ist noch kein Alter ... und in jungen Jahren verzeiht der Körper noch viel, aber der Körper vergisst nie was ihm angetan wurde ..

    • susi am 04.02.2018 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. Stolte

      naja, 32 ist auch noch jung. meld dich doch nochmal wenn du 55 bist..

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  • Mike am 04.02.2018 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    nein danke

    Ausser Selbstverwirklichung gibt es wahrscheinlich keine Gründe mehr Kinder der heutigen Gesellschaft auszusetzen.