Von Zug nach Brasilien geflüchtet

23. September 2019 10:47; Akt: 23.09.2019 13:52 Print

Ausbrecher verstümmelt sich für Flucht die Finger

Die Luzerner Strafuntersuchungsbehörden haben einen Dealer ermittelt, der 2010 aus einem Gefängnis im Kanton Zug geflohen war. Jetzt wurde er gefasst – in Brasilien.

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Die Staatsanwaltschaft Luzern ermittelt gegen den 38-jährigen Mann wegen gewerbs- und bandenmässigen Drogenhandels in der Zeit von Frühling 2004 bis Dezember 2007. Die Strafuntersuchungsbehörden gehen davon aus, dass der Beschuldigte grosse Mengen Heroin in die Schweiz eingeführt und zum Teil verkauft hat. Die Ermittlungen dazu sind noch hängig.

Ebenfalls wird dem Mann Geldwäscherei vorgeworfen. Zudem soll er illegalerweise Waffen wie Elektroschockgeräte, Teleskopschlagstöcke oder eine Pump Action besessen haben. Der Mann wurde von der Luzerner Polizei im Dezember 2007 in St. Erhard festgenommen.

Flucht aus Gefängnis

Der Beschuldigte wurde vom Kantonsgericht des Kantons Luzern im Jahr 2009 wegen einfacher Körperverletzung, Tätlichkeiten, Gefährdung des Lebens sowie Drohungen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, fünf Monaten und 15 Tagen verurteilt.

Er wurde unter anderem verurteilt, weil er im April 2005 seine frühere Freundin massiv gewürgt, geschlagen und ihr Verletzungen zugefügt hatte. Schon früher hatte er ihr mehrfach gedroht, sie umzubringen. Diese Strafe sass er in der Strafanstalt in der Stadt Zug ab. Die aufwändige Untersuchung der Staatsanwaltschaft Luzern dauerte an, bis dem Beschuldigten im August 2010 aus der Strafanstalt Zug die Flucht gelang.

Konkret versteckte sich der Mann in einem Container. Der Behälter wurde später zur Leerung durch die Fahrzeugschleuse nach draussen gefahren und ausserhalb der Strafanstalt abgestellt. Dort öffnete der Häftling die Luke und flüchtete zu Fuss.

Krimineller nach jahrelanger Suche gefunden

Die Luzerner Behörden haben nach der Flucht über Jahre hinweg intensiv nach dem Flüchtigen gesucht. Der Mann wurde international zur Verhaftung ausgeschrieben. Zudem liefen etwa auch intensive Ermittlungen in den sozialen Medien. Im letzten Jahr konnte die Polizei feststellen, dass sich der Flüchtige in Brasilien aufhielt. Dort lebte er unter falschem Namen mit gefälschten Dokumenten. «Er machte in Brasilien Fehler, die auch in der Schweiz registriert wurden. Dann schnappte die Falle zu», sagte Simon Kopp, Infobeauftragter der Luzerner Staatsanwalt.

Er wurde von der brasilianischen Polizei an seinem Wohnort in der Stadt festgenommen und Mitte September 2019 in die Schweiz überführt. Dazu haben die Luzerner Untersuchungsbehörden eng mit dem Fedpol, dem Bundesamt für Justiz und der brasilianischen Polizei und Justizbehörden zusammengearbeitet.

Fingerkuppen zerschnitten, um einzureisen

Nach seiner Flucht aus Zug hatte der Beschuldigte seine Fingerkuppen verändert, damit er bei der Einreise in Brasilien nicht erkannt wurde. «Konkret hat er sich die Fingerkuppen zerschnitten, um nicht aufzufallen», so Kopp. Die Untersuchung wegen gewerbs- und bandenmässigen Drogenhandels wird nun weitergeführt.

(dag)