Schlechter Scherz

26. Juli 2018 05:46; Akt: 26.07.2018 05:46 Print

Schwimmer narrt Retter – nun soll er zahlen

von Daniela Gigor - Ein Schwimmer schrie in Brunnen nach Hilfe und gestikulierte wild mit den Armen. Als die Retter eintrafen, behauptete er, er habe Fitness gemacht. Jetzt soll er den Einsatz bezahlen.

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Im Strandbad Brunnen hat ein Mann vorgegeben zu ertrinken. Er löste einen Rettungseinsatz aus. (Bild: brunnentourismus.ch)

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Ein 27-jähriger Mann hat am letzten Montag die Badegäste und Betreiber des Lido in Brunnen in Aufregung versetzt. Der Mann war im See rund 100 Meter vom Ufer entfernt, als er plötzlich mehrmals um Hilfe schrie und dabei die Arme verrenkte, als ob er ertrinken würde, wie der «Bote der Urschweiz» berichtete. Vier Gäste beobachteten das Geschehen und schlugen Alarm. Die Badeaufsicht stieg mit dem Rettungsbrett in den See, vor Ort kamen auch eine Patrouille der Kantonspolizei Schwyz sowie die Feuerwehr Ingenbohl-Brunnen. Letztere ist für Seerettungen zuständig und fuhr vom nahen Föhnhafen mit einem Boot ins Lido, um den Mann zu retten.

Anzeige wegen falschen Alarms, Rechnung für Einsatz

Dann kam die Überraschung: Der Mann war aus eigener Kraft an Land geschwommen und gab an, dass er im Wasser lediglich Fitnessübungen gemacht habe. Dies stösst bei den beteiligten Einsatzkräften auf wenig Verständnis: «Der Mann rief um Hilfe und verschiedene Leute rückten aus. Das ist nicht aktzeptabel», sagt Kapo-Sprecher Florian Grossmann. Darum werde der 27-Jährige wegen falschen Alarms bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Auch Feuerwehrkommandant Bruno Fässler, der mit sieben Mann im Einsatz war, ist nicht erfreut: «Wir waren alle bei der Arbeit, als der Alarm kam und wir mit dem Boot ausrückten.» Fässler wird dem Mann den Einsatz in Rechnung stellen: 675 Franken soll der fehlbare Schwimmer der Gemeinde Ingenbohl für den Fehlalarm überweisen, den er im Lido provoziert hatte. Im Bad selbst wollte sich niemand zum Vorfall äussern.

«Ertrinken ist meist ein ruhiger Vorgang»

Laut Philipp Binaghi, Leiter Kommunikation bei der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft SLRG, entspricht der geschilderte Ablauf des Geschehens in Brunnen nicht dem typischen Bild eines Notfalls im Wasser. «Ertrinken ist meist ein ruhiger und wortloser Vorgang», sagt Binaghi. Wenn jemand am Ertrinken sei, fehle ihm die Kraft, um nach Hilfe zu rufen oder mit wildem Gestikulieren auf seine Not aufmerksam zu machen. Es bleibe nur der krampfhafte Versuch, sich über Wasser zu halten. Binaghi: «Es sieht oft aus, als würde die Person in Not auf einer imaginären Leiter hochsteigen. Sie nutzen die Zeit über Wasser, um nach Luft zu ringen.» Wenn die Kräfte schwinden, würden die Ertrinkenden einfach still im Wasser versinken.

«In jedem Fall Alarm schlagen»

Was kann ein Laie tun, wenn er das Gefühl hat, dass jemand am Ertrinken ist oder mit Hilferufen und wilden Bewegungen der Arme auf sich aufmerksam macht, wie in Brunnen? «Alarmieren sie in jedem Fall sofort den Bademeister oder wählen Sie die Notfallnummer 117», sagt Binaghi. Wenn man selber helfen wolle, sei es ratsam, dass man sich nicht selbst gefährde: «Um Unfälle möglichst zu verhindern, empfehle ich, die sechs Baderegeln zu befolgen.»