Vierwaldstättersee

18. Juli 2008 16:41; Akt: 18.07.2008 16:56 Print

Falscher Schwan erschossen - «Kampf-Schwan» lebt noch

Entgegen früheren Meldungen ist der Horwer «Kampf-Schwan» offenbar immer noch am Leben und in ungeminderter Angriffslaune. In Nidwalden ist demnach ein anderer Schwan exekutiert worden.

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Noch am Freitagmorgen bestätigte der Vorsteher des Nidwaldner Amtes für Justiz, Hansjörg Vogel, dass man den aggressiven Schwan nach Angriffen in Hergiswil letzte Woche erschossen habe. Zuvor sei das Tier drei Tage lang gefangen gehalten worden.

Am Freitagnachmittag meldete indessen die Homepage der «Neuen Luzerner Zeitung», dass der Horwer «Kampf-Schwan» noch lebe. Auch der Verwalter des Strandbades Winkel in Horw, Edgar Ming, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA einen neuerlichen Vorfall.

Demnach wurde am vergangenen Dienstag im Strandbad ein Badegast vom sattsam bekannten «Kampf-Schwan» angegriffen. Der Vogel hinderte den Schwimmer daran, sich auf ein Floss zu begeben. Der Mann soll dann ruhig ans Ufer zurückgeschwommen sein.

Mehr als ein «Kampf-Schwan»

Diese Entwicklung lässt darauf schliessen, dass es im Vierwaldstättersee nicht nur einen aggressiven Schwan gibt. In der Tat sind Meldungen über Angriffe von Schwänen nicht neu. Dem Luzerner Jagd- und Fischereiverwalter Josef Muggli sind aber in den letzten 30 Jahren nur wenige Konflikte zwischen Schwänen und Schwimmern bekannt.

Der Horwer Schwan geriet Mitte Juni in die Schlagzeilen. Er hatte beim Strandbad Winkel mehrmals Badegäste angegriffen. Daraufhin stellte die Gemeinde Horw eine Warntafel auf: «Achtung aggressiver Schwan. Abstand halten - Baden auf eigene Gefahr!»

Im Juli kam es dann in der benachbarten Nidwaldner Gemeinde Hergiswil zu einem Angriff eines Schwans auf einen Schwimmer, der dabei fast ertrank. Es wurde angenommen, dass es sich um den Horwer «Kampf-Schwan» handelte.

Die Nidwaldner Justiz zögert nicht lange. Am 8. Juli wurde der angriffige Schwan gefangen genommen. Doch er zeigte sich weiterhin uneinsichtig und war auch hinter Gittern sehr aggressiv. Drei Tage später wurde er getötet.

Unterschiedlicher Umgang mit Schwänen

Laut Hansjörg Vogel wurden verschiedene Massnahmen geprüft: Ausschaffung, Unterbringung an einem geeigneten Platz. Überdies seien weitere Berichte über Angriffe des Schwans, auch an Land, eingegangen.

Die Suche nach einem passenden Platz zur Unterbringung des Tieres verlief ergebnislos. Schliesslich habe man nicht mehr warten können und handeln müssen, so Hansjörg Vogel. «Wir mussten den Schwan eliminieren.»

Die Schwanen-Story offenbart den unterschiedlichen Umgang mit dem Wasservogel am Vierwaldstättersee. Im Luzernischen ist man zurückhaltender. Jagd- und Fischereivewalter Josef Muggli hatte nämlich noch Anfang Juli festgehalten: «Ein Abschuss kommt nicht in Frage, der Schwan ist ein geschütztes Tier.»

Vielleicht entdecken findige Geister nach den jüngsten Vorfällen Regulierungsbedarf. Bis jetzt hat aber noch niemand den Ruf erhoben, analog zu Hunden, Bären und Wölfen auch Massnahmen gegen Risiko-Schwäne, allenfalls mit Vergrämungsaktionen, zu ergreifen.

(sda)