Lebensgefahr

02. Juli 2014 14:53; Akt: 03.07.2014 14:59 Print

Felssturz droht – Weggiser müssen umziehen

Fünf Wohnhäuser müssen in Weggis abgebrochen werden. Laut Gemeinderat ist das Leben der Bewohner wegen akuter Felssturzgefahr bedroht – der Fels könnte jederzeit kommen.

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Die Lage ist dramatisch: «Der Fels kann theoretisch jederzeit herunterkommen», sagt der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach. Zehn Weggiser müssen deshalb ihre Wohnungen unterhalb der Felsen für immer verlassen: Per 1. August 2014 hat der Weggiser Gemeinderat für fünf Wohnhäuser im Gebiet Horlaui ein dauerhaftes Betretungs- und Nutzungsverbot erlassen. Zudem müssen die Häuser abgebrochen werden. Die fünf Wohnhäuser sind unmittelbar durch Felssturz gefährdet. Wie der Gemeinderat am Mittwoch mitteilte, haben dies Abklärungen an den Felsen ergeben. Die Zwangsräumung ist laut Gemeinderat im Vergleich zu anderen Massnahmen die günstigste und effizienteste Lösung.

«Es ist eine Katastrophe für mich, dass ich ausziehen muss», sagt einer der Betroffenen. Es habe ihm die Sprache verschlagen, als er erfahren habe, dass er gehen müsse. Auch zweifelt er daran, dass sein Leben von einem drohenden Felssturz bedroht sei. Ähnliches sagt eine langjährige Bewohnerin von Weggis: «In der Vergangenheit ist nie etwas passiert. Darum finde ich diese Entscheidung lächerlich.» Ein Mann, der seit 28 Jahren in der Gemeinde wohnt, sieht das anders: «Das Thema ist schon länger Dorfgespräch.» Er findet die Bedrohung unheimlich, weil auch die Kantonsstrasse durch das Gebiet Horlaui führt. Sehr erstaunt zeigte sich eine junge Weggiserin, dass die Lage so dramatisch sei.

2013 donnerte ein Felsbrocken auf die Strasse

Laut Gemeindeammann Baptist Lottenbach sei es aber «sehr gefährlich, die Situation zu verharmlosen». Kleinere und grössere Ereignisse hätten jedes Jahr stattgefunden: «Im Sommer 2013 ist ein Felsbrocken mit einem Gewicht von einer Tonne auf die Kantonsstrasse gefallen.»

Warum aber müssen die zehn Personen ihre Häuser nicht per sofort verlassen, wenn die Gefahr derart akut ist? «Dies können wir den Betroffenen nicht zumuten», sagt Lottenbach dazu. Die absturzgefährdeten Felsen würden nach wie vor überwacht und momentan sei die Situation ruhig. Ausserdem würde ein Betretungs- und Nutzungsverbot erst nach 20 Tagen rechtskräftig. Dennoch gebe es Betroffene, die bereits jetzt umzögen. «Wir werden die Betroffenen bei der Räumung unterstützen, indem wir Zügelunternehmen beauftragen oder etwa Einstelllager zur Verfügung stellen», sagt Lottenbach weiter. Auch ist der Gemeinderat auf der Suche nach Ersatzwohnungen.

Damit die Betroffenen nicht auch noch finanziell geschädigt werden, sucht die Gemeinde Weggis mit Kanton und Bund sowie der Gebäudeversicherung Luzern nach einer Lösung. So ist etwa die Gebäudeversicherung bereit, ihre Leistungen vorzeitig zu erbringen, obwohl die Gebäude nicht beschädigt sind. «Werden die Betroffenen erneut ein Haus bauen, werden wir ihnen den Neuwert ihres Hauses erstatten. Falls dies nicht der Fall sein sollte, erhalten sie den Marktwert des Gebäudes entschädigt», sagt Peter Sidler, Leiter der Versicherungsabteilung der Gebäudeversicherung Luzern. Das Schwierige für die Betroffenen werde allerdings sein, ein gleichwertiges Grundstück zu finden. Der Baugrund sei nicht durch die Gebäudeversicherung gedeckt.

Sind die Häuser geräumt, muss als weitere Massnahme mit gezielten Felsabträgen und Felssicherungen begonnen werden. Dies ist nötig, um das Risiko während des Abrisses der Häuser möglichst tief zu halten.


(dag/cza/sma)