Wegen Tatwaffe

01. März 2013 15:58; Akt: 01.03.2013 16:05 Print

Festnahme nach der Bluttat von Menznau

Zwei Tage nach dem Amoklauf in einer Fabrik in Menznau LU ist am Freitagmorgen der mutmassliche Vorbesitzer der Tatwaffe festgenommen worden. Zudem wird bekannt: Viktor B* war vorbestraft.

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Am 28. Februar 2013, dem Tag nach dem Amoklauf von Menznau LU, wehen die Fahnen auf dem Kronospan-Firmengelände auf halbmast. In Willisau LU versammeln sich am Nachmittag des 28. Februar Trauergäste zum Gedenkgottesdienst für die Opfer von Menznau. Einen Tag zuvor, am 27. Februar, hatte ein Mitarbeiter der Holzverarbeitungsfirma Kronospan in Menznau LU ein Blutbad angerichtet. Vier Menschen fanden den Tod, darunter auch der Amokläufer. Drei Menschen waren noch am Tatort ums Leben gekommen, eine vierte Person erlag tags darauf im Spital ihren schweren Verletzungen. Ein grosses Aufgebot von Rettungskräften war in Menznau vor Ort. Unter anderem setzte die Rega drei Helikopter ein, um sieben teils schwerverletzte Personen auszufliegen. Der Täter, Vikor B., hatte am Morgen des 27. Februar, kurz nach 9 Uhr die Firma betreten und mit einer Pistole auf mehrere Mitarbeiter geschossen. Unter den Todesopfern ist auch Kranzschwinger Benno Studer aus Schüpfheim LU. Seinen grössten Erfolg hatte der 26-Jährige 2011 feiern können. Damals gewann er das Innerschweizerische. Ein weiteres Todesopfer ist Christina N., eine ehemalige Nachbarin des Täters. Sie wohnte im Parterre dieses Hauses. Bei der Tatwaffe handelte es sich nicht um eine Armeewaffe, teilte die Polizei mit. Der Gemeindepräsident von Menznau, Adrian J. Duss, zeigte sich am Tag der Tat erschüttert: «Ich bin schockiert und fassungslos.» Erst wenige Tage vor der Tat hatte die Firma Kronospan mitgeteilt, dass die Produktion wegen massiven Rundholzmangels gedrosselt worden sei (im Bild Kronospan-Konzernleiter Urs C. Fluder am Tatort). «Wir müssen heute auf Abstellmassnahmen wegen Rundholzmangels hinweisen», hatte es in einer Mitteilung von Holzindustrie Schweiz vom 23. Februar 2013 geheissen. Menznau ist die südöstlichste Gemeinde des Amtes Willisau und liegt zwischen Wolhusen und Willisau im Kanton Luzern. In dem Ort leben 2800 Einwohner. Das Areal des Holzverarbeiters Kronospan befindet sich am nordwestlichen Rand von Menznau.

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Bei der verhafteten Person handelt es sich um den mutmasslichen Vorbesitzer der Waffe, mit der der Amokschütze auf seine Arbeitskollegen geschossen hatte. Es gehe nun darum, zu klären, wie die Waffe vom Eigentümer zum Täter gelangt ist, schreibt die Polizei in einer Mitteilung. Bei der Waffe handelt es sich um eine Pistole der Marke Sphinx, Modell AT 380. Beim Festgenommenen handelt es sich um einen 43-jährigen Mann aus dem Kanton Obwalden.

Neue Erkenntnisse hat die Polizei auch über den Täter Viktor B.*. Der 42-jährige Mann, der im Kosovo geboren wurde und 1991 in die Schweiz kam, war bereits vorbestraft. Er wurde am 13. März 1998 vom Kriminalgericht Luzern wegen Raub zu 12 Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Obduktion der Leiche von Viktor B. hat ergeben, dass der Mann vor Ort an einer Schussverletzung verstorben ist. Er war bereits tot, als die Polizei am Tatort in Menznau eingetroffen ist. Wie es zu dieser Verletzung gekommen ist, ist Gegenstand der Untersuchung der Staatsanwaltschaft Sursee, heisst es in der Mitteilung weiter. Wichtige Einvernahmen von verletzten Opfern konnten aufgrund ihres Gesundheitszustandes noch nicht durchgeführt werden.

Fünf verletzte Opfer befinden sich weiterhin in Spitalpflege. Alle weisen gemäss Polizeimitteilung Schussverletzungen auf. Zwei der Verletzten befinden sich weiter in kritischem Zustand.

*Name der Redaktion bekannt

(sda)