Gestellte Rettung

08. Januar 2018 06:56; Akt: 08.01.2018 06:56 Print

Fieseler Storch soll wieder auf Gletscher landen

Vor über 50 Jahren retteten zwei Fieseler Storch zwölf Amerikaner, die auf dem Gauligletscher abgestürzt waren. Eine Maschine wird nun für eine Nachstellung flugfähig gemacht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Fieseler Storch war ein Aufklärungsflugzeug der Schweizer Luftwaffe mit extrem kurzen Start- und Landestrecken (STOL). 1946 waren zwei Maschinen an einer legendären Rettungsaktion am Gauligletscher beteiligt. Dort bargen die Einsatzkräfte bei der ersten alpinen Luftrettung der Welt zwölf Insassen einer abgestürzten C-53 Dakota der US Air Force, die alle den Absturz überlebt hatten.

Zum 70-jährigen Jubiläum war eine Nachstellung des Rettungsfluges geplant. Dieser hätte im November 2016 stattfinden sollen. Doch das Wetter spielte damals nicht mit: «Wir hatten damals einige Föhntage, welche die Nachstellung des Rettungsfluges verunmöglichten», sagt Reiner Vondruska, Präsident des Vereins Storchenfreunde, der das Flugzeug restaurieren liess.

Landung auf Gletscher bewilligungspflichtig

Nun soll es dieses Jahr klappen, wie die «Zentralschweiz am Sonntag» berichtet. «Geplant ist der Flug im Herbst bei genügend Schnee und guten Wetterbedingungen», so der Präsident. Es seien viele Hürden, die man nehmen müsse, bis die Aktion zustande kommt. Einerseits liegt auf dem Gauligletscher nicht das ganze Jahr genügend Schnee, anderseits sei es auch ein aufwändiger Behördengang: Für die Landung auf dem Gauligletscher braucht es eine Sonderbewilligung, weil sich dieser in einem Naturschutzgebiet befindet. Schweizweit sind Landungen nur gerade auf sechs Gletschern erlaubt. «Es ist nicht einfach ein geeignetes Datum zu finden,» so Vondruska.

Doku zur Rettungsaktion (Quelle: Youtube/NZZ Format)

Totalrestauriert und neu bespannt

Die Restaurationsarbeiten am Fieseler Storch A-97 sind abgeschlossen. Die Maschine wurde komplett zerlegt, repariert, wieder zusammengebaut und neu betucht. Das alte Flugzeug wurde mit einem Kunststoffgewebe neu überzogen, das reissfester ist als die originale Baumwolle. Tausende von Arbeitsstunden wurden investiert. «Mehrere Spezialisten haben über ein ganzes Jahr daran gearbeitet», so der Flugzeugfan. Die Arbeiten fanden grösstenteils im Ausland statt. In Deutschland war der einzige Experte für den Flugmotor im Einsatz, in Polen wurde die ganze Maschine von zertifizierten Fachleuten zerlegt und wieder zusammengesetzt.

Die Nachstellung des Rettungsfluges ist eine kostspielige Aktion, die von Gönnern aus der Aviatikszene mitfinanziert wird.

Dutzende Testflüge

Bis heute gab es dutzende Testflüge: Diese seien absolut notwendig, um die Maschine eingehend zu erproben und einzufliegen. Geflogen wird der mit Skis bestückte Typ Storch Fi 156 von erfahrenen Piloten der Schweizer Gletscherflug Vereinigung, die dafür speziell ausgebildet sind.

Bevor der Fieseler Storch mit der Nummer A-97 wieder flugfähig gemacht wurde, befand er sich über 50 Jahre im Verkehrshaus der Schweiz. 2015 wurde er dort für die Renovierung abtransportiert.

Der Abtransport aus dem Verkehrshaus. (Quelle: Youtube/Bildrausch GmbH Köln)

(sw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Volpone am 08.01.2018 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Geschichte

    Dann kann man das Flugzeug gleich weitergeben für eine Verfilmung der legendären Befreiung Benito Mussolinis vom dem Gran Sasso durch deutsche Fallschirmjäger.

    einklappen einklappen
  • Tycho am 08.01.2018 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    tolles Projekt

    Ein faszinierendes Flugzeug und ich freue mich darauf dieses Exponat mal in Betrieb zu sehen.

    einklappen einklappen
  • Markus im AG am 08.01.2018 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War das nicht die Rettung

    die der Bundesrat bewilligen musste ? Geheimhaltung der kurzen Start und Landewege.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Spaniel am 08.01.2018 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fieseler Storch

    Wäre für mich was ganz grosses dieses Flugzeug einmal am Himmel zu sehen. Hoffe es wird möglich sein für die Bevölkerung.

  • Markus im AG am 08.01.2018 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War das nicht die Rettung

    die der Bundesrat bewilligen musste ? Geheimhaltung der kurzen Start und Landewege.

    • P. Meier am 08.01.2018 12:49 Report Diesen Beitrag melden

      Vorteil des Fi156

      Die Fähigkeit auf sehr kurzen Start-/Landebahnen operieren zu können war ein grosser Vorteil des Flugzeugs. Das war aber auch absolut kein Geheimnis.

    • fb am 08.01.2018 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Markus im AG

      siehe youtube: Drama am Gauligletscher ... sehr eindrückliche und interessante Doku.

    • Peter Buschpilot Alaska am 08.01.2018 16:50 Report Diesen Beitrag melden

      Sehr Geheim !!

      Herr Meier, doch wahr sehr geheim, da dachte noch kein Mensch an Skis an einem Flugzeug und das man auf einem Berg Landen könnte, die Schweizer wahren die ersten die da Pröbelten in den Alpen !!!;-)

    • Christoph am 09.01.2018 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Buschpilot Alaska

      Die Schweizer waren leider nicht die ersten die mit Kufen auf einem Gletscher gelandet sind. Das waren die Deutschen wärend des Krieges.

    einklappen einklappen
  • Tycho am 08.01.2018 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    tolles Projekt

    Ein faszinierendes Flugzeug und ich freue mich darauf dieses Exponat mal in Betrieb zu sehen.

    • W.T. am 08.01.2018 09:49 Report Diesen Beitrag melden

      Hatte mal...

      ... an einer Flugshow das Vergnügen. Das Teil steht in der Luft... unglaublich...

    • Spaniel am 08.01.2018 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @W.T.

      Ja - muss gigantisch sein. Letzten Juli hat ein Storch leider eine Bruchlandung am Greifensee gemacht. Ob es das gleiche Flugzeug ist ?

    einklappen einklappen
  • Volpone am 08.01.2018 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Geschichte

    Dann kann man das Flugzeug gleich weitergeben für eine Verfilmung der legendären Befreiung Benito Mussolinis vom dem Gran Sasso durch deutsche Fallschirmjäger.

    • Bef Reiung am 08.01.2018 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      Befreiung?

      Naja von Befreiung kann man nicht sprechen, Abholung wäre die richtige Nomeklatur. Hauptsache der Skorzeny konnte das als "Befreiung" verkaufen.

    • Oerlikoner am 08.01.2018 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Volpone

      ...vielleicht laesst sich auch noch ein Gedenktag mit einem weiteren bekannten Geraet aus den Fieseler-Werken arrangieren: ein Flug einer V1 mit ihrem charakteristischem Pulstriebwerk waer doch mal was :-) !?

    einklappen einklappen
  • W. Itzig am 08.01.2018 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Gehört nicht mehr in die Luft

    Altersschwache Flugzeuge braucht kein Mensch am Himmel. Schon Oldtimer auf der Strasse sind regelmässig ein Sicherheitsrisiko aber in der Luft sollten sich keine Maschinen bewegen dürfen, welche älter als 30 Jahre sind.

    • Soilmi am 08.01.2018 09:48 Report Diesen Beitrag melden

      @W. Itzig

      Leben heisst nicht absolutes Sicherheitsdenken. Abgesehen davon, ist es ja keine altersschwache Maschine. Sie wurde ja komplett zerlegt und komplett neu aufgebaut. Ist also wie neu.

    • Reto am 08.01.2018 10:17 Report Diesen Beitrag melden

      Alte Dinge

      Es gab eine Zeit da gings um die Qualität + Funktionalität eines Produktes und nicht in Prio 1 um den Preis. Dazu kommt dass diese Produkte durch ihre Einfachheit sehr viel weniger Reparaturanfällig sind als heutige. Diese Maschine wird nach ihrer Totalüberholung viele "Moderne Flugzeuge" überleben.

    • Nordkantonler am 08.01.2018 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      Wartung ist alles.

      Es ist alles eine Frage der Wartung. Die B52-Bomber der US-Luftwaffe sind schließlich auch schon seit den 50ern unterwegs.

    • werner schneider am 08.01.2018 13:27 Report Diesen Beitrag melden

      @ W. Itzig

      Wie alt sind Sie? Hoffentlich nicht älter als 30 Jahre

    einklappen einklappen