Hergiswil NW

04. August 2018 18:27; Akt: 05.08.2018 15:48 Print

Familie mit zwei Kindern stirbt bei Flugzeugabsturz

Im Kanton Nidwalden ist am Samstagmorgen ein Flugzeug abgestürzt. Vier Menschen sind ums Leben gekommen.

In Hergiswil NW ist ein Kleinflugzeug abgestürzt.
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Sichtlich schockiert meldet eine Leser-Reporterin, wie sie während des Blumengiessens Zeugin eines Flugzeugabsturzes geworden sei. «Ich zittere jetzt noch. Ich habe gerade gesehen, wie ein Flieger herunterkommt», berichtet sie.

Der weiss-blaue Flieger sei direkt in den Wald getrudelt, «dann gabs eine Stichflamme und dann kam der schwarze Rauch».

Flugzeug stürzt am Lopper ab

Bei den Todesopfern handelt es sich laut der Kantonspolizei Nidwalden um eine Familie mit zwei Kindern aus Ennetbürgen. Der Pilot war laut Recherchen von 20 Minuten Chefpilot der Pilatus Flugzeugwerke. In dieser Funktion war er seit 13 Jahren tätig. Seine Frau war früher als Flight-Attendant tätig und arbeitete seit vier Jahren für den Kanton Luzern. Ihre beiden Kinder sind minderjährig.

Der Absturz ereignete sich am Samstagmorgen kurz vor 10 Uhr im Gebiet Renggpass oberhalb von Hergiswil. Der Sachschaden ist enorm.

Fünfplätzer gehörte Motorfluggruppe

Jost Vogler, Flugfeldleiter bei der Flugplatzgenossenschaft Obwalden, bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass es sich beim abgestürzten Kleinflugzeug um eine Maschine der Motorfluggruppe Pilatus MFGP handelt. Konkret um den Typ Socata TB-10 mit fünf Plätzen.

«Ich bin absolut schockiert», sagt Vogler, der kurz vor dem Mittagessen vom Unglück erfahren hat. Am Samstagmorgen habe er noch mit dem Pilot telefoniert: «Er freute sich auf den Flug und war gut gelaunt.» Das Unglück sei ihm ein Rätsel. «Das Wetter war wunderbar und es sollte ein Flug wie jeder andere auch werden.»

Gestartet war das Kleinflugzeug laut Vogler kurz nach 9.45 Uhr auf dem Flugplatz Kägiswil OW bei Sarnen. Es handelte sich um eine Maschine der Motorfluggruppe Pilatus, die fast ausschliesslich von Mitarbeitenden der Pilatus-Flugzeugwerke gesteuert wurde. Zugelassen war sie laut Vogler für fünf Plätze. Meist seien jedoch höchstens vier Personen an Bord gewesen.

Zerstört und ausgebrannt

Um zur Absturzstelle zu gelangen, musste zuerst das Feuer, das sich in dem bewaldeten Gebiet ausgebreitet hatte, mit einem Helikopter gelöscht werden. Die Einsatzkräfte fanden das Flugzeug total zerstört und ausgebrannt vor. Laut Lorenz Muhmentaler von der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Nidwalden ist eine Zuordnung der Funde im Moment schwierig, weil das Flugzeug vollständig ausgebrannt ist. Wie viel Zeit die Identifizierung der Opfer in Anspruch nehme, könne er zum aktuellen Zeitpunkt nicht abschätzen.

Die Leserreporterin beschreibt den Flieger als kleines Motorflugzeug. «An diesen Hang kommt man nur schwer und es brennt immer noch», sagt sie. Infolge des Absturzes brannte es im Umland, Rega, Feuerwehr, Polizei und Löschhelikopter seien im Einsatz. Die Ursache des Absturzes wird durch die Bundesanwaltschaft in Zusammenarbeit mit der Sust, der Staatsanwaltschaft Nidwalden sowie der Kantonspolizei Nidwalden ermittelt. Die Polizei sucht nach Zeugen.

«Wir trauern um den Verlust der Insassen»

Die Motorfluggruppe Pilatus schrieb am Samstagnachmittag, dass ihre Website bis auf Weiteres offline bleibe. «Wir trauern um den Verlust der Insassen der am 04.08.2018 verunglückten HB-EZW und sprechen den Angehörigen unser tiefstes Beileid aus.»

Am Samstagnachmittag zwischen 15 und 16 Uhr hätte ganz in der Nähe des Unfallorts die «OldtimAIR Flugparade» am Stanserhorn stattfinden sollen. Wie der Webseite www.stanserhorn.ch zu entnehmen war, ist der Anlass auf den 15. September 2018 verschoben worden.

Jürg Balsiger, Direktor der Stanserhorn-Bahn, begründete die Verschiebung mit dem Unglück in Hergiswil. «Die Betroffenheit in der Fliegerszene ist sehr gross. Die Durchführung des Anlasses hätte überhaupt nicht gepasst.» Man sei mit den Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen.


Unglück im Wallis

Erst vergangene Woche waren im Wallis vier Personen beim Absturz eines Kleinflugzeugs ums Leben gekommen. Das Flugzeug stürzte auf einem Rundflug auf einer Höhe von rund 3300 Metern über Meer auf den Mont-Durand-Gletscher ab.

Ansonsten waren im laufenden Jahr im Gegensatz zu 2017 bisher nur wenige tödliche Unfälle mit Kleinflugzeugen zu verzeichnen. Am 24. März starben in Arosa zwei Personen im Rahmen eines Flugevents. Das Flugzeug konnte beim Starten nicht abheben und kollidierte mit einer Stahlseilbrücke am Ende der Startbahn.

(bz / bla/sda)