«So wie ich bin»

06. Februar 2015 05:35; Akt: 06.02.2015 09:33 Print

Fotografin «neutralisiert» gestylte Menschen

Unser Styling hat eine enorme Wirkung: Wie gross diese ist, zeigt die junge Fotografin Sina Guntern (18), indem sie Menschen sämtliche individuelle Gestaltung wegnimmt.

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Links: Die originale Variante - Rechts: Die neutralisierte Variante

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Gefärbte Haare, Tattoos, Piercings und zerrissene Jeans: Jeder Mensch hat einen Style. Über die Wirkung davon hat Sina Guntern (18) das Fotoprojekt «So wie ich bin» realisiert. Die Bilder sind bis Ende April bei der Internetgalerie www.fotodok-galerie.ch der Stiftung Fotodokumentation Kanton Luzern (Fotodok) zu sehen.

«Die 18-Jährige setzt sich oft und gerne damit auseinander, was Menschen durch ihr Styling aus ihrem naturgegebenen Äusseren machen und wie der Eindruck damit andere Menschen beeinflusst», schreibt die Stiftung über Sina Guntern. Die Fotografin selbst sagt, sie setze sich schon längere Zeit mit dem Thema Mensch und dessen Aussehen auseinander. «Mir ist dabei aufgefallen, dass das Erscheinungsbild einer Person einen wesentlichen Einfluss auf sein Umfeld hat.» Für sie ist ein menschlicher Körper wie eine leere Leinwand, die gefüllt werden kann.

Vorher/Nachher-Bilder verblüffen

Diese Haltung hat sie zu ihrem Fotografieprojekt inspiriert; sie ist in der Ausbildung zur Fotografin EFZ im Fotostudio Bruno Meier in Sursee. Das Projekt «So wie ich bin» funktioniert ganz einfach: Guntern fotografierte Menschen so, wie sie auf die Strasse gehen. Dann neutralisierte sie diese Personen und lichtete sie ganz ohne individuelle Gestaltung wie Körperschmuck, wilde Frisuren oder Tätowierungen ab. Die Tattoos entfernte sie entweder mit Photoshop oder Make-up. Ausserdem steckte sie alle Personen für das neutralisierte Bild in weisse T-Shirts und Blue Jeans. Dann fügte sie die beiden Fotos zusammen; links die Street-Version, rechts die neutrale Variante. Das Ergebnis ist verblüffend: Teilweise erkennt man die Menschen fast nicht mehr wieder. «Mir geht es nicht darum, die Personen in meinen Bildern ‹normal› zu machen», sagt die 18-jährige Wahlluzernerin. Sie möchte einfach jeden erkennen lassen, wie viel das eigene äusserliche Gestalten, das jeder selbst bestimme, ausmachen könne. «Wir sind stark vom ersten Eindruck einer Person eingenommen und bilden uns schnell eine Meinung über sie.»

Einige Fotomodelle hat sie von der Strasse weg gecastet, andere stammen aus ihrem Freundeskreis. «Die Suche verlief leichter als erwartet. Ich dachte, die Leute würden abweisender auf meine Anfrage reagieren. Die meisten waren offen, nur wenige skeptisch», sagt die junge Bernerin.

«Ich trage gerne ausgefallene Frisuren»

Auch sie selbst hat ein auffälliges Äusseres: «Ich habe manchmal etwas spezielle und ausgefallene Frisuren», sagt sie mit einem Schmunzeln. Auch das habe sie bei der Entstehung des Projekts beeinflusst. Dieses ist eine Erfolgsgeschichte: Für «So wie ich bin» erhielt Sina Guntern 2014 in der Photobastei Zürich den Canon Award.

(pz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco. Jones am 06.02.2015 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Super Bilder. Sehr Interessant zu sehen wie einem solche äussere Kunst und Styling verändert.

  • Ein Fotograph am 06.02.2015 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Einfach super. Kompliment für die Idee und die Umsetzung.

  • GC-Fan am 06.02.2015 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz ok

    Ist ein prima Idee, vor allem von so einem jungen Menschen. Aber rein künstlerisch haut mich es nicht vom Hocker. Ich finde, der Kern des Menschen ist jeweils in beiden Bildern gut zu sehen. Trotzdem, würde ich mir anschauen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • T.C. am 07.02.2015 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Coooooool

    Wirklich tolle Bilder! Sehr interessant zu sehen, was ein individuelles Styling so ausmachen kann. Gute Arbeit!

  • p.m. am 07.02.2015 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergangenheit kann man nicht ändern

    nur bringt einem eine äussere Veränderung rein gar nichts, denn was in der Vergangenheit passierte, trägt man sein Leben lang in sich herum. wie auf Bild 1

    • r. ichtig am 07.02.2015 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Daumen hoch

      Wieso daumen runter? was auch immer er getan hat, p.m. hat recht.. ich sehe das genau so. man kann keine erlebnisse weg retouchieren, sie bleiben an der eigenen seele kleben und begleiten jmd.

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  • gmork am 06.02.2015 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Arbeit

    was ich aber svhade finde ist, dass man nei den neutralen Bildern gut erkennen kann, dass diese digital bearbeitet sind. Die Personen auf den neutralen Bildern sind alle viel üppiger als im "Original". Zu viel PSD meiner Meinung, sonst aber eine super Idee und tolle Umsetzung!

  • S.T am 06.02.2015 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    klar heit.

    Ich glaube einige haben das hier nicht ganz verstanden!!! Es ist nur eine Idee der Fotografin wie die Leute aussehen würden wen sie nichts mit sich machen würden. Es heisst nicht das alle so sein sollten. Und die Fotografin ist ganz und gar nicht normal ich kenne Sie gut und Sie verändert sich auch andauernd, weil Sie einfach nicht wie die andern sein wil. Das die Bilder nicht jedem gefahlen ist klar aber das man die Fotografin gerade weg dem so abstempeln mus ist unnötig. Und denkt daran Sie ist erst im 2. Lehrjahr und schon so talentiert!!!

  • Melanie am 06.02.2015 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Herzliche Gratulation diese Kunst gefällt mir sehr