Arth-Goldau

10. Juni 2019 21:10; Akt: 11.06.2019 08:05 Print

Frau (37) wird in S-Bahn von 40 Männern belästigt

Eine Frau wurde in der S-Bahn von Arth-Goldau nach Küssnacht von einer Männergruppe belästigt. Auf Facebook sorgt ihre Geschichte für viele Reaktionen.

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Sie wollte am Pfingstsamstag nach einer Wanderung im Zug von Schwyz nach Luzern einfach nur entspannen und ihr Buch lesen. Doch dann stieg in Arth-Goldau eine 40-köpfige Männergruppe ein und belästigte die 37-jährige Frau*. Am Abend schilderte sie auf Facebook, was ihr widerfahren ist:

«Eine ca. 40-köpfige Horde angetrunkener Schweizer Männer in Festtagslaune (eine Guggenmusik in Zivil) stürmte den Wagen. Als mich die Männer entdeckt hatten, ging es sofort los mit der Belästigung und dem ‹unabsichtlichen› Betatschen und Blossstellen von mir – der einzigen ‹jungen› Frau im ganzen Wagen und dadurch offensichtlich gerade recht als Frischfleisch», schreibt die 37-Jährige. Sie habe versucht, sich weiterhin auf ihr Buch zu konzentrieren und so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten, doch die Männern hätten nicht aufgehört, sich auf Kosten der Luzernerin zu amüsieren.

«Eine endlos scheinende Fahrt»

Die Schweizer Männergruppe trug neongelbe und orange Sporttrikots über den Kleidern, wie der «Bote der Urschweiz» schreibt. Ihr Dialekt liess vermuten, dass sie aus der Region kommen. «Die ganze unendlich scheinende Fahrt in der S-Bahn bis nach Küssnacht wurde ich von den Spassvögeln bei irgendeinem Frauennamen gerufen. Was immer ich machte oder nicht machte wurde lauthals kommentiert und durch den ganzen Wagen geschrien. Plötzlich war auch der nicht vorhandene Abfalleimer neben meinem Bein sehr wichtig und wurde immer wieder vergebens gesucht», schildert sie am Samstagabend in ihrem Facebook-Post weiter.

Sie habe sich überlegt, das Abteil zu wechseln, aber da sie im vordersten Wagon sass, hätte sie an allen Männern vorbei gehen müssen und das habe sie sich nicht antun wollen. Also blieb die Luzernerin sitzen und liess alles über sich ergehen.

«Objekt zur allgemeinen Erheiterung»

Für die Frau ist klar, dass das Verhalten dieser Männer nicht zu tolerieren sei. «Auch wenn es sich um eine lustige Guggenmusikgruppe auf Schulerreisli handelt, ist es nicht ok, irgendeine wildfremde Frau offensichtlich gegen ihren Willen auf solch dumm-sexistische und chauvinistische Form zu belästigen und zum Objekt der allgemeinen Erheiterung zu machen.
Man kann sich den Aufschrei vorstellen, der durch die sittsame Schweizer Bevölkerung gehen würde, wenn es sich nicht um Schweizer Männer, sondern um solche mit dunklerem Teint und südlicherer Herkunft gehandelt hätte. Schande.»

Sie betont, dass die Männer sie an keiner intimen Körperstelle berührt habe, sondern es ihr um die Haltung gegenüber Frauen geht. «Es braucht nicht immer gleich eine sexuelle Belästigung oder gar eine Vergewaltigung zu sein, damit das Thema Sexismus ernst genommen wird. Was mich mehr stört, ist, dass es tief im Frauenverständnis dieser Herren verankert zu sein scheint, dass man sich einfach nehmen kann, wonach einem gerade ist.»

«Alkohol und Gruppenzwang»

Das Erlebnis der jungen Frau findet auf Facebook Gehör und wird innert kürzester Zeit fleissig kommentiert. Einige Frauen berichten von ähnlichen Erfahrungen und sind der Meinung, dass so ein Verhalten auf keinste Weise zu akzeptieren sei. Aber auch Männer kommentieren und ein User schreibt: «Zum Kotzen solche Typen. Das Tragische daran ist, dass von der ganzen Truppe vielleicht im täglichen Leben gar nicht alle so sind, vielleicht sogar Familie mit Kindern haben. Aber Alkohol und Gruppenzwang sind eine explosive, gefährliche und perverse Mischung.»

*Name der Redaktion bekannt.

(mik)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beämwe am 10.06.2019 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deppen

    Furchtbar , dass es solche Pfeiffen gibt. Besoffen hin oder her. Jeder hat einen Verstand. Auch wenn das Hirn manchmal aussetzt.

  • ..dr Lauch.. am 10.06.2019 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eben....

    ....genau wegen solchem scheiss geraten die männer in verruf,auch die korrekten.

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  • Erwachsene am 10.06.2019 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindisch

    Einer allein hätte sich wahrscheinlich nicht getraut sich so zu benehmen. Aber in der Gruppe fühlen die sich "stark"... einfach nur kindisch!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gähn am 11.06.2019 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Wenn ich hier in jedem zweiten Kommentar lese, dass die Frau selbst schuld ist, sich anders hätte verhalten sollen oder sich nur wichtig machen will wundert mich gar nichts mehr. Offenbar ist Frauenhass immer noch sehr verbreitet unter der Bevölkerung.

  • Paul B. am 11.06.2019 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Tipp an die 40

    wenn die 40 "Besoffenen" wieder nüchtern sind, sollen sie sich bei Frau melden und sich entschuldigen.

  • Skeptizissimus am 11.06.2019 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    keine Zeugen

    die das Geschehene bestätigen können? Überhaupt scheint mir die ganze Geschichte etwas aufgebauscht und übertrieben. Und solange da nur die Aussage dieser einen Frau ist ohne dass irgendwer anders dasselbe beobachtete, ist die Aussage mit Vorsicht zu bewerten.

  • Mona am 11.06.2019 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verein hat menschlich versagt

    Da waren 40 Männer als Gruppe unterwegs mit Sicherheit waren nicht alle betrunken oder mindestens nicht so, dass sie dieses Fehlverhalten nicht bemerkt hätten. Warum haben diese Männer nicht versucht die Frau zu schützen??? Mein lieber Verein ihr habt als ganzes versagt, jeder einzelne von euch. Grundregel Nr. 1 eure Freiheit hört dort auf, wo die eures Mitmenschen, sprich dieser ausgelieferten Frau, beginnt!

  • Katrin am 11.06.2019 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zugerlebnis

    ist mir (48) auch schon passiert. Die pöbelnde Gruppe war zwar etwas kleiner, aber die meisten davon genau so besoffen. Ich stand auf, rief "Stopp - wenn einer dabei ist, der nicht zu besoffen ist, mich in den nächsten Wagen zu begleiten, wäre das toll." Zwei standen auf, setzten sich in mein Abteil und wir unterhielten uns die ganze restliche Fahrt sehr angeregt.