Gerichtsurteil

08. November 2019 12:17; Akt: 08.11.2019 12:17 Print

Fünf Jahre Gefängnis für Mehrfach-Vergewaltiger

Das Kriminalgericht Luzern hat einen Mann (48) verurteilt, weil er seine Stieftochter und deren Freundin sexuell missbraucht hat.

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Das schwerste Delikt sei die mehrfache Vergewaltigung seiner Stieftochter, sagte die Richterin am Freitag bei der mündlichen Urteilseröffnung. Zudem habe sich der Beschuldigte der mehrfachen sexuellen Nötigung, der sexuellen Handlung mit Kindern, der einfachen Körperverletzung und der mehrfachen Pornografie schuldig gemacht. Deshalb wurde er zu fünf Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Taten hat der deutsche Lastwagenfahrer an seiner heute 18-jährigen Stieftochter und an der damaligen besten Freundin der Tochter verübt. Mit der Stieftochter habe er spätestens ab 2015 eine sexuelle Beziehung unterhalten. Beide Opfer waren zum Tatzeitpunkt minderjährig und sexuell unerfahren.

Die Anklage führte dafür eine Verletzung im Genitalbereich des Opfers ins Feld. Zudem habe der Mann das Mädchen mit der gleichen übertragbaren Geschlechtskrankheit angesteckt, an der er selber leidet. Das Gericht wertete dies als Indiz für den sexuellen Kontakt.

Staatsanwältin forderte sieben Jahre

Laut der Staatsanwältin konnte der Mann gegenüber der unsicheren, labilen und von ihm abhängigen Stieftochter Druck aufbauen. Hatte die junge Frau den Missbrauch in den ersten Einvernahmen noch bestätigt, bestritt sie ihn später und auch vor Gericht.

Der Widerruf der Aussagen hat das Gericht nicht überzeugt. Es wies auf den grossen Loyalitätskonflikt des Opfers gegenüber dem Beschuldigten, der Mutter und wohl der ganzen Familie hin. Dieser Druck habe dazu geführt, dass die Stieftochter ihre Aussagen zurücknahm und ihre ehemals beste Freundin beschuldigte.

Der Beschuldigte wies jede Schuld von sich, sein Verteidiger plädierte auf Freispruch. Die Staatsanwältin hatte sieben Jahre Freiheitsstrafe und eine stationäre Therapie gefordert. Laut einem Gutachten ist der Beschuldigte pädophil, das Gericht ordnete eine ambulante psychotherapeutische Behandlung an.

Psychischer Druck

Wegen der Freundin kam der Fall überhaupt ins Rollen. Ihre Eltern entdeckten auf ihrem Telefon Nachrichten des Beschuldigten, die auf eine Beziehung zwischen den beiden schliessen liessen. Sie sagte in der Folge unter anderem aus, er habe Sex mit ihr gehabt, als sie ihn auf einer Lastwagenfahrt begleitete.

Das Gericht würdigte ihre Aussagen als nachvollziehbar, detailliert und logisch. Sie habe kein Falschbelastungsmotiv und hege auch keinen Groll gegen den Beschuldigten. «Sie war verliebt und machte wohl in ihrer kindlichen Naivität freiwillig mit», sagte die Richterin. Entsprechend sprach das Gericht den Mann in diesem Falle vom Vorwurf der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung frei.

Anders bei der Stieftochter: Dort sah das Gericht die Vergewaltigung als gegeben. Zwar habe der Mann keine eigentliche Gewalt angewandt, aber sein Opfer psychisch unter Druck gesetzt. Er habe eine Vaterrolle, es bestand ein Abhängigkeitsverhältnis, das der Beschuldigte gezielt ausgenützt habe.

Den Aussagen des Mannes, wonach die Vorwürfe erfunden und er von der Freundin seiner Stieftochter erpresst worden sei, schenkte das Gericht keinen Glauben. Es komme im Gegenteil erschwerend zur Schuld hinzu, dass er sie als Täterin hinstelle. Er muss ihr 12'000 Franken Genugtuung bezahlen und verbleibt in Sicherheitshaft. Der Mann wird zudem für zehn Jahre des Landes verwiesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(gwa/sda)