Schwarzfahrer im ÖV

11. April 2019 04:39; Akt: 11.04.2019 04:39 Print

Wer vor Kontrolle flüchtet, zahlt die doppelte Busse

Wer kein gültiges Billett hat, zahlt 100 Franken Busse – das weiss eigentlich jeder. Nicht bekannt hingegen dürfte sein: Schwarzfahrer, die fliehen wollen, zahlen noch mehr.

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Passiert ist es in einem Zug von Dagmersellen nach Luzern: Eine Lehrerin (34) und ihre Schülerin (19) wollten in die Stadt fahren, um dort einen Lehrvertrag zu unterschreiben. Im Zug gingen sie in einem 1.-Klasse-Wagen vorbei am Zugpersonal und Transportpolizei, um sich in der zweiten Klassen auf zwei freien Plätzen niederzulassen.

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In der Hektik jedoch hatte die Schülerin vergessen, ein Billett zu lösen. «Du musst das dem Kontrolleur sagen und zahlen», sagte die Lehrerin zur Schülerin, berichtete Zentralplus.

«Kontrolleurin sagte, wir seien geflohen»

Die Kontrolleurin kommt und brummt der Schülerin eine Busse von 100 Franken auf. Doch nicht nur das: Wegen versuchter Flucht gibts gleich nochmals 100 Franken Busse. «Die Kontrolleurin sagte, wir seien vor ihr geflohen», sagt die Lehrerin. Das stimme aber nicht, sie hätten die Transportpolizei gar noch gegrüsst. Die SBB widerspricht: Die beiden Frauen hätten sich über drei Wagen entfernt, obwohl genügend leere Abteile mit Sitzplätzen vorhanden gewesen seien.

Für weitergehende Fragen verweist SBB-Sprecher Christian Ginsig an die Tariforganisation CH-direct, die für 200 Transportunternehmen die Branchentarife festlegt und somit auch für das Bussenwesen zuständig ist.

Was genau eine Flucht ist, ist nicht definiert

Dort heisst es, dass «nicht genau definiert ist, was genau eine Flucht vor dem Kontrolleur ist, zum Beispiel, wie schnell eine Person gehen muss, damit dies als Flucht gilt», sagt Mediensprecher Thomas Ammann. Deshalb entscheide immer der Kontrolleur vor Ort, was als versuchtes Umgehen einer Billettkontrolle gelte. Dass am Schluss oft Aussage gegen Aussage stehe, sei fast nicht vermeidbar. «Überall, wo es Kontrollen gibt, gibt es auch Härtefälle.»

Laut der Lehrerin im oben beschriebenen Fall hat die Kontrolleurin ihr gesagt, sie und ihre Schülerin seien geflohen, weil sie sich nicht an den erstbesten Platz im Zweitklasswagen gesetzt hätten. Sie habe bei der SBB Rekurs eingelegt, jedoch ohne Erfolg.

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trollgeflüster am 11.04.2019 05:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und was...

    ...passiert, wenn ich durch den ganzen Zug hindurch vor dem Kontrollöres "fliehe"und ihm dann zuletzt doch ein gültiges Billet vorweisen kann?

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  • Mimi am 11.04.2019 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Flucht oder Nicht?

    "nicht genau definiert ist, was genau eine Flucht vor dem Kontrolleur ist." Super Logik liebe SBB.:D

  • Fabian Knoll am 11.04.2019 05:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch SBB

    Das ist das Typische verhalten von der SBB und alle schauen zu und niemand unternimmt was. So kann SBB weiter tun was sie wollen und das in allen Facetten. Weiter so SBB so arbeitet man seriös.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Holderebäseler am 11.04.2019 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Witz des Tages

    Das ist aber eine lustige Regel. Als wolle man den Einbrecher auch noch büssen, weil er nach dem Einbruch nicht auf die Polizei wartete.

    • LB am 11.04.2019 21:53 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht lustig

      Mein Sohn (15) wurde gebüsst (100.-) da er zu schnell vom Bus ausgestiegen ist. Er hatte sein gültiges Monatsabo und ID dabei. Die Kontrolleure sagten er sei gefluchtet. Wieso? Er hatte keinen Grund dafür. Es war auch die richtige Bushaltestelle vor unserer Wohnung! Ich habe reklamiert ohne Erfolg.

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  • Gauner am 11.04.2019 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarzfahr GA

    Habe das schwarzfahr GA und wenn der staat kommt und mich einsperrt für bussen dann habe ich bett, essen dusche alles auf kosten vom steuerzahler. So kann man auch leben. Danke schweiz

  • RogerH am 11.04.2019 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    SBB Bashing nervt

    das ewige SBB Bashing ist nervig. Wer nicht zahlt und erwischt wird, soll gebüsst werden. Wer dann auch noch versucht, sich der Busse zu entziehen, musst halt noch mehr zahlen. Verstehe die Aufregung nicht, die Schwarzfahrer werden dann indirekt von den ehrlichen Passagieren mitfinanziert. Ich fahre seit nun mehr als 30 Jahre täglich mit der Bahn und bin immer zufrieden. und all jene die jetzt sagen, soll gratis oder billiger sein, wer meint ihr dann, dass am Schluss vom Tag das berappen muss ? alles scheint nur noch zu teuer zu sein in der Schweiz, aber jeder will immer mehr verdienen.

    • LB am 11.04.2019 22:06 Report Diesen Beitrag melden

      Doch es nervt...

      Mein Sohn (15) ist auch ein ehrlicher Passagier mit gültigen Abo dabei. Er wurde von der ZVV Kontrolleure gebüsst (100.-) weil er zu schnell vom Bus ausgestiegen und gelaufen ist . Er wurde gestoppt und gebüsst. Grund: Flucht der Kontrolle. Es war unsere Bushaltestelle vor unserer Wohnung und er wollte nur schnell aufs WC... Finden Sie das auch nicht aufregend?

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  • SP am 11.04.2019 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur die Busse ist doppelt..

    Nicht nur doppelte Busse.. Früher waren 100.- Busse die man nicht zahlte= 1 Tag Gefängnis. Heute sind es 2 Tage Gefängnis für 100.- Fragt mich lieber nicht woher ich das weiss ;-)

  • Patrick am 11.04.2019 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    In die Schranken weisen

    Ohne Ticket kein Zugang zum Perron und viele Probleme sind gelöst.