Free Solo

12. Juli 2019 04:50; Akt: 12.07.2019 04:50 Print

«Die Folgen bei einem Fehltritt sind gravierend»

Seit Saisonbeginn verunglückten am kleinen Mythen und Haggenspitz drei Personen tödlich. Die Gipfel locken immer mehr Berggänger an – allein.

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Neben dem grossen Mythen, der mit einem Wanderweg gut erschlossen ist, erhebt sich der kleine Mythen und dahinter der Haggenspitz. Unübersichtliche Routen und loses Gestein bergen hier viele Gefahren für Wanderer.

Ebenso gefährlich sind laut Fachleuten aber Selbstüberschätzung und fehlende Ortskenntnis der Berggänger. Markus Föhn, Einsatzleiter der SAC-Rettungskolonne Schwyz,
warnt: «Unerfahrene Bergsteiger haben auf diesen Routen nichts zu suchen.» Wie routiniert die verunglückten Bergsteiger waren, weiss Föhn nicht, man habe die Leute nicht gekannt.

Beim SAC stellt man mit Besorgnis fest, dass immer mehr Leute allein und folglich oft ungesichert am Berg unterwegs sind. Als Ursache für diese Entwicklung nennt Föhn die spektakuläre Selbstinszenierung von Bergsteigern etwa auf Instagram, die zur Nachahmung animieren würde. Free Solo heisst der Trend. «Leider erfährt man auf diesen Online-Plattformen nicht viel über die Gefahren in einem Gebiet», so Föhn. Für eine seriöse Touren-Vorbereitung verweist er auf die Club- und Routenführer des SAC.

Karte mit offiziellen Wanderwegen des Mythenmassivs

Das die Routen am Mythen und den Nachbargipfeln gefährlicher geworden sind, glaubt Föhn indes nicht: «Das Gebiet war schon immer geprägt durch grasdurchsetzte und lose Felspassagen». Im Frühjahr gebe es Geröll, verursacht durch Schnee und Felsverschiebungen.

Die Pfade beim kleinen Mythen sowie am Haggenspitz seien zudem keine offiziellen Wege, sondern alpine Routen und daher nicht ausgeschildert. Oft verlieren sich diese dann in gefährlichem Gelände. «Die Folgen bei einem Fehltritt oder beim Ausbruch eines Steins sind gravierend».

Beim SAC überlegt man sich deshalb Massnahmen. Passagen und Kletterstellen, an denen sich in den letzten Jahren Unfälle ereigneten, sollen allenfalls gekennzeichnet werden. Markus Föhn appelliert jedoch an die Eigenverantwortung: «Jeder Bergsteiger soll sich vorgängig aus verlässlichen Quellen informieren und dann entscheiden, ob die Tour eigenständig durchzuführen ist.»

(nob)