Göscheneralp

22. Dezember 2016 05:46; Akt: 22.12.2016 07:46 Print

Geissenbauer kann dank Video Alpbetrieb kaufen

von Amina Jakupovic - Christian Näf (29) ist Bergbauer aus Leidenschaft. Sein Bubentraum: Ein eigener Betrieb mit Geissen. Dieser hat sich jetzt erfüllt – dank Spenden und einem Top-Video.

Der Geissenpeter von der Göscheneralp im Video. (Video: Antonia Meile)
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Oberhalb von Göschenen im Kanton Uri, auf 1600 Metern über Meer, lebt der 29-jährige Christian Näf, ein Geissenpeter der Moderne. Der gebürtige Toggenburger bewohnt nun seit gut sieben Jahren die Göscheneralp – zusammen mit 85 Geissen, mit deren Produktion von rund 160 Liter Milch pro Tag er Käse produziert. Sein Zuhause nennt er «Geissenparadies».

Bauernbetrieb sollte verkauft werden

Vor kurzem kam jedoch vom Verpächter eine schlechte Nachricht: Er wollte den Betrieb verkaufen. Näf erhielt eine Frist von einem Jahr, um das Geld für den Kauf aufzutreiben, sonst würde sich der Besitzer nach anderen Interessenten umschauen. So startete Näf auf 100-days.net eine Sammelaktion. Eines seiner Argumente an die potenziellen Spender: «Wenn ihr mithelfen wollt, dass ich diese schöne Bergwelt auch zukünftig mit den widerstandsfähigen Geissen pflegen kann, so unterstützt mich beim Kauf des Betriebes.» Er wolle mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung die Schönheit und Biodiversität des Tals aufrecht erhalten: «Dafür eignen sich meine Geissen hervorragend.»

Sixpack vor Bergkulisse

Der Erfolg der Crowdfunding-Aktion blieb nicht aus: «Es war unglaublich. Innerhalb von nur 20 Tagen hatte ich schon die nötigen 60'000 Franken zusammen», sagt er. Derzeit sind es bereits über 87'000 Franken. Dies auch dank einem überzeugenden Video auf der Plattform. Produziert hat den Film Antonia Meile (30), die auch schon einen Alpsommer als Mitarbeiterin auf der Göscheneralp verbrachte. Im Video stellt Näf seinen Traum vor und präsentiert auch mal sein Sixpack vor traumhafter Bergkulisse. Zudem gibt er Einblicke in den strengen Alltag als Bergbauer, in das Käsen und wie er zu seinem Traumberuf kam.

So lebt Geissenpeter Christian Näf

Dank dem Erfolg kann er den Betrieb nun definitiv kaufen. Näf hofft allerdings auf weitere Spender: «Sollten sogar 210'000 Franken zusammenkommen, kann ich dem Verpächter auch das Darlehen zurückzahlen.»

«Ich wollte meine eigenen Geissen»

Was es heisst, seinen Traum zu leben, zeigt Näfs Lebensgeschichte. Als sich andere Buben in seinem Alter Spielzeugautos wünschten, wollte Näf eine Geiss. Und obwohl seine Eltern keine Bauern waren, zog es Näf in die Landwirtschaft: «Weil unsere Familie die Ferien immer auf der Göscheneralp verbrachte, jagte ich damals schon den Geissen des Bauern nach.»

Auch als seine Eltern nicht mehr dorthin gingen, zog es Näf weiterhin auf die Alp. An den Wochenenden und in den Ferien ging er dem Bergbauern helfen. Doch dies reichte ihm bald nicht mehr: «Ich wollte meine eigenen Geissen.» Mit zehn bekam er schliesslich zwei Tiere. Er schloss dazu mit seinen Eltern den sogenannten Geissenvetrag ab, in dem es hiess: «Christian muss sich selbst um die Tiere kümmern und die Scheune sauber halten, während seine schulischen Leistungen nicht nachlassen dürfen.» Zudem musste er versprechen, jeden Tag um fünf Uhr aufzustehen und sie zu füttern.

Aus zwei wurden 85 Geissen

Mit 22 bekam er schliesslich die Chance, den Bergbauernbetrieb mit Ziegen im Kanton Uri zu pachten. Auf der Göscheneralp – seinem Lieblingsort, seit er denken kann: «Schon im Bauch meiner Mutter kam ich auf diese Alp», so Näf.

Bevor er sich selbständig machte, absolvierte Näf eine landwirtschaftliche Ausbildung. Aus seinen zwei Geissen wurden mit der Zeit 85. Und nun können sie alle bleiben – im Geissenparadies auf der Göscheneralp.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heidi am 22.12.2016 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für Peter von Heidi

    Solche Männer braucht die Schweiz! Ich habe gespendet, weil es mir wichtig ist, dass solche Alpen besser Idealisten statt Ausländern verkauft werden.

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  • Tom am 22.12.2016 06:38 Report Diesen Beitrag melden

    Super! Freue mich, dass es geklappt hat

    Schön hat es geklappt. Ich beneide den jungen Mann ein wenig. Er führt ein bodenständiges, ehrbares Leben, fern von unserer Zwanggesellschaft des ständigen Konsums, Karriere zur Befriedigung von Hauptaktionäneren und Macht.

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  • Hugo am 22.12.2016 06:27 Report Diesen Beitrag melden

    Hervorragend gemacht

    Ein super Video und es freut mich zu lesen, dass es genug Menschen zu Spenden motivieren konnte. Gratulation hierzu und viel Glück mit den Geissen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jajaja am 23.12.2016 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich möchte mich gerne dazu äussern. Dieser nette Herr besitzt bereits ein Haus einige Kilometer weiter vorne.

  • Kleeblatt am 23.12.2016 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Schnittstelle

    hunderte, Tausende Bergbauern haben lautlos und still über Jahre hinweg unsere Alpen gepflegt und bewirtschaftet. Wenn Wanderer über von Geissen ausgeputzten Alpwiesen gehen, ist dem einen oder anderen bewusst, wer für diese Ordnung schaut. Vielen Städter jedoch leider nicht und auch nicht, dass die Nachkommen den Aufwand nicht auf sich nehmen wollen und lieber in die Welt hinaus wollen. Nun hat sich mit Christian einer gefunden, zumindest auf der Göschneralp. Er kann die Alp leider nicht erben. Ich hoffe, Christian bekommt einmal einen Nachfolger, einen kleinen Geissenpeter, viel Glück.

  • Marcel B. am 22.12.2016 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wünschte....

    ... ich würde in meinem Leben auch die eine Bestimmung finden wie dieser Mann. So etwas ist ein Geschenk des Herrn!

  • Beobachter am 22.12.2016 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Verwundert

    Bestimmt eine gute Sache, aber warum schreiben hier alle von "Geissen" statt von Ziegen? Ist die Geschichte dann irgendwie herziger?

    • mamü am 23.12.2016 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beobachter

      weil wir ganz einfach Geissen oder Ziegen im Sprachgebrauch haben, schliesslich haben wir den Geissenpeter und nicht den Ziegenpeter, also was soll diese Frage

    • Lotti am 23.12.2016 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mamü

      Ziegenpeter war doch früher der Mumps. Also besser Geissenpeter

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  • Eva L. am 22.12.2016 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Geschmacksache

    Ziegenmilch-Produkte kann ich fast nicht essen, mich ekelt der spezielle Geschmack ebenso spontan wie heftig. Schafkäse mag ich jedoch sehr, er ist bekömmlich und schmeckt neutraler und sehr gut.

    • Ach Was am 22.12.2016 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eva L.

      Dann iss den einfach nicht und behalts für dich. Mit dem Artikel hat das nichts zu tun.

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