Biberbrugg und Kriens

22. Februar 2016 19:09; Akt: 22.02.2016 19:23 Print

Gratis-Zigis beruhigen gestresste Häftlinge

U-Haft-Insassen sind nicht zum Arbeiten verpflichtet und können sich darum keine Zigis leisten. Gefängnisse schaffen da Abhilfe – aus Sicherheitsgründen.

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Im Gefängnis in Biberbrugg werden Gefangenen, die sich in Untersuchungshaft befinden, Zigaretten spendiert. (Bild: SSB)

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Im Kantonsgefängnis in Biberbrugg werden den Insassen bis zu sechs Zigaretten pro Tag spendiert – auf Staatskosten. Dies berichtet der «Bote der Urschweiz» am Montag. Solche Massnahmen seien für die Sicherung der Disziplin im Gefängnis nötig, heisst es weiter.

Tatsächlich wirke sich diese Handhabung positiv auf die Stimmung und die Situation im Gefängnis aus, wie Armin Bründler, Leiter des Gefängnisses in Biberbrugg gegenüber 20 Minuten bestätigt: «Oft kann eine einzige Zigarette eine heikle Situation entschärfen.» Die Methode habe sich im Biberbrugger Gefängnis bis anhin sehr gut bewährt. Laut Bründler wird sie immerhin schon seit der Inbetriebnahme des Kantonsgefängnisses angewendet. «Ich bin überzeugt, dass wir mehr Probleme hätten, wenn das Rauchen komplett untersagt würde», so Bründler.

Wer Geld hat, muss selbst bezahlen

Gratis-Zigaretten werden jedoch nur an mittellose Gefangene abgegeben. Das heisst: Nur Inhaftierte in der Untersuchungshaft können von diesem Angebot profitieren, da bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung gelte und sie deshalb nicht zur Arbeit verpflichtet seien. Davon ausgenommen seien aber diejenigen Häftlinge, die über das nötige Geld verfügen. Sie müssten ihre Zigis selbst bezahlen. Bründler: «Insassen im Strafvollzug hingegen sind zur Arbeit verpflichtet und können sich demnach selber Raucherwaren kaufen.»

Ähnlich läuft es im Gefängnis Grosshof in Kriens. Die mittellosen Gefangenen erhalten dort laut dem Dienstleiter für Militär, Zivilschutz und Justizvollzug, Stefan Weiss fünf Zigaretten am Tag. Im Unterschied zum Gefängnis Biberbrugg gibts die Zigis dort aber nur auf Kredit: «Die effektiven Kosten werden den Gefangenen belastet und bei späterer Arbeitsaufnahme mit dem Arbeitsentgelt oder mit Bargeldabgaben verrechnet», so Weiss. Im Gefängnis Grosshof werde dieses Vorgehen seit über 15 Jahren praktiziert und die Erfahrungen damit seien sehr gut.

Positive Auswirkungen auf die psychische Befindlichkeit

Ein Befürworter der Gratis-Zigis ist auch der forensische Psychiater Andreas Frei: «Ohne geht es nicht», betont er. Laut Frei sei der Glimmstängel für Häftlinge absolut wichtig. «Er wirkt sich positiv auf die psychische Befindlichkeit aus.» Die Gefängnisinsassen seien tagsüber oft alleine – eine Zigarette könne da für etwas Abwechslung im grauen Alltag sorgen. «Den Gefangenen den Zigarettenkonsum zu verbieten halte ich für keine gute Idee, gerade in Stresssituationen helfen diese den Häftlingen und tragen wesentlich zur Beruhigung bei.»

Keine Freude an der Zigi-Abgabe hat die Lungenliga: Diese hat zwar Verständnis für die Praxis in den Strafanstalten. Aber: «Eine Förderung des Rauchens, die unseren Präventionsbemühungen entgegenläuft, können wir natürlich nicht gutheissen», sagt der Geschäftsführer der Lungenliga Schwyz zum «Boten».

Keine Gratis-Zigaretten im Bostadel

In der Strafanstalt Bostadel in Menzingen im Kanton Zug herrscht eine etwas andere Regelung, da es sich dort nämlich um kein Untersuchungsgefängnis wie in Biberbrugg und Kriens handle. «Bei uns müssen die Gefangenen alle arbeiten», so Gefängnisdirektor Andreas Gigon. Es könne in diesem Sinne also keine mittellosen Gefangenen und damit keine Gratis-Zigis geben.

(jak/pz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gymmaster am 22.02.2016 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    wenn zigis sie beruhigt finde ich das gut... wass ich aber nicht gut finde das es vom staat also von uns Bürgern bezahlt wird wer sich nicht leisten kann soll au keine bekommen.

  • Von der Heide am 22.02.2016 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf Staatskosten ?

    Ich bezahle dies mit meinen Steuern ? Bitte, ich bin ganz und gar nicht einverstanden.

    einklappen einklappen
  • gloria derungs am 23.02.2016 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine zigaretten abgeben

    wer ist gestresst in seiner 1-zimmer wohnung mit tv, gratis essen, sport, zeitschriften?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 23.02.2016 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Staatskosten

    An alle die jetzt schon wieder mekern, dass die U-Häftlinge Zigis auf Staatskosten bekommen: Sollen diese vielleicht auch kein Essen mehr auf Staatskosten bekommen? Oder möchtet Ihr vielleicht mehr Steuergelder für zusätzliche Wächter zahlen, weil gestresste Insassen auch mehr Aufsicht benötigen?

  • andy am 23.02.2016 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    u-haft

    es geht um die u-haft und das kan jeden trefen z.b durch eine falschanzeige

  • Sandis am 23.02.2016 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Frechheit!!!! Ich muss mein Zeug auch selber bezahlen, wenn ich es mir nicht leisten kann, gibt's einfach nix. Aber ist ja klar, dass dann mal wieder alles der Staat (also wir Schweizer Bürger) bezahlt. Und das noch für Genussmittel, die nicht lebensnotwenig sind......tststst

  • Ferdy P. am 23.02.2016 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Variante Kriens ist okay

    So wie's in Kriens läuft, ist für mich in Ordnung. Tatsächlich gilt während der U-Haft ja die Unschuldsvermutung. Werden sie verurteilt, wird's mit Arbeit verrechnet. Sind sie unschuldig eingesessen, sollen die Zigis auch zu Lasten des Staates gehen.

  • Marianne am 23.02.2016 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis???

    In der Schweiz geht es den Kriminellen besser als die wo brav und artig sind und noch schön die Steuern zahlen. Wäre schön wenn der Staat das Geld besser den guten zukommen lässt, als das er die Kriminellen noch belohnt. In der Schweiz ist es keine Strafe mehr im Gefägnis zu sein.