Prüfungsstress

22. Januar 2019 17:59; Akt: 22.01.2019 17:59 Print

Weinende Studenten – das sagt die Hochschule

Anforderungen fürs Studium seien transparent und Studenten würden frühzeitig über Prüfungstermine informiert, sagt die HSLU. Und: Wer Schwierigkeiten habe, kriege Unterstützung.

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Studenten der Hochschule Luzern haben derzeit Prüfungsstress. Teilweise haben sie bis zu zehn mündliche und schriftliche Prüfungen innert einer Woche, zuweilen drei an einem Tag, klagte eine Studentin*. Der Stress ist offenbar so enorm, dass einige Studenten auf der Toilette in Tränen ausbrechen: Dass ein Teil der Wirtschaftsstudenten mit dem Prüfungsdruck an der Hochschule Luzern nicht zurecht kommt, sorgt unter 20-Minuten-Lesern für kontroverse Diskussionen. 1000 Kommentare sind zum Thema der ersten Story auf 20 Minuten eingegangen.

Auch die Mutter einer Studentin, die an der HSLU studiert, meldete sich besorgt zu Wort, wie sie in einem E-Mail schrieb: Seit Prüfungsbeginn am vergangenen Freitag sei ihre Tochter «am Boden zerstört». Sie sei ein Mensch, der gerne lerne, aber «gerne auch das Leben leben möchte». Dies sei unter diesen Umständen aber nicht möglich. «Die letzten Tage war ich nahe dran, sie in eine Burnout-Abteilung zu bringen.» Zur Debatte stehe, dass die Tochter ihr Studium an der HSLU aufgebe. Was sich die «Hochschule geleistet hat, ist unglaublich», ärgert sich die Mutter.

«Natürlich herrscht ein gewisser Druck»

Nun äussert sich die HSLU zu den Vorwürfen. «Natürlich herrscht in Prüfungsphasen ein gewisser Druck, da die Studierenden das erworbene Wissen in kurzer Zeit abrufen müssen», sagt Pius Muff, Leiter Ausbildung am Departement Wirtschaft. «Grundsätzlich ist unsere Prüfungsroutine am Departement Wirtschaft der Hochschule Luzern seit über 15 Jahren dieselbe.» Die Zahl der Studierenden, die ihre Prüfungen erfolgreich absolvieren, sei in dieser Zeit durchwegs stabil geblieben.

Dabei habe die HSLU folgende Ziele: «Die Prüfungsanforderungen richten sich nach den Ausbildungszielen und -inhalten. Es ist uns nicht nur ein grosses Anliegen, sondern liegt auch in unserem Interesse, dass möglichst viele unserer Studierenden das Studium erfolgreich abschliessen können.» Deshalb seien die Anforderungen in der Form von Modulbeschreibungen «vollkommen transparent offengelegt und zugänglich für die Studierenden».

Psychologische Beratung für HSLU-Studenten

Alle Studierenden würden über alle Prüfungstermine jeweils im ersten Drittel des betreffenden Semesters informiert. «Wenn jemand eine Prüfung versäumt oder im ersten Anlauf nicht bestanden hat, kann es allerdings sein, dass mehr Prüfungen in kurzer Zeit zu absolvieren sind», sagt Muff weiter. Dabei handle es sich jedoch um Einzelfälle.

Zur Prüfungsvorbereitung stehen den Studenten im Herbstsemester denn auch zwei bis drei Wochen vorlesungsfreie Zeit zur Verfügung. Im Frühlingssemester seien es drei bis vier Wochen. «Wer dabei Schwierigkeiten hat oder Beratung braucht, kann sich jederzeit an unsere Studiengangleitung wenden», sagt Muff. Und: «Bei einem akuten Problem, etwa bei grosser Prüfungsangst, steht die psychologische Beratungsstelle des Campus Luzern für die Studierenden bereit. Hier werden individuelle Techniken und Lösungsstrategien erarbeitet, um etwa mit Prüfungsangst umzugehen.»

So machen es andere Fachhochschulen

Zum Vergleich hat 20 Minuten bei weiteren Hochschulen mit Schwerpunkt Wirtschaft nachgefragt:

An der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) haben Vollzeitstudenten im dritten Semester sechs Prüfungen verteilt auf zwei Wochen. «Es ist möglich, dass Studierende an einem Tag mehrere Prüfungen absolvieren. Bei der Planung wird allerdings darauf geachtet, dass für die Studierenden maximal zwei Prüfungen an einem Tag stattfinden», sagt die stellvertretende Kommunikationsleiterin Manuela Eberhard.

Auch an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz finden pro Tag maximal zwei Prüfungen statt. «In den meisten Fällen ist es allerdings nur eine Prüfung am Tag. Im Durchschnitt absolvieren die Studenten im dritten Semester zehn Prüfungen in einem Zeitraum von drei Wochen», sagt Markus Freiburghaus, Leiter Ausbildung Hochschule für Wirtschaft FHNW.

An der Fachhochschule St. Gallen werden fünf bis zehn Prüfungen innert neun bis zehn Tagen verteilt. «Im Bachelorstudium Betriebsökonomie kann es in absoluten Einzelfällen vorkommen, dass einzelne Studierende ein Mal drei Prüfungen an einem Tag schreiben müssen. Normalerweise sind es eine bis maximal zwei Prüfungen pro Tag», sagt Thomas Metzger, Leiter Lehre Wirtschaft.

(mik/gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bergkamp am 22.01.2019 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anforderungen

    Ja .. und vielleicht sollte/ kann auch nicht jeder studieren!!!

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  • renz am 22.01.2019 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tschüss

    das töchterchen würde gerne auch das leben leben?? mutter, aber bestimmt nicht in diesen 3 wochen. für das hat sie später noch genügend zeit. sorry aber die leute sind ja voll verweichlicht!

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  • Bruno am 22.01.2019 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vögeli friss, oder stirb

    Das Gesetz des Stärkeren. Werdet Erwachsen, Ihr wollt den Titel den Ihr anstrebt, den gibt es leider nicht umsonst. Und wer nicht mit dem Druck umgegen kann sollte sich andres Orientieren

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mario am 23.01.2019 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich?

    Ich, Student (UZH, nicht Hochschule) und arbeitstätig, muss wirklich lachen, wenn ich solche Artikel lese. Als Beispiel: An der UZH kann man im Assessment in Mathe mit 3.5 durchfallen und kann an die HSLU wechseln und hat dann eine 6.0 in Mathe.... Wer dem "Prüfungsdruck" nicht gewachsen ist, gehört einfach nicht an eine Uni. Das "Mi-Mi-Mi" von den Hochschul-Studenten bringt mich daher noch mehr zum Lachen.

  • Leeroy am 23.01.2019 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Besser ein Backrezept lesen.

    Jemand heult und Dank eines preisgekrönten Blattes, entsteht ein riesen Trubel. Es wird interpretiert das alle heutigen Studenten Heulsusen seien. Natürlich erheben sich dazu noch die Ehemaligen und behaupten wie stark und selbstverständlich früher ja so alles gehandhabt wurde. Am ende lernt keiner was dazu und die Schubladisierung erstreckt sich auf den nächsten Beitrag.

  • Avenarius am 23.01.2019 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Fisherman's friend

    Macht Sport oder Musik als Ausgleich. Ist viel besser als Rumheulen. Gab es früher nicht, solches Gejammer. Besser vorbereiten, mit Plan. Das Hirn hat unendliche Kapazität - der Wille wohl eher nicht. Ihr Luschen.

  • HSLU T&A Student am 23.01.2019 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Stay Strong

    Pha, im ersten Drittel des Semesters...die HSLU T&A schaffte es knapp 1 Monat vor Semesterende den Prüfungsplan zu liefern und keiner heult hier rum. Es ist absolut normal kein Leben zu haben, ist ja nur für eine absehbare Zeit. Sie soll an den ganzen Monat Ferien denken, den sie nach der letzten Prüfung hat. Das ist nämlich der Vorteil wenn alles innert einer Woche durch ist. Motiviert eigentlich immer.

  • Mar Cel am 23.01.2019 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Die armen Studenten ...

    Prüfung zum Mechanikermeister vor ca. 15 Jahren: 1 Woche lang jeweils täglich von 08:00 bis 17:00 eine Prüfung nach der anderen. Ich habe nie jemanden weinen sehen. Leider wurde dieser Abschluss abgeschafft, da die Wirtschaft ja lieber Bachelor und Master möchte. Habe selber auch noch einen HF Abschluss gemacht war der leichteste Abschluss meiner Karriere. Die Studenten heutzutage sind einfach Memmen und Heulsusen.