Trächtige Tiere getötet?

23. April 2019 11:45; Akt: 23.04.2019 12:01 Print

Österreicher sind entsetzt über Schweizer Jäger

Das Jagdverhalten von Zentralschweizer Jägern im Vorarlberg sorgt in Österreich für einen Skandal. Sie sollen trächtige Tiere gehetzt und erlegt haben.

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Die 437-Seelen-Gemeinde Fontanella im Bundesland Voralberg ist erschüttert. Grund dafür: Ein Pächter soll mit rund zehn aus der Schweiz und Vorarlberg stammenden Helfern bei hohem Schnee eine Treibjagd mit Hunden veranstaltet haben, wie die «Kleine Zeitung» berichtet. Dabei sollen acht Stück Gams-, Rot- und Rehwild zur Strecke gebracht worden sein.

Bei den Jägern handle es sich um Männer aus den Kantonen Schwyz und Luzern. Das sollen Fotos von Autos mit den entsprechenden Kennzeichen beweisen, die am 30. März vor Ort aufgenommen wurden, wie die «Luzerner Zeitung» schreibt. Für die Vorarlberger Jägerschaft ist deshalb klar: Der Grundsatz, dass mit den Tieren respektvoll umgegangen werden soll, ist «aufs Gröbste verletzt» worden. Dies, besonders im Hinblick auf den Muttertierschutz.

«Moralisch höchst verwerflich»

Eine Treibjagd auf hochträchtige Tiere sei «moralisch höchst verwerflich» und müsse rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, findet der Vorarlberger Jagdverband. Landesjägermeister Christof Germann wird bei der der «Kleinen Zeitung» wie folgt zitiert: «Wir verurteilen diesen Vorfall aufs Schärfste und distanzieren uns in aller Form.» Auch der Wildökologe des Landes Vorarlberg Hubert Schatz erklärt, dass diese Art der Bejagung zur Winterzeit nicht üblich und völlig falsch sei. Doch haben die Schweizer Jäger wirklich eine solche «moralisch verwerfliche» Tat begangen?

Aussage gegen Aussage

Der Schwyzer Jagdpächter liess gegenüber der «LZ» verlauten: «Die Anschuldigungen, ich hätte eine Treibjagd veranstaltet und Tiere durch den Tiefschnee getrieben, sind völlig unzutreffend. Die Hunde treiben das Wild nicht, sondern bewegen es langsam und ohne grossen Druck aus den Einständen.» Einstände sind Orte, an denen sich das Wild normalerweise aufhält, wenn keine Jagd stattfindet. Für Tierschützer Carl Sonnthal ein Märchen: «Eine Bewegungs- oder Drückjagd mit bellenden Hunden ist nichts anderes als eine Form von Treibjagd.»

Es steht Aussage gegen Aussage. Was genau Ende März in Fontanella passiert ist, wird von den Österreichischen Behörden geprüft. Treibjagden sind in Vorarlberg umstritten und sorgen immer wieder für Aufregung.

(mik)