Zuger Sex-Affäre

22. September 2015 11:23; Akt: 22.09.2015 18:09 Print

Hacker will Video des Vorfalls gefunden haben

Neue Details zur Zuger Sexaffäre: Laut dem Onlinemagazin «Vice» hat sich bei Jolanda Spiess-Hegglins Partei ein Mann gemeldet, der auf Aufnahmen des Vorfalls gestossen sein will.

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Die Zuger Sexaffäre hat noch kein Ende gefunden. So will das Onlinemagazin «Vice» über neue Fakten verfügen. Die Hinweise, dass eine dritte Person an der mutmasslichen Vergewaltigung beteiligt war, mehren sich. Das hatte Jolanda Spiess-Hegglin bereits kurz nach dem Vorfall berichtet. Einen konkreten Beweis hat man bisher allerdings noch nicht gefunden. Bis jetzt. Bei der Partei von Spiess-Hegglin hat sich laut dem Onlinemagazin «Vice» nämlich ein Hacker gemeldet, der in einem Mail angab, das Handy eines Mannes aus SVP-Kreisen gehackt zu haben. Darauf seien Fotos und Videos der Tat zu sehen. Ein entsprechender Beweisantrag von Spiess-Hegglin wurde jedoch abgelehnt.

In der Begründung heisst es, dass sich der Absender mit seinem Mail «einen Blödsinn erlaubt hat und damit versuchte, die Privatklägerin zu ärgern». Es sei mit «an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» davon auszugehen, dass kein Video besteht, welches in dieser Sache neue Hinweise liefern könnte, da Spiess-Hegglin und Hürlimann am mutmasslichen Tatort nicht hätten beobachtet werden können. Zudem führt die Staatsanwaltschaft aus, dass es sich beim Mailabsender um eine amerikanische Adresse handelt. Die Ermittlungen seien deshalb «in administrativer Hinsicht unverhältnismässig» und würden von den US-Behörden vermutlich auch abgelehnt.

Schmerzen im Analbereich

Doch das Magazin enthüllt noch weitere Details: Im Spitalbericht, der nach Spiess-Hegglins Konsultation erstellt worden ist, ist laut «Vice» vermerkt, dass bei der Zuger Politikerin Analsex vollzogen worden sei. Diese Praktik möge sie allerdings nicht, auch nicht mit ihrem Mann, schreibt das Magazin.

Der Anwalt des ehemaligen Zuger SVP-Präsidenten Markus Hürlimann weist jedoch darauf hin, dass es sich bei dem Bericht um ein Standardformular handelt, in dem die Aussagen von Spiess-Hegglin aufgenommen worden sind. «Es handelt sich dabei nicht um eine ärztliche Feststellung, sondern lediglich um die schriftliche Aussage von Frau Spiess-Hegglin.»

Aus dem Bericht, der 20 Minuten vorliegt, geht hervor, dass die Politikerin unter anderem von Schmerzen im Analbereich berichtet habe. Jedoch wird auch festgehalten, dass dort keine Verletzungen festgestellt wurden. Spiess-Hegglin habe zudem selbst ausgesagt, dass die Ärztin im Spital nichts kommentiert, sondern in erster Linie nur untersucht hätte und sie nicht hätte sagen können, ob es tatsächlich zu Verkehr gekommen sei.

Versäumnisse der Untersuchungsbehörden?

Es sind heftige Vorwürfe, die «Vice» an die Zuger Strafverfolgungsbehörden richtet. So sollen die Ermittler im Fall der Affäre Spiess-Hegglin und Hürlimann nicht gründlich genug gearbeitet haben. Auch die Einstellung der Untersuchungen sei fragwürdig, da die Beweislage zweifelhaft sei. Viele Hinweise seien nicht weiter überprüft worden. Man habe es beispielsweise versäumt, den Fahrtenschreiber des Taxifahrers auszuwerten, der Spiess-Hegglin nach der Tat nach Hause gefahren haben soll. Der Mann hatte in seiner Einvernahme einen Monat nach der Tat angegeben, die Politikerin nicht zu kennen und nicht zu wissen, ob er diese Fahrt gemacht habe.

Zudem seien die Zeugenaussagen unglaubwürdig. Die Angaben eines SVP-Mannes, der Spiess-Hegglin und Hürlimann bereits vor dem Vorfall beim Glühweintrinken gesehen haben will, seien widerlegt worden. Spiess-Hegglins Anwalt habe deshalb ein neues Gutachten gefordert, das sich nicht auf dieses Aussageprotokoll stütze. Die Staatsanwaltschaft habe den Antrag jedoch abgelehnt.

Marcel Schlatter, Sprecher der Zuger Staatsanwaltschaft, weist die Vorwürfe zurück. Ein Fahrtenschreiber sei nicht ausgewertet worden, weil man keinen Taxifahrer ausfindig hatte machen können. Auch das Gutachten, das auf unglaubwürdigen Aussagen basiere, sei anhand von verschiedenen Ermittlungsergebnissen zusammengestellt worden, das auf den Angaben von knapp 20 Zeugen beruhe.

(vro)