Du-Kultur in Gemeinden

11. September 2019 14:05; Akt: 11.09.2019 14:05 Print

Hier darf der Praktikant die Präsidentin duzen

Die Gemeinde Emmen LU führt «wohl als erste der Schweiz» die Du-Kultur in ihrer Verwaltung ein. Sogar bei Vorstellungsgesprächen sagt man sich dort neu Du.

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In der Privatwirtschaft hat die Du-Kultur schon Einzug gehalten – nun kommt das auch in Gemeindeverwaltungen in Mode. «Wohl als erste Gemeindeverwaltung der Schweiz führte die Gemeindeverwaltung Emmen intern offiziell die Du-Kultur ein», teilte sie mit. Jetzt dürfen in der Verwaltung alle die Gemeindepräsidentin Ramona Gut duzen. Auch die Pöstler dürfen ihren CEO duzen: «Ich bin Roberto», beschied der neue Post-CEO Roberto Cirillo im April seinen 50'000 Mitarbeitern. Die Post legt aber Wert darauf, dass es keine offiziell verordnete Du-Kultur gibt. «Ich respektiere es natürlich, wenn jemand das Sie bevorzugt», so Post-Chef Cirillo. Alle 3300 Aldi-Suisse-Mitarbeiter dürfen ihren Chef Timo Schuster duzen. Die Du-Kultur gibt es bei Aldi Suisse seit 2019. Duzis mit allen 32'000 Mitarbeitern hat 2018 auch SBB-Chef Andreas Meyer gemacht. Bei der SBB heisst es zur Du-Kultur: «Die Zeit war reif dafür, denn eine unkomplizierte Zusammenarbeit über die Bereichsgrenzen hinweg wird immer wichtiger.» Alle per Du: Das gilt bei der Airline Swiss offiziell seit 2017. Im Bild: Swiss-Chef Thomas Klühr. «Der respektvolle Umgang untereinander ist ein zentrales Element unserer Unternehmenskultur. Mit dem Du erhalten und fördern wir das», heisst es bei der Swiss. Seit 2017 gilt das Du auch unter allen Mitarbeitern der Bank Cler. Im Bild: CEO Sandra Lienhart. Die Du-Kultur wurde zusammen mit der Neupositionierung und dem Rebranding der Bank Cler im Jahr 2017 eingeführt. Duzis ist man auch bei Raiffeisen Schweiz. Und zwar seit 2016. Für die Mitarbeiter ist er einfach Heinz. Heinz Huber ist seit 2019 CEO von Raiffeisen Schweiz. Die einzelnen Raiffeisenbanken sind aber autonom und frei in der Ausgestaltung der Du-Regel. Lidl-Schweiz-CEO Georg Köll hat die Du-Kultur 2016 eingeführt. «Von der Du-Kultur versprechen wir uns einen unkomplizierten und freundlichen Umgang sowie eine Kommunikation auf Augenhöhe über alle Hierarchiestufen», heisst es bei Lidl. Seit dem Stellenantritt von Hansruedi Köng als PostFinance-CEO gilt die Du-Kultur. Bei PostFinance arbeiten rund 3300 Personen. «Vorgesetzte und Mitarbeitende begegnen sich auf Augenhöhe», heisst es bei der Medienstelle über die Du-Kultur. Die Angestellten dürfen ihn Urs nennen: Swisscom-CEO Urs Schaeppi. Die Du-Kultur bei der Swisscom geht zurück auf den damaligen CEO Carsten Schloter. Der beliebte Topmanager führte das Du schon 2008 ein. Die Reisebranche ist eine Du-Branche. Bei Hotelplan gilt das Du für alle seit 2008. Im Bild: CEO Thomas Stirnimann. In amerikanisch geprägten Firmen kam die Du-Kultur schon viel früher. Bei Microsoft Schweiz gilt die Du-Kultur seit 1989. Im Bild: Microsoft-CEO Satya Nadella. Bei der Credit Suisse dürfen die Mitarbeiter CEO Tidjane Thian nicht einfach duzen. Es gibt keine offizielle Du-Kultur. Das Du ist in der Bank aber verbreitet. Zurückhaltend beim Du ist auch die UBS mit Chef Sergio Ermotti. Für den Grossteil der Mitarbeiter des Migros-Genossenschaftsbundes ist er Herr Zumbrunnen. Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen ist seit dem Frühjahr 2018 an der Spitze des Detailhändlers. «In gewissen Situationen mit Entscheidungsträgern in oberen Hierarchien kann Siezen von Vorteil sein, auch um Achtung gegenüber Erfahrung und Know-how der Person auszudrücken», sagt ein Migros- Sprecher. Coop-Chef Joos Sutter hat keine offizielle Du-Kultur durchgesetzt. «Vorgesetzte und Mitarbeitende entscheiden selber, ob sie sich duzen oder lieber beim Sie bleiben möchten», heisst es bei Coop.

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In der Privatwirtschaft hat die Du-Kultur schon Einzug gehalten – nun kommt das auch auf Gemeindeverwaltungen in Mode: «Vom Lehrling bis zur Gemeindepräsidentin gilt neu, dass alle einander per Du ansprechen», teilte die Gemeinde Emmen LU kürzlich mit. Emmen ist mit über 30'000 Einwohnern eine der grösseren Ortschaften der Schweiz.

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Sogar Stelleninserate werden nun per Du formuliert «und auch in Vorstellungsgesprächen wird das Du angeboten». Laut eigenen Angaben sei man wohl die erste Gemeinde der Schweiz mit Du-Kultur.

Die interne Du-Kultur ist ein Projekt, das von Mitarbeitenden gewünscht worden sei. «Im Moment ist in der Verwaltung vieles in Bewegung. Diese Bewegung darf auch sichtbar werden in einer bewussten internen Kultur, zu der jetzt das Du ganz selbstverständlich und mutig dazugehört», sagt Ingeborg Dannecker, Präsidentin der Personalkommission.

Für die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Emmen verändert sich nichts. Kunden werden am Schalter und am Telefon weiterhin per Sie angesprochen.

Andere Gemeinden werden dem Beispiel wohl folgen

Christoph Niederberger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbandes, lobt Emmen. «Wenn ich als Verbandsdirektor in die Gemeinden gehe, ist das erste, was man jeweils macht, Duzis. Das passt auf Gemeindeebene. Ich finde das positiv.»

Ob es zutrifft, dass Emmen tatsächlich die erste Gemeinde der Schweiz mit Du-Kultur sei, könne er nicht abschliessend beantworten. «Aber jedenfalls habe ich noch nie davon gehört, dass das andere Gemeinden schon machen würden.» Er kann sich gut vorstellen, dass das Beispiel auch in anderen Gemeinden Schule macht. «Der Zeitgeist spricht für die Du-Kultur.» Gegen aussen aber in Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern sei weiterhin Zurückhaltung angebracht.

(mme)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • toni m. am 11.09.2019 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    DU oder SIE

    wenn respekt nicht da ist, macht auch kein unterschied mehr ob du oder sie

  • Emil Klöti am 11.09.2019 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Überraschung

    Ich ahnte schon vor 15 Jahren das das Du bei uns Einzug halten wird. Genau so wie die Krawatte verschwinden wird. Gut so ! (Ausnahmen vorbehalten)

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  • ybriger am 11.09.2019 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir sind trendsetter

    das ist in unserer gemeinde schon lange so. nichts neues.... unteriberg

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anti Duzer am 12.09.2019 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Was ???

    in der Gemeinde Emmen sind die Scientologen eingezogen ? Ist das mit der Kriegskasse schon so voll ?

  • ch. Joss am 12.09.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wollen wir das wissen

    Es gibt wirklich Leute die haben keine Sorgen aber Langeweile um aus solchen Sachen Medienbericht zu melden und die machen munter weiter

  • nw am 12.09.2019 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    mehr gemeinden

    ich kenne mehrere gemeinden und habe bei mehreren gearbeitet mit du-kultur. ich finde das eine gute sache.

  • jane77 am 12.09.2019 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    distanz

    bei uns Duzt man sich und ich finde das recht angenehm. auch jetzt wo ich im Spital liege merke ich das die Pfleger/innen und Ärzte sich auch per Du anreden. da die Patienten immer mit Nachnahmen angesprochen werden ist für mich sehr ungewohnt. klar es schafft eine gewisse Distanz zwischen uns.

    • Spaniel am 12.09.2019 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jane77

      Finde es schon richtig so. An solchen Orten stelle ich mich einfach mit meinem Vornamen vor und schon ist es klar. Alles Gute im Spital und Gute Genesung.

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  • Ramii am 12.09.2019 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stadt Luzern

    Bei der Stadt Luzern bereits seit langem die Regel.