Eklats

27. Februar 2019 21:28; Akt: 28.02.2019 05:56 Print

Hitler, «Neger» und Sexismus an der Fasnacht

An den aktuellen Fasnachten sorgten «Negerchinger» und eine homophobe Satire für Aufsehen. Auch in anderen Jahren gab es immer wieder Eklats, etwa wegen Hitlermasken oder Blutbädern.

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: Am 27. Februar startet die Fasnacht. Das Dorf heisst während dieser Tage traditionell «Negerchinge». Das sorgt nun erstmals für Kritik. Ein Schüler hat bei Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi seinen Unmut über den Namen geäussert. Dieser Text aus der Fasnachtszeitung «Knallfrosch» sorgt aktuell in Luzern für Diskussionen. Auf sozialen Medien äussern User ihre Empörung: «Satire gegen Minderheiten ist erbärmlich», schreibt etwa ein Facebook-Nutzer. Später entschuldigte sich die Zunft. In Basel sorgte das Logo der Gruppe «Negro Ryhgass» für Diskussionen. Schlussendlich entschied sich die Gruppe, auf das Logo zu verzichten: «Bei aller Tradition: Die Zeiten haben sich geändert, gesellschaftliche und moralische Fragen werden heute anders beurteilt als vor 60 oder 90 Jahren. Was damals als süss oder niedlich empfunden wurde, kann heute verletzend und rassistisch wirken», so die Guggemusik. Im Bahnhof Luzern stört sich die Gruppe Antira an dieser Maske, die einen schwarzen Mann darstellt. Auch die Guggenmusig Mohrenkopf aus Basel gab zu reden. Dieser Fasnachtswagen am Umzug in Allenwinden ZG sorgte an der Fasnacht 2018 für Unmut. Der Fasnachtswagen des Anstosses hatte essbare Insekten zum Thema: «Die Neger im Wald haben es schon lange auf der Speisekarte. Bei uns gibt es das jetzt auch und im Coop muss man sogar darauf warten», hiess es auf einem Banner am Fasnachtswagen. Eine Leser-Reporterin sagte damals: «Ich fand den Wagen so schlimm. Einfach nur rassistisch.» Dies ging der Zuger SP zu weit. Sie reichte einen Vorstoss mit dem Titel «Kein Rassismus – auch nicht an der Fasnacht, einem wichtigen Kulturgut» ein. Der Insekten-Wagen war nicht der einzige, der während der Fasnachtszeit negativ aufgefallen ist. So zogen die Hülsnerbuben Dietschwil mit einem «Asylparadies Schweiz»-Wagen durch Aadorf TG. An der Fasnacht 2016 sorgte eine Karikatur über Jolanda Spiess-Hegglin in der Zuger Fasnachtszeitung Füürhorn für Ärger: Die Karikatur zeigte sie nackt, mit überdimensional grossen Brüsten und Windeln. In der dazugehörigen Legende wird sie unter anderem als Luder bezeichnet, das auf Gruppenkuscheln stehe und am meisten Geld für Inkontinenzprodukte ausgebe. «Diese Karikatur ist aber klar ehrverletzend – das ist ein Straftatbestand», sagte Spiess-Hegglin damals. Die Karikatur hatte ein juristisches Nachspiel: Spiess-Hegglin erstattete Anzeige gegen den Präsidenten des Styger Rettungkorps, welche das Füürhorn herausgibt. Ebenfalls reichte sie Anzeige gegen unbekannt ein. Die Staatsanwaltschaft kümmerte sich um den Fall, das Verfahren wurde aber eingestellt. Diese Maske mit Schnauz gab 2012 zu reden. «Hitler steht für einen entsetzlichen Völkermord. Wir können nicht verstehen, weshalb so eine Maske, die aussieht wie Hitler, als Gag-Artikel verkauft wird», sagte damals Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerisch-israelitischen Gemeindebundes, zu 20 Minuten Online. Eine Guuggenmusig bastelte 2013 für die Ausstellung «Tatort Luzerner Fasnacht» im Bahnhof Luzern ein Sujet mit einer Frau, die erstochen wird. Zu viel für etliche Passanten: Sie reklamierten wegen «Gewalt an Frauen». Das Sujet wurde nach dem Protest entfernt.

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