Abfischungen

10. August 2018 05:46; Akt: 10.08.2018 10:25 Print

Hitze könnte auch Vorteile für Fische haben

Wassermangel und Hitze bedrohen viele Fische in der Schweiz. Künftige Fischgenerationen könnten aber genau deswegen besser gerüstet sein.

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In vielen Fliessgewässern ist die Situation dramatisch: Viele kleine Bäche führen zu wenig Wasser oder sind gar ausgetrocknet. Hinzu kommt die hohe Wassertemperatur und der daraus folgende Sauerstoffmangel. Auch in grösseren Fliessgewässern haben Tiere zu kämpfen: Schon über eine Tonne tote Fische wurde aus dem Rhein gezogen.

Bevölkerung sorgt sicht um die Fische

Die Situation ist auch im Kanton Schwyz prekär: «Die Lage in den Fliessgewässern ist akuter als in den stehenden Gewässern», sagt Kuno von Wattenwyl zum «Boten der Urschweiz». Von Wattenwyl ist Abteilungsleiter Fischerei beim Schwyzer Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Momentan klingelt bei ihm oft das Telefon: «Wir erhalten viele Anrufe aus der Bevölkerung oder von Fischern», sagt er.

Es gebe viele Hinweise oder Nachfragen zu Abfischungen – aber teilweise auch Unverständnis, weil nicht in allen Bächen Abfischungen gemacht werden. «Wir haben schlicht zu wenig Ressourcen dafür», so der Fischereiaufseher. Zudem stelle sich die Frage, wo man die Fische – vorwiegend Bachforellen – hinbringen soll. «Setzen wir diese in anderen Bächen ein, kann es dort zu einem Verdrängungskampf kommen.»

Robustere Fische durch natürliche Selektion

«Die Situation ist für die Fische sehr hart.» Aber: Die Hitze könnte langfristig auch Vorteile für den Bestand mit sich bringen. Denn: «Dadurch besteht die Möglichkeit, dass eine Selektion für ‹wärmetolerantere Forellen› stattfindet», sagt er. Das heisst: Jene Fische, die überleben, sind am besten angepasst und könnten ihre Wärmetoleranz durch Vermehrung weitergeben. Solche Anpassungen brauchten aber viel Zeit.

«Wir versuchen auch etwas Positives zu sehen. Ändern können wir das Klima nicht. Wir werden in gewissen Gewässern beobachten, wie sich der Fischbestand auf natürliche Weise erholt.» Dort wolle man auch nicht die «natürliche Erholung durch das Einsetzen von Fischen verwässern».

Starkregen könnte überlebende Fische schwächen

Vielerorts sei eine natürliche Erholung der Bestände aber auch nicht einfach durch die vielen menschengemachten Verbauungen. So müssten in Bächen denn auch wieder Fische eingesetzt werden.

Von Wattenwyl hofft nun der Fische wegen auf Regen und tiefere Temperaturen – aber nicht unbedingt auf starke Gewitter mit viel Regen. «Niederschlag würde den Fischen sicher guttun.» Aber wenn nach einem Starkregen plötzlich wieder viel Wasser durch ein Bachbett geschwemmt werde, könnte dies den überlebenden Fischen noch mehr Schaden zufügen, da ihre Kräfte geschwächt seien.

(gwa)