Essens-Verschwendung

11. Dezember 2015 19:49; Akt: 12.12.2015 22:50 Print

Hotel dämmt die Buffet-Schlacht erfolgreich ein

Das Hotel Monopol hatte genug von Essensresten und ergriff Massnahmen. Mit Erfolg: Die Verschwendung konnte um bis zu 70 Prozent eingedämmt werden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Hotel Monopol – direkt beim Bahnhof Luzern gelegen – häuften sich am Frühstücksbuffet jeweils wahre Berge von Essen, die Hotelgäste auf den Tischen zurückliessen. Der verschwenderische Umgang war an der Tagesordnung. Das schmeckte Hoteldirektorin Brigitte Heller überhaupt nicht. Sie sagte der Essens-Verschwendung den Kampf an: Mittels Tischstellern machte sie die Besucher auf die Lebensmittel-Verschwendung aufmerksam.

Auf den Tischstellern steht: «Liebe Gäste. Alle Ressourcen dieser Welt sind würdig und wertvoll. Aus ethischen und moralischen Gründen werfen wir in der Schweiz keine Lebensmittel weg. Bitte schöpfen Sie nur, was Sie auch wirklich essen. Danke fürs Verständnis.» Weil im Hotel viele internationale Gäste nächtigen, wurde die Bemerkung auch auf Englisch und auf Mandarin übersetzt, berichtete damals die «Neue Luzerner Zeitung».

Hunderte Feedbacks aus aller Welt

Seit dieser Aktion hat die Hoteldirektorin viele positive Rückmeldungen bekommen: «Ich habe Hunderte von Mails und Briefe aus der ganzen Schweiz, aus Europa, China, Japan und den USA erhalten. Alle waren durchwegs positiv», sagt Heller zu 20 Minuten. Viele hätten sich für ihre Zivilcourage bedankt und dafür, dass sie den Mut gehabt habe, etwas gegen die Lebensmittel-Verschwendung zu unternehmen.

Heller möchte betonen: Ihre Absicht sei es nie gewesen, den Gästen «Vorschriften zu machen», sondern sie möchte die Gäste bitten, beim Kampf gegen die Lebensmittel-Verschwendung zu helfen. Dass Food Waste nur ein asiatisches oder arabisches Phänomen sei, wie oft kolportiert wird, verneint Heller. «Es lässt sich nicht an einzelnen Nationalitäten festmachen. Es verschwenden alle – einige mehr, andere weniger.»

Berufskollegen aus Hotelbranche ziehen nach

Die Hinweise an die Gäste zeigten Wirkung: «Im Durchschnitt hinterlassen die Hotelgäste zirka 50 bis 70 Prozent weniger Lebensmittelreste.» An den Tischstellern möchte die Hoteldirektorin auch festhalten. «Ich möchte meine Botschaft höflich übermitteln – nicht via direkte Kommunikation.» Ob der Tischsteller gelesen oder nicht gelesen wird, liege in der Verantwortung der Touristen.

Die Idee von den Tischstellern habe sich in der Hotelszene rasch herumgesprochen, sagt Heller. Inzwischen hätten Hoteliers aus Luzern, der gesamten Schweiz und aus dem Ausland Interesse an den Tischstellern signalisiert. Hellers Engagement und Einsatz haben einen schönen Nebeneffekt: Die Direktorin wurde für einen Swiss Award in der Kategorie Gesellschaft nominiert.
Für Brigitte Heller ist klar: «Ich möchte, dass möglichst viele Hoteliers den Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung unterstützen.»

(pz)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Philip am 11.12.2015 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kompliment

    Zu dieser Entscheidung ein riesengrosses Lob. Bin öfters in Hotels, und ehrlich gesagt rege ich mich was das Benehmen einiger Gäste anbelangt öfters auf. Vor allem was besagtes Thema anbelangt. Es gibt so viel Armut auf dieser Welt, und bei uns ist es gang und gäbe Essen wegzuschmeissen. Ich kenne sogar Hotels, wo die Mitarbeiter das übrige Essen von der Theke mit nach Hause nehmen dürfen.

    einklappen einklappen
  • Cleo am 11.12.2015 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Eigendlich traurig dass man es schon schreiben muss.... Für mich hat dass mit Anstand und Respekt zu tun.

    einklappen einklappen
  • Ku Fung Mi am 11.12.2015 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Sitten

    Für Chinesen gilt es als unhöflich, alles aufzuessen (wirkt gierig resp. ein knickriger Gastgeber). Aber schadet ja nichts, den Chinesen die hiesigen Gepflogenheiten zu zeigen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nachfüller am 13.12.2015 00:21 Report Diesen Beitrag melden

    Betriebe nicht ganz unschuldig

    Na ja die meisten Betriebe haben sich das wohl zum Teil auch ein wenig selbst zuzuschreiben. Am Anfang ist das Buffet gut gefüllt. Dann kommen die Gäste und fangen an sich zu bedienen. Komischerweise wird das Buffet aber nicht gross nachgefüllt (vor allem bei den teuren Sachen). Somit steht man vor dem Dilemma ob man eine kleine Portion nimmt und dann wenn man von etwas nochmals nachschöpfen will halt leer ausgeht oder hamstert man und hat dann zu viel. In Betrieben mit Klasse ist i.R. jemand vom Personal am Buffet und gibt der Küche Anweisung was nachgefüllt werden sollte und was eher nicht.

  • U.G am 12.12.2015 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mitnehmen

    Ich bestelle mir im Restaurant immer nur eine halbe Portion, da ich nur sehr wenig esse. Weil ich Krebs habe und manchmal durch die Medikamente mir plötzlich der Apetit weg ist. Da würde mir eine 1/4 Portion schon reichen, so frage ich dann ob sie es mir mitgeben könnten, oder ich nehme selber etwas mit. Dann kann ich es später noch essen wenn ich mag, oder sonnst bekommt es noch der Hund und die Essensreste sind so nicht verschwendet. Es kommt mal vor das ich kein Geschirr dabei habe und das Restaurant es nicht einpacken und mitgeben will. Dann landet es halt im Müll.

  • köbu am 12.12.2015 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genau..

    ..das ist die richtige Richtung, unser Gastro Manager hat leider was dagegen

  • Rodriguez am 12.12.2015 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut!

    Ich finde das sehr gut. Hatte sowas in einem Hotel in Kanada bereits mal gesehen. Und auch dort, was meine Rückfrage ergeben hat, zeigte die Bitte Wirkung. Statt viel Essen weg zu werfen, spendet das Hotel jedoch täglich für eine Küche für Bedürftige. Es ist an der Zeit, dass sich "Gäste" mässigen. Nichts ist abstossender als übervolle Teller die dann stehen bleiben. Ich schöpfe seit jeher nur, was ich auch essen mag, ausser es schmeckt mal etwas wirklich nicht. Aber dann sag ich's dem Personal, damit sie lernen können.

  • Tom am 12.12.2015 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe

    Schlimmer als jedes weggeworfene Essen ist die Einrichtung dieses Hotels. Geschmacklos!

    • Pri am 12.12.2015 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tom

      Die Eintichtung ist ja Wohl geschmackssache, jedem das seine...

    • miriam am 12.12.2015 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tom

      meiner Meinung nach gibt es im übertragenen Sinne überhaupt nichts, das schlimmer ist als weggeworfenes Essen: einem zustehendes Privileg, das man nicht nutzt sondern respektlos, denjenigen die es nicht haben, wegwirft. Aber natürlich, ein geschmacklos eingerichtetes Hotel ist noch ein kleines bisschen schlimmer.. ;)

    einklappen einklappen