Verloren und gefunden

15. Dezember 2011 14:33; Akt: 16.12.2011 11:01 Print

Hündin irrte 6 Monate durch die Schweiz

von A. Hirschberg - Eine Husky-Hündin büxt nach einer Operation aus und bleibt ein halbes Jahr verschollen. Ihr 15-jähriger Besitzer hat die Hoffnung schon aufgegeben – als sie im Jura aufgefunden wird.

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«Es ist einfach ein Wunder, dass wir sie wieder haben», sagt Luzian Tschanz. Dem Schüler aus St. Urban LU ist die grosse Erleichterung anzuhören. Sechs Monate war seine heute zweijährige Husky-Hündin Nuska verschwunden. Die Hoffnung, sie wiederzufinden, hatte er schon lange aufgegeben wie «Le Matin» berichtete. Doch dann, an einem Samstagmorgen im November, hatte er eine Nachricht auf seinem Handy. Eine Person vom Tierschutzverein Biel-Seeland hatte ihm auf die Combox geredet. «Sie sagte, sie hätten Nuska. Sie sei dank ihrem Chip identifiziert worden und wir könnten sie in Orpund BE abholen», erzählt Luzian.

Der 15-Jährige war völlig aus dem Häuschen. Doch bis er mit seiner Mutter am Nachmittag im Tierheim war, quälten ihn die grössten Zweifel. «Ich fragte mich, ob sie wirklich meine Nuska gefunden hatten und ob sie mich nach sechs Monaten noch erkennt», erzählt er. Als er seine Hündin dann im Tierheim durch die Glasscheibe sah, kamen ihm die Tränen. Er ging in den Zwinger hinein und wartete, ob sie reagiert. «Zuerst sass sie nur da und blickte mich an, dann schwänzelte sie plötzlich, kam zu mir und leckte mir die Tränen ab», erzählt der Schüler gerührt.

«Sie schoss aus der Box und war weg»

Für Mutter Marianne Kappeler war der Moment des Wiedersehens zwischen ihrem Sohn und Nuska sehr ergreifend. «Ich weiss nicht, wer von den beiden mehr erleichtert war, den anderen wiederzusehen», sagt sie. Nuska gehört Luzian, seit sie klein ist. Er hat mit ihr die Welpen- und Hundeschule besucht und sie anschliessend zur Schlitten-Leithündin ausgebildet.

Entlaufen war die Hündin im Mai, als sie sterilisiert wurde. Luzian und seine Mutter hatten Nuska zu einer Kastrations-Aktion des Militärs gebracht, die in Schönbühl BE in einem Zelt durchgeführt wurde. Nach der Operation wollte der Arzt den noch narkotisierten Hund in der Box kontrollieren. «Er dachte, sie sei noch nicht reaktionsfähig, da schoss sie aus der Kiste und war weg», erzählt Luzian.

Ein Bauer lockte sie in eine Box

Bis in die Nacht hinein suchten Mutter und Sohn zusammen mit dutzenden Personen nach der Hündin. Doch Nuska war wie vom Erdboden verschluckt. Auch von zu Hause aus unternahmen sie alles, um den Hund wiederzufinden. Doch weder Suchanzeigen im Internet noch Annoncen in Zeitungen oder Anfragen bei Huskyhaltern in der Region hatten Erfolg. Luzian war völlig verzweifelt.

Nuska war derweil rund 60 Kilometer bis in den Berner Jura gelaufen, wo schliesslich ein Bauer auf einem abgelegenen Hof bei Bellelay die scheue Hündin mit dem roten Halsband bemerkte. «Drei Wochen lang fütterte er Nuska, bis er sie schliesslich in eine Box locken konnte», erzählt Luzian. Mutter und Sohn sind dem Bauern unendlich dankbar. «Hätte er nicht so viel Geduld aufgebracht und sie wieder eingefangen, hätten wir sie nie mehr gefunden», glaubt Luzian.

«Sie ist heute viel dankbarer»

Gesundheitlich ging es der Hündin blendend, als Luzian sie im Tierheim abholte. «Sie war gut gefüttert und hatte keine Verletzungen», erzählt er. Auch die Wunde von der Operation sei gut verheilt. Nur das Fell sei voller Harz gewesen.

Ihr Verhalten habe sich aber verändert. «Sie ist viel dankbarer als vorher», so Julian. Jedes Mal, wenn er in ihren Zwinger komme, freue sie sich wie wahnsinnig. Fremden gegenüber sei sie hingegen noch scheuer geworden.

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