Küssnacht SZ

16. Februar 2016 07:19; Akt: 16.02.2016 12:24 Print

Hypnose war ein raffinierter Trickbetrug

von Daniela Gigor - Der Unbekannte, der einer Frau 900 Franken abgenommen hatte, wird von Experten als Trickbetrüger entlarvt. Hypnose sei nicht im Spiel gewesen.

storybild

Der unbekannte Mann der von einer Frau am Freitag in Küssnacht 900 Franken erhalten hatte, dürfte ein Trickdieb sein. (Bild: zVg)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Unbekannter hat in Küssnacht am Freitag eine Frau dazu gebracht, von der Bank 900 Franken abzuheben und ihm das Geld zu übergeben. Als die Frau von einem Augenzeugen darauf angesprochen wurde, wusste sie im ersten Moment von nichts. Darum tauchte der Verdacht auf, dass der Mann die Frau mit Magie oder Hypnose bearbeitet hatte, um an sein Ziel zu gelangen.

Umfrage
Wurden Sie schon Opfer eines Trickdiebes?
81 %
9 %
10 %
Insgesamt 2397 Teilnehmer

«Hypnose kann ausgeschlossen werden», sagt der frühere Zauberer Orsani und heutige Trickdieb-Experte Urs Saner auf Anfrage. Saner hat sich zur Berufung gemacht, durch Prävention Trickdieben das Leben schwer zu machen. Dies tut er auch in enger Zusammenarbeit mit der Polizei. Laut Saner ist es realistisch, dass der unbekannte Mann einen verbalen, psychologischen Trick eingesetzt habe. Auf dieselbe Weise würden alle Trickdiebe inklusive der Enkeltrickbetrüger operieren. «Der Unbekannte hat sie in ein Gespräch verwickelt und ihr den Kopf so voll gesprochen, dass sie sich gar nicht mehr bewusst war, was sie tat. Es ist durchaus möglich, dass sich die Frau erst nach einer gewissen Zeit bewusst wurde, dass sie dem Unbekannten Geld übergeben hatte», sagt Saner weiter. In der Fachsprache von professionellen Zauberern und Mentalisten heisse dieses Vorgehen «Kalte Deutung».

Laut Saner haben es Trickdiebe meistens auf ältere Leute abgesehen. Ein Grund dafür, dass Trickdiebe in der Schweiz erfolgreich operieren können, sieht Saner in unserer Erziehung: «Wir werden von Kindesbeinen an erzogen zu geben und wir sind auch als Erwachsene zu gutgläubig. Früher wurde dies nicht missbraucht, im Gegensatz zu heute.»

Gesicht und Körperhaltung sind ein offenes Buch

Auch der deutsche Coach, Trainer und Autor Stefan F. M. Dittrich glaubt nicht daran, dass das betroffene Opfer hypnotisiert wurde. Auch er denkt, ohne den Fall präzise zu kennen, dass der Unbekannte die Frau verbal unter Druck gesetzt hatte: «Trickbetrüger sind häufig sehr versiert darin, bereits aufgrund der optischen Erscheinung, der Körpersprache und Reaktionen auf das Verhalten des Täters sehr genaue Informationen über die Charaktereigenschaften ihrer Opfer zu gewinnen», sagt Dittrich. Auch Blickkontakte oder Bewegungen der Augen sind für sie aufschlussreich. Dittrich: «So achten zum Beispiel auch Zöllner, Polizisten, Türsteher oder Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen darauf, ob und wie lange es einem Menschen möglich ist, Blickkontakt zu halten.»

Ein weiteres offenes Buch ist die Mimik: Ein gut ausgebildeter Trickbetrüger könne etwa in Millisekunden aus der Mimik ablesen, ob die Worte beim Empfänger auf Wohlwollen oder Ablehnung stossen. Diese und weitere Informationen wie etwa die Körpersprache würden einem guten Menschenkenner bereits in den ersten Sekunden der Beobachtung unglaublich viel Wissen über das Gegenüber liefern, um dies geschickt zu den eigenen Gunsten zu nutzen.

Um sich vor Trickdieben zu schützen, rät Dittrich, sich klar abzugrenzen: «Es erfordet einen fast übermenschlichen Willen, jemanden abzuweisen oder ein Gespräch rigoros zu beenden, wenn es uns unangenehm wird.» Wenn man von Unbekannten angesprochen werde, soll man sich gar nicht darauf einlassen. Und Eltern rät Dittrich, Kinder zu ermutigen, ihren Willen klar zum Ausdruck zu bringen und nicht zu allem «Ja und Amen» zu sagen. «Es ist auch gut, wenn man wachsam bleibt und sich fragt: Was ist die Absicht meines Gesprächspartners? Hinter jedem Handeln steht eine Absicht und wenn diese nicht klar erkennbar ist, sollte man skeptisch sein.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SinShin am 16.02.2016 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Hääää?

    Vor ein paar Wochen hiess es es sei schwer Freunde zu machen und die Leute wären gegenüber Fremden zu defensiv und zurückhaltend. Nun heisst es wir werden Erzogen zu geben und sind zu gutgläubig. Bitte hilft mir einer...

    einklappen einklappen
  • Pete am 16.02.2016 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naiv und gutgläubig

    Wir Schweizer sind naiv und gutgläubig. Leider in allen lebensbereichen. Der Schaden der durch die politischen 'trickdiebe' entsteht ist dabei um vieles grösser. Auch da wäre es besser nicht zu allem 'Ja und Amen sagen'

    einklappen einklappen
  • karli am 16.02.2016 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist reden ein Trick?

    Der Rat nicht mit Fremden zu sprechen kommt mir etwas krass übertrieben vor. In jedem Menschen einen potentiellen Trickdieb zu sehen grenzt für mich an Paranoia. Der beste Rat ist wohl wachsam zu sein was die Absichten des Gegenübers sein könnten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tanja Klaus / OMNI Hypnosetherapeutin am 16.02.2016 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Unerklärbar-sofort ist Hypnose schuld!!

    Immer sollte es Hypnose sein das Wort und vor allem die Wirkung der Hypnose wird Missbraucht!!! Jeder der damit arbeitet, gerade Therapeutisch, weiss dass man in Hypnose nicht manipulierbar ist!!! Alles was man ethisch nicht vertritt oder nicht dem eigenen Grundsatz entspricht, wird auch nicht gemacht. Auch in der Hypnosetherapie stossen wir an Grenzen wenn der Kunde mit einer Suggestion nicht einverstanden ist er macht,sieht, fühlt es dann schlicht weg nicht!!! Und dann kann man nichts machen so ist das nun mal. Jeder hat einen eigenen Willen und das ist gut so!

  • Gunda Gause am 16.02.2016 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Eher Drogen im Spiel

    Solche Fälle gibt es in Paris sehr häufig. Es sind dabei Drogen im Spiel, die dem Opfer ins Gesicht gepustet werden. Galileo (Pro7) hat mit diesen Drogen ein Selbsttest durchgeführt und das Resultat war erschreckend, wie willenlos die Reporterin wurde.

    • Forscherin am 16.02.2016 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      Genauere Angabe zum Video

      Um das entsprechende Galileo-Video bei Pro7 zu finden sollte mann den Titel oder mindestens das Datum der Aufzeichnung haben.

    • Franzl am 17.02.2016 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Geld verschenken erlaubt!

      Das hört sich nach Voodoo an.Strohpupen picksen und Pulver ins Gesicht blasen.. Die Frau scheint nicht mündig zu sein und sollte eventuell einen Vormund für die Finanzen nehmen.Wer sich Geld ablabbern lässt ist selbst schuld!Das die Polizei da ermittelt ist eine Frechheit und die Ressourcen wären an einem anderen Ort besser eingesetzt.

    einklappen einklappen
  • Donald am 16.02.2016 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    erst mal Nein

    Hängt es demnach von meiner Mimik ab, dass mir so etwas nie passiert? Ich sage grundsätzlich erst mal Nein, das ist zwar nicht immer fair, aber in unserer Gesellschaft leider nötig, sonst hätte ich jede Woche einen neuen Vertrag abgeschlossen. Übermenschlicher Wille, jemanden abzuweisen? Wohl kaum. Ok, gut reden kann ich nicht, ich laufe einfach davon, wenn's mir zuviel wird.

  • Mel S am 16.02.2016 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lauern überall

    In Venedig wollte ein Päärchen das ich mit meiner Kamera ein Foto von Ihnen mache. Die Frau wollte dann das Foto sehen und mir ihre email geben. Ich habe die Kamera die ganze Zeit festgehalten. Mein Mann hat das Mail aufgeschrieben. Als die beiden dann sehr kurzangebunden davon liefen bemerkte ich, dass das Kameraband das ich um den Hals getragen hatte durchgeschnitten war.

  • wianve am 16.02.2016 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fauler Trick

    In Thailand wollte uns auch einer in ein Gespräch verwickeln. Weil mein Partner es interessant fand, hatte ich zwei abzuwehren. Als der Typ immer näher kam und noch meine Kreditkarte sehen wollte, bemerkte ich wie er die Hand über mein Gesicht hob. Weil ich aufmerksam war, sah ich gleichzeitig wie er mit der anderen Hand etwas zusammenpresste. Es wurde mir etwas mulmig, weil ich aber ein Schritt zurück trat hatte wohl das Chloroform, das er via Röhrchen im Ärmel versprühte ( ich kenne den Geruch) nicht seine volle Wirkung. Der Typ wurde unsicher und verschwand um die nächste Ecke.