Imam von Kriens

06. Oktober 2019 16:31; Akt: 07.10.2019 16:44 Print

«Solche Personen haben hier nichts verloren»

Nachdem der Imam aus Kriens in einer Predigt dazu aufrief, «widerspenstige» Frauen notfalls mit Gewalt zu disziplinieren, ärgern sich Politiker, dass er noch in der Schweiz lebt.

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Abdulrahman O. ist Imam in der Darassalam-Moschee in Kriens (LU). Den Behörden ist der 38-Jährige bekannt: Er war mit den irakischen Mitgliedern der sogenannten Schaffhauser Zelle befreundet, die später wegen terroristischen Aktivitäten zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Auch Abdulrahman O. wurde 2015 von der Bundesanwaltschaft angeklagt – aber freigesprochen. Der Vorwurf, er habe den IS unterstützt, liess sich nicht beweisen, berichtete die «SonntagsZeitung».

In seiner Moschee in Kriens rief er in seinen Predigten aber wiederholt dazu auf, «widerspenstige» Frauen zu disziplinieren – falls nötig, sogar mit leichten Schlägen. Zudem betonte der Imam, dass die Gesetze des Islams nicht nur Muslime, sondern auch für Nicht-Muslime «zeitlos gültig» seien.

Konsequentes Vorgehen gefordert

Der Berner SVP-Nationalrat Werner Salzmann ist entrüstet: «Personen, die Frauen diskriminieren, zu Gewalt gegen sie aufrufen und dann noch verkünden, dass die Scharia für alle gelten soll, haben in der Schweiz nichts verloren.» Die Behörden müssten auf jeden Fall konsequent gegen solche Personen vorgehen, fordert der Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates.

An Leib und Leben bedroht und trotzdem in Irak gereist

Fälle wie jene von Abdulrahman O., der laut der «SonntagsZeitung» mehrmals zurück in sein Heimatland Irak reiste – obwohl er den Schweizer Migrationsbehörden erzählte, er werde an Leib und Leben bedroht – würden zeigen, wie das Schweizer Asylrecht ausgenutzt werde, sagt Salzmann. «Solche Kriminellen müsste man entweder dingfest machen oder ausweisen.»

Heftige Kritik an den Aussagen des Imams äussert auch die FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger. Solche Äusserungen seien als Aufruf zu häuslicher Gewalt zu verstehen: «Das geht gar nicht – unsere Werte und Rechtsordnung werden nicht respektiert.» Rechtlich würde sich der Imam in einem Graubereich bewegen, da er nicht konkret zu Gewalt gegen eine Person oder eine Personengruppe aufrufe.

Sie habe aber volles Vertrauen in die Behörden, dass diese bei eindeutigen Anhaltspunkten für strafbare Handlungen eingreifen würden, sagt Eichenberger. «Vor allem bei Terror-Verdacht hat der Nachrichtendienst mit dem neuen Gesetz mittlerweile die Möglichkeit, die betreffenden Moscheen oder Personen zu überwachen.»

«Ich frage mich, warum er noch als Prediger in Kriens ist»

Peter Portmann, SVP-Einwohnerrat in Kriens, hatte bereits 2015 wegen des Irakers im Zusammenhang mit den Schlagzeilen um die Schaffhauser Zelle einen Vorstoss eingereicht. «Ich frage mich, warum Abdulrahman O. noch als Prediger in der Moschee in Kriens tätig ist», sagt Portmann. Er ärgert sich, dass Kriens nach jahrelanger Ruhe nun wieder wegen der Moschee in die Schlagzeilen geraten ist. Darum hat sich der Einwohnerrat noch am Sonntag an den Computer gesetzt und einen neuen Vorstoss verfasst, den er in den nächsten Tagen einreichen will. «Ich will, dass man den Leuten reinen Wein einschenkt», so Portmann weiter.

Auch der Krienser Stadtpräsident Cyril Wiget (Grüne) hat von den neuesten Entwicklungen um die Darassalam-Moschee einige Fragen erhalten und diese an die Luzerner Polizei weitergeleitet. «Es stellt sich die Frage, ob in diesem Zusammenhang etwas strafrechtlich Relevantes vorliegt», so Wiget. Der Stadtrat von Kriens habe rechtlich keine Handhabe gegen den Imam.

Abdulrahman O. lebt im Nidwaldnischen Ennetbürgen

Wie Recherchen von 20 Minuten ergeben haben, lebt der 38-jährige Abdulrahman O. heute mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in einer Wohnung der Nidwaldner Gemeinde Ennetbürgen. O. soll mit Autos handeln, nachdem er an seinem letzten Arbeitsort nicht mehr tätig sein soll.

(dk/dag)