Aufruf zu Gewalt

07. Oktober 2019 14:39; Akt: 07.10.2019 16:40 Print

Staatsanwalt sammelt Vorwürfe gegen Imam

Die Luzerner Staatsanwaltschaft hat gegen den Imam von Kriens eine Untersuchung eingeleitet: Er wird verdächtigt, zu Gewalt oder Verbrechen aufgerufen zu haben.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ausgelöst wurde die Untersuchung der Luzerner Staatsanwaltschaft durch einen Bericht der «SonntagsZeitung». Demnach soll ein 38-jähriger Imam, der aus dem Irak stammt, Anfang August in einem Freitagsgebet in der Krienser Darassalam-Moschee den Gläubigen geraten haben, ihre Ehefrauen mit leichten Schlägen zu disziplinieren. Diese Methode sei anzuwenden, wenn andere Massnahmen wie Gespräche und das Verlassen des Ehebetts nichts genützt hätten.

Freispruch im IS-Prozess

Es sei legitim, dass ein Mann seine Frau zur Disziplinierung schlage, aber nicht aus Grausamkeit oder aus Gewalt, habe der Imam gesagt. Er soll die Gewalt gegenüber der Ehefrau mit der Bestrafung von Kindern verglichen haben.

Der Imam soll 2007 als Asylbewerber in die Schweiz eingereist sein. 2015 wurde gegen ihn wegen terroristischer Aktivitäten ermittelt, er wurde aber 2016 im sogenannten IS-Prozess vom Bundesstrafgericht freigesprochen, weil ihm keine strafbaren Handlungen nachgewiesen werden konnten.

Staatsanwaltschaft eröffnet Untersuchung

Die Unterstützung einer kriminellen Organisation sah das Gericht als nicht erwiesen an. Abdulrahman O.* soll damals sogar eine Entschädigung von 1092 Franken erhalten haben, obwohl er von der Staatsanwältin in der Hauptverhandlung als «geistiger Brandstifter» bezeichnet worden war.

Nun beschäftigt sich auch die Luzerner Staatsanwaltschaft mit dem Imam aus Kriens und hat eine Untersuchung eingeleitet: Der 38-jährige Mann wird verdächtigt, öffentlich zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit aufgerufen zu haben, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtet. Dabei handle es sich um ein Offizialdelikt: Die Staatsanwaltschaft muss also von sich aus tätig werden, ohne dass eine Anzeige vorliegt.

Weitere Details sind noch unbekannt

«Es wurde am Montagmorgen entschieden, dass wir tätig werden», sagt Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft. Weitere Details konnte er noch nicht bekannt geben: «Zuerst müssen wir die Vorwürfe und Aussagen von O. sammeln, bevor die Staatsanwaltschaft über das weitere Vorgehen entscheiden kann.» Aktuell sei gegen O. kein anderes Strafverfahren hängig. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gelte ausserdem die Unschuldsvermutung.

* Name der Redaktion bekannt

(dag/sda)