Hartes Pflaster

03. Juni 2016 05:52; Akt: 03.06.2016 05:52 Print

In Luzern sterben die Schuhgeschäfte aus

von Daniela Gigor - Der Schuhhandel in Luzern ist in der Krise: Am Hirschenplatz gab es einst drei Schuhgeschäfte – nun wird auch noch Vögele seine Filiale schliessen. Die Gründe sind vielfältig.

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Bata, Pasito und Vögele-Shoes waren seit vielen Jahren am Hirschenplatz in Luzern präsent. Bereits geschlossen wurde dort die Pasito-Fricker-Filiale. Weil Bata im April 2016 ankündigte, dass 29 Läden geschlossen werden, wird auch dieses Geschäft verschwinden. Die nächste Hiobsbotschaft kam vom Traditionshaus Imgrüth, das sein Geschäft an der Pilatusstrasse schliesst.

Doch damit nicht genug: Am Hirschenplatz wird demnächst auch noch Vögele-Shoes seine Tore schliessen. Wann genau das Geschäft schliesst, steht noch nicht fest. Auch über die Nachfolge ist noch nichts bekannt. Die Medienstelle von Vögele-Shoes war am Donnerstag nicht erreichbar.

Franz Stalder, Präsident der City Vereinigung Luzern, wusste auf Anfrage noch nichts von der Vögele-Schliessung, bleibt aber gelassen: «Früher hiess es, die Altstadt bestehe nur aus Kleider- und Schuhläden. Jetzt gibt es mehr Uhren- und Schmuckgeschäfte. Handel bedeutet Wandel.» Die Gründe für das Sterben von Schuhgeschäften sieht Stalder darin, dass die Konsumenten vermehrt im angrenzenden Ausland und im Internet einkaufen. Auch würden viele Anbieter von Kleidern und Lederwaren auch Schuhe verkaufen. Stalder: «Obwohl Geschäfte kommen und gehen, gibt es in Luzern keine leeren Geschäftsräume.»

Schuhschweiz.ch rügt Branche und Stimmbürger

Das Aussterben von Schuhgeschäften ist für Dieter Spiess, Präsident von Schuhschweiz.ch, bereits zur traurigen Gewohnheit geworden: «Seit 2015 schliessen in den Städten auch traditionelle Schuhgeschäfte an guten Lagen.» Die wirtschaftliche Situation in der Schweiz sei nicht so verheissungsvoll und der Schweizer Franken stark. Hinzu kommen würden noch Einkäufe im Ausland und die hohen Ladenmietpreise. Besonders in Luzern würden horrende Mieten von Schmuck- und Uhrenläden bezahlt. «Diese Situation wird eskalieren», warnt Spiess. Die hohen Mieten würden besonders schmerzen, weil die Umsätze der Schuhbranche rückläufig seien. Auch die Jahreslöhne des Verkaufspersonals in der Höhe von 48'000 Franken könnten etwa auf dem Land nicht erwirtschaftet werden. Darum gebe es beispielsweise etwa in Malters kein Schuhgeschäft mehr. Spiess: «Auch die Luzerner Stimmbevölkerung ist nicht ganz unschuldig an der Situation, wenn die Läden an Samstagen bereits um 16 Uhr schliessen müssen.»

Die Online-Händler sieht Spiess nicht als Schuldige: «Heute gibt es den Online-Handel, früher den Versandhandel, und der erwirtschaftete einen Anteil von etwa sieben Prozent mit dem Verkauf von Schuhen.» Probleme ortet Spiess eher bei den Schuhhändlern: «Ich predige immer wieder, sie müssen den Kunden einen Mehrwert bieten, sich abgrenzen und anders sein, dann hat man gegenüber Online-Anbietern klare Vorteile.» Die Unternehmer sollten sich immer wieder fragen, ob sie attraktiv für die Kunden sind. Spiess' Fazit: «Die Konsumenten schätzen gute Schuhe, sie finden sie aber bald nicht mehr.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nicht Luzerner am 03.06.2016 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Hauptsache weitere Uhrenläden für die asiatischen Touristen, sind ja erst 2 Strassen voll damit...

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  • Bäckermeister am 03.06.2016 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade...

    Hauptsache es gibt wieder Platz für eine zusätzliche Bäckerei Bachmann...

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  • Valentina am 03.06.2016 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuhgeschäft sterben

    Genau wie an der Bahnhofstrasse, Uhrengeschäfte, H&M H&M nochmals H&M. Jetzt verschwindet auch noch Manor. Auch in Zürich gibt es keine Bata mehr, dafür den teueren Schuhladen Michel Kors. Das Problem sind nicht die Ladenöffnungszeiten sondern zuviele Schuhläden aber keine wirklich qualitativ hochstehend. Früher kaufte ich meine Schuhe (Gabor) immer im COOP City an der Bahnhofstr., diese haben aber ihr Schuhsegment so reduziert, dass ich meine Gabor Schuhe in einem Einkaufszentrum kaufe. Vieles ist hausgemacht, z.B nicht innovativ, zu hohe Mieten usw.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mimi am 04.06.2016 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Erfahrung

    Hab jahrelang in der Altstadt gearbeitet, sage nur eines, die langweiligste Stadt der Schweiz. Ab 19:00 Uhr absolut tot.

    • Roland P.E. am 04.06.2016 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mimi

      Party gehört nicht in die Altstadt. Gemütliches und genüssliches zusammen sein aber schon.

    • Sisi am 04.06.2016 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roland P.E.

      Party nein? Altstadtfest? Tourist abzock ja. Gibt Restaurant an der Reuss die verlangen für eine Pizza 28.-????

    • Roland P.E. am 04.06.2016 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sisi

      Party Nein! Altstadtfest Ja! Pizza gibt's auch günstiger. Luzern ist eine Touristen-Stadt. Etwas angehobene Preise sorgen für angenehme Gastung und Kundschaft! Es gibt für jedes Budget geeignete Lokale.

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  • Eva am 04.06.2016 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frieden nenn ich das nicht

    Gibt es denn wirklich keine anständige Schweizer Wirtschaft mehr? Alles billig in Asien produzieren lassen und hier teuer verkaufen, das ist Verar...ung der Kunden. Betrug und Irreführung kann doch nicht das Ziel sein, unser Land erhalten zu können. Billigkräfte einstellen, obwohl wir arbeitslose haben, die bis 65 arbeiten sollten. Liebe Regierung, geht nochmals über die Bücher und macht es besser

  • Martial Kohler am 04.06.2016 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich will Kleider anprobieren...

    Immer mehr Schrott in Asien posten, dann gehen die ganze Wirtschaft und Arbeitsplätze flöte !!

  • realistLU am 04.06.2016 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    city vereinigung selber schuld

    ..tja,schuhe wollen die chinesen und amis nicht,nur bijouterien mit gold und uhren!! Unterdessen kaufen viele luzerner ihre schuhe,mode und alltagseinkäufe in den grossen shopping's in der agglo ein. Parkplätze gibts auch immer weniger,und die verbleibenden,sind vergoldet. Dazu sage ich "selber schuld liebe city-vereinigung",macht die allstadt doch zu einem reinen chinatown,dann laufen euch die letzten luzerner davon..

  • Karl Kleinbürger am 04.06.2016 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    In Zürich ist grad das selbe. Schuhgeschäfte gibt's schon, aber deren Schuhe kann man als normale mit Kindern nicht mehr bezahlen. Also, ab in die walachei. Kein Wunder sterben verkaufsläden wo man noch zu normalen Preisen einkaufen kann. Die schlimmsten am eintönigen Sortiment an bester Lage sind die Vermieter. solch horrenden mieten können sich ja nur noch exklusive Mieter leisten. Aber das was die Stadt ausmacht, geht verloren die durchmischend von Tradition und Neuzeit.