Weggiser müssen weg

16. Juli 2014 14:04; Akt: 16.07.2014 14:56 Print

In der Horlaui wird nie mehr ein Haus stehen

von Daniela Gigor - Kaspar Widmer, Gemeindepräsident von Weggis, stellt sich Fragen zur Evakuation der zehn Bewohner in der Horlaui.

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Kaspar Widmer, Gemeindepräsident von Weggis. (Bild: zVg)

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Wegen akuter Felssturzgefahr hat der Gemeinderat Weggis entschieden, dass zehn Personen in der Horlaui per 31. Juli ausziehen müssen. Die fünf Häuser werden abgerissen. Als rechtliche Grundlage wurde die sogenannte polizeiliche Generalklausel angewendet.

Herr Widmer, wäre es nicht möglich gewesen, die zehn Betroffenen so lange zu evakuieren, bis der Stimmbürger – wie ursprünglich geplant – am 30. November über eine Felssanierung in der Horlaui hätte entscheiden können?
Kaspar Widmer: Die Entscheidung, wie sie vom Gemeinderat Weggis mit Unterstützung von Bund und Kanton gefällt wurde, ist sehr komplex. Trotz aller möglichen Fels-Sanierungsvarianten wäre es nicht mehr möglich, das Gebiet zu bewohnen.

Ist es nicht eher die Frage, was eine Fels-Sanierung, welche den Bewohnern Sicherheit geboten hätte, gekostet hätte?
Am 30. November entscheiden die Stimmbürger über die Massnahmen gegen Naturgefahren in den Gebieten Linden und Laugneri II. Es war vorgesehen, auch über die Massnahmen in der Horlaui zu entscheiden. Nun hat die bedrohliche Situation im Gebiet Horlaui unsere Pläne überholt. Wir wissen nicht, wann die Felsbrocken herunterkommen. Der Gemeinderat kann die Verantwortung für die Sicherheit der Bewohner nicht mehr tragen.

Was hätte denn die Felssanierung in der Horlaui gekostet?
Aufgrund des Vorprojekts sind wir von sechs bis sieben Millionen Franken ausgegangen. Allerdings hat die jüngste Prüfung ergeben, dass die Felsen in der Horlaui nicht mehr überwacht werden können. Die Ereignisse haben sich überschlagen. Auch müssen Sanierungen wirtschaftlichen Anforderungen entsprechen, um von Bund und Kanton Subventionsbeiträge zu erhalten.

Wäre eine Enteignung der Grundstücke und ein Abriss der Häuser auch verfügt worden, wenn in der Horlaui neue und teure Villen stehen würden?
Davon ist mit Sicherheit auszugehen.

Warum müssen die Bewohner der Gebiete Linden und Laugneri II nicht evakuiert werden, obwohl auch diese Leute in der Gefahrenzone leben?
Laut vorliegenden Untersuchungen sind im Moment keine dringenden Massnahmen notwendig.

Ein möglicher Felssturz kann sogar noch mehr Menschen in Lebensgefahr bringen, wenn ein Car oder Bus auf der Kantonsstrasse unterhalb der Horlaui unterwegs ist. Warum wird diese Strasse nicht geschlossen?
Massgebend ist die Aufenthaltsdauer. Während ein Haus dauernd bewohnt werden kann, ist für Verkehrsteilnehmer die Wahrscheinlichkeit viel geringer, dass sie von einem Felsabbruch getroffen werden.

Wurde abgeklärt, ob die zehn Erwachsenen auf ihre eigene Verantwortung in den Häusern bleiben können?
Dies ist nicht möglich, weil der Gemeinderat im Rahmen der öffentlichen Sicherheit für Leib und Leben der Bewohner verantwortlich ist.

Können Sie garantieren, dass in den nächsten zehn bis 50 Jahren keine Häuser mehr in der Horlaui gebaut werden können?
Ja, diese Garantie gibt es, weil dort keine nachhaltigen Sanierungen möglich sind und somit ein Bauverbot gilt.

Gilt das Bauverbot auch, wenn reiche Privatpersonen die Felssanierung bezahlen würden?
Ja, auch das ist undenkbar.

Welche Rechtsmittel können die Betroffenen ergreifen?
Gegen diese Verfügung kann innerhalb von 20 Tagen Beschwerde beim Kantonsgericht eingereicht werden.

Haben Bewohner Beschwerden eingereicht?
Die Beschwerdefrist läuft noch und so gibt es diesbezüglich noch keine Erkenntnisse.

Video-Reportage aus Weggis:


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandro Studer am 16.07.2014 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bei Bargeld Bezug ca. 25% des Wertes

    Wenn die Besitzer den Bargeldbetrag der Gebäudeversicherung erhalten bekommen Sie ca. 25% des Verkehrswertes. Das ist fast ein Totalverlust um es auf ca. 60% zu bringen muss eine Ersatzbeschaffung erfolgen. Die Betroffenen haben so oder so einen grossen Schaden.

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  • Andreas Durrer am 16.07.2014 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Hor-Laui

    ...steht das Wort Laui nicht für Lawine? Weshalb also lässt man überhaupt Menschen in Gebieten Häuser errichten, welche nach Naturgefahren benannt sind... Irgendwie kann ich dann kein Mitleid entwickeln. So war es auch 2005 sehr interessant zu sehen, wie fast alle alten Häuser vom Hochwasser weitgehend verschont blieben (Beispiel Kloster Engelberg), während die neuer Bauten teilweise geflutet worden sind. Offenbar hatte man früher bedeutend mehr Respekt vor der Natur und wusste diese auch zu lesen und Gefahrengebiete zu benennen... Zum Beispiel eben Hor-Laui...

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  • carmen diaz am 16.07.2014 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    die begründungen...

    ...sind ein witz. wenn ein car mit 50 leuten an der stelle vorbei fährt und es 50 tote gibt, dann ist das offenbar kein problem. zwei bewohner in einem haus aber schon. alleine daran kann man sehen, dass hier nichts mit rechten dingen her und zu geht. auch die tatsache, dass die anderen in der gefahrenzone nicht weg müssen verdeutlicht noch einmal, dass es hier eher um sparmassnahmen geht als um etwas anderes...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto Petitprince am 29.07.2014 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Weggis - halt

    Passt zu Weggis. Das Haus von Freunden ist in Weggis den Hang runtergerutsch. Schadenersatz - lächerlich. Diese Gemeinde hat sich auf Kosten der Häuslebauer bereichert und kompensiert nun minimal. Weggis ist die Gemeinde in der ich mich sicher niemals niederlassen werde.

  • Tom G. Meuli am 17.07.2014 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist lösbar

    Die Versicherung oder die Gemeinde soll ein grosses Stahlnetz bezahlen, dann sprengt man die paar Felsen oben und wenn unten noch was stehen bleibt, hat man wieder für ein paar Jahre Ruhe. So ein Problem ist doch heute lösbar oder sind die Behörden mit der Verteilung der Asylanten beschäftigt ? Dafür hat man offenbar annähernd unendliche Ressourcen zur Verfügung.

  • daniela am 17.07.2014 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaaa..... und sie stehen noch heute....

    Im sörenberg war es ja genau so.... Ein haus musste sofort geräumt werden, es sei viel zu gefährlich.... Das war vor 7 jahren.... Sie sind am schutzdämme bauen, aber das haus steht immer noch... Und das beste?! Das büro des bau-chefs ist jetzt im alten wohnzimmer meines bruders und seiner familie -.-

  • Rocky Stone am 17.07.2014 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbildliche Gemeinde

    Gute Arbeit. Umso mehr da Entscheide gegen das Verständnis der Bevölkerung, aber in ihrem Interesse getroffen werden. Nicht einfach. Es ist besser die Kritiker jetzt zu ertragen als wenn sie nach einem Ereignis angreifen man hätte nichts gemacht und wieder alle sinnlos etwas von Klimawandel heulen. Die Behörden nehmen sowas nicht auf die leichte Schulter. Und die Verschwörungstheoretiker in den Kommentaren sind der wahre Witz an der Geschichte.

  • lima am 17.07.2014 00:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierig

    Na dann viel Spass beim russischen Roulette spielen: Bei der Durchfahrt! Die Leute tun mir leid aber Sicherheit geht klar vor.