«Histotainment»

07. Mai 2019 17:27; Akt: 07.05.2019 17:59 Print

Jetzt kann man als Game-Figur vor Nazis flüchten

In einem Game können Spieler in die Rolle von Flüchtlingen im 2. Weltkrieg und in der Gegenwart schlüpfen. So soll ein neuer Zugang zur Geschichte entstehen.

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«The Journey of Europe», so heisst das Videogame, welches von der Pädagogischen Hochschule Luzern und dem Zürcher Studio Inlusio Interactive produziert wird. Das Spiel basiere auf historischen Tatsachen zum Thema Flucht und soll laut den Machern «unterhalten, visuell bestechen und gleichzeitig Wissen vermitteln.» «Histotainment» nennt die PH den Mix aus Spiel und Geschichte in ihrer Mitteilung vom Dienstag.

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Im Game steuern die Spieler zwei Flüchtlingskinder während des 2. Weltkrieges und in der Gegenwart durch Europa. Die beiden Mädchen treffen immer wieder auf Menschen, die sie auf ihrem Weg unterstützen oder auch behindern.

Flüchtlinge damals und heute

Der Fluchtweg des jüdischen Mädchen im 2. Weltkrieg führt dieses durch Nordeuropa bis in den Süden des Kontinents. Das Spiel basiere auf wahren Biographien vertriebener, geflüchteter und deportierter Europäer, so die Macher. Es thematisiere anhand eines möglichen Einzelschicksals die «Ausgrenzung, welche Millionen von Menschen während des Krieges erleiden mussten».

In der zweiten Geschichte geht es um ein Mädchen in der Gegenwart. Hier spielt sich die Ausgrenzung aber nicht innerhalb, sondern an einer der Küsten Europas ab: «So werden die Ausgrenzungen der Vergangenheit, welche als Konsequenz zur Entstehung eines friedlichen Europas führten, denjenigen der Gegenwart gegenübergestellt.»

«Neue Impulse im digitalen Zeitalter»

Interaktive Formate wie Games würden sich besonders gut dafür eigenen, einen neuen Zugang zur Geschichte zu ermöglichen. Deshalb hat die PH Luzern gemeinsam mit den Produzenten von Inclusio Interactive das Computerspiel entwickelt. Die Schüler sollen dort abgeholt werden, wo sie sich auch in ihrer Freizeit gerne bewegen: im Game-Universum. «Das Spiel hat das Potenzial, der Geschichtsvermittlung in Schule und Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter neue Impulse zu geben und im Unterricht historisches Lernen zu ermöglichen», erklärt
Peter Gautschi, Leiter des Projekts.

«Den Holocaust kann man nicht ausschalten»

«Gamification», also die Gamifizierung von historischen Ereignissen sorgte auf dem «stARTcamp.ch» in Aarau für Diskussionen. Unter anderem ging es um Fragen, ob Aspekte des Holocaust «ausgehandelt» werden dürfen. Dabei gabs auch Kritik; man könne den Holocaust nicht einfach ausschalten wie ein Game, wie «public-history-weegly.com» schreibt. Andere argumentierten damit, dass das Spielen mit dem Holocaust ohnehin stattfinden würde. Die Spiele müssten aber ehrlich und sensibel mit den Themen umgehen.

Beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) kommt das neue Game der PH Luzern jedenfalls gut an. «Ein Videospiel ist ein möglicher Ansatz, um Jugendlichen solche Themen verständlich und anschaulich zu vermitteln. Es ist zu begrüssen, wenn sich Bildungsinstitutionen, um Wissensvermittlung, Aufklärung und mehr Verständnis bei solchen Themen bemühen, sei das nun im Unterricht oder per Videospiel», sagt Jonathan Kreutner, Generalsekretär des SIG.

Das erste Kapitel des Games «The Journey of Europe» wird am Europatag im Mai 2020 für Schulen vorveröffentlicht, anlässlich des 70. Jahrestags von Frieden und Einheit in Europa.

(mik)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gerard Menuhin am 07.05.2019 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnismässigkeit

    Wieviele Filme, Dokus, Bücher und Games gibts eigentlich die die Gräueltaten der Kommunisten zum Thema haben? Oder über den Einfluss von Banken und Medien auf gegenwärtige und vergangene Kriege? Da weiss man in was für einer Welt wir leben.

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  • uwe am 07.05.2019 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paradies

    Ob man da auch miterlebt, wie unglaublich grosszügig die Schweiz ist und den Flüchtlingen (mit Kindern) weit mehr Geld schenkt, als ein durchschnittlicher Familien Vater verdient?

  • Peppo am 07.05.2019 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gametitel

    Die europäische Geschichte ist da schon etwas komplexer. Den Titel finde ich etwas übermütig und plakativ gewählt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maik am 08.05.2019 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Oder nicht?

    Warum spielt man eigentlich immer die Amis etc. oder warum ist ein Game immer gegen die Bösen Deutschen? Ich will ja nichts schön reden aber wenn man ehrliche, offene "Spiele" herstellen möchte, dann sollte man auch mal einfach gesagt einen Deutschen Soldaten spielen.

  • TELL am 08.05.2019 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht etwas aktuelles?

    Warum nicht ein aktuelles GAME wo man lernt von den USA zu flüchten?

  • Sarek vom Vulkan am 07.05.2019 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie

    Bitte? Davon Laufen? Nee, Ich hab sie mit meiner Spritze gsnz doll Lieb!

  • Peppo am 07.05.2019 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gametitel

    Die europäische Geschichte ist da schon etwas komplexer. Den Titel finde ich etwas übermütig und plakativ gewählt.

  • Geissenpeter am 07.05.2019 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Game über Menschenschmuggler

    das wäre mal ein tolles Game und würde die heutige Situation widerspiegeln.

    • Alternative für die Schweiz am 08.05.2019 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Geissenpeter

      Ja genau, ein Schlepper Game... und die Drahtzieher kann man dann auch gleich gerichtlich eliminieren! :)

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