Luzern

13. April 2017 05:46; Akt: 13.04.2017 09:27 Print

In diesen Läden ist Verpackung verpönt

von Nicole Agostini - Zahnpasta offen statt in der Plastiktube kaufen? In Luzern gibts das jetzt – in gleich zwei Läden, in denen Produkte ohne Verpackung verkauft werden.

20 Minuten war im Unverpackt Luzern. (Video: na)
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Läden, die dem Zerowaste -Trend folgen und vor allem Bio-Produkte anbieten, vermehren sich in Luzern: Nach der Neueröffnung des Quai4 im Februar am Alpenquai 4 gibt es neu seit Freitag an der Zürichstrasse 44 Unverpackt Luzern. Beides sind Läden, in denen man plastikfrei einkaufen kann. Kunden nehmen einen leeren Behälter aus Glas, Papier oder Stoff selber mit oder kaufen einen vor Ort. Man wägt ihn, füllt ihn mit dem gewünschten Produkt, wägt nochmals und bezahlt nach Gewicht — abzüglich des Leerguts.

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Seit der Eröffnung sei jede Altersgruppe, vor allem aber Kunden unter 50 Jahren vorbeigekommen, sagt Geschäftsinhaber Milan Nevicky (39): «Ich war positiv überrascht, wie viele Personen gekommen sind. Viele haben geschaut, welches Sortiment ich anbiete, oder gefragt, wie das Abfüllsystem funktioniert.» Plastikfreie Einkaufprofis hätten auch schon vermehrt vorbeigeschaut: «Viele kommen mit zwei leeren Taschen voll mit eigenen Behältern und wissen genau, wie es geht.»

Zahnpulver im Glas statt Zahnpasta

Unverpackt Luzern bietet auf 100 Quadratmetern Ladenfläche 250 Produkte an, darunter 13 Teesorten, 30 Gewürze, 50 Behälter mit Teigwaren, Reis, Hülsenfrüchte und Nüsse, 20 Sorten Mehl, neun Öle, Essig, frisches Bio-Gemüse aus Adligenswil oder fluorfreies Zahnpastapulver im Glas statt Zahnpasta aus der Tube.

Nevicky meint, dass man sich beim Zähneputzen an den neuen Prozess schnell gewöhne: «Man macht die Zahnbürste feucht, öffnet das Glas und tunkt die Bürstenspitze ins Pulver.»

Begeisterte Kunden wollen Leben umstellen

Auch im Quai4 ist man zufrieden. «Wir haben viele Kunden, die früher extra von Luzern nach Zürich gependelt sind. Die können wir jetzt sehr gut in Luzern bedienen», sagt Noël Wirth (23), Leiter Detailhandel. Die Nachfrage sei zufriedenstellend.

Die Kunden würden mehr und mehr für das Thema Verpackungen sensibilisiert. «Die Leute sind motiviert und gewillt, ihren Einkauf zum Erlebnis zu machen. Manche sind so begeistert, dass sie sagen, sie würden gern ihr ganzes Leben umstellen», so Wirth.

«Zu viel Plastik auf der Welt»

«Ich habe Spass dabei, in solchen Läden einzukaufen, denn in anderen Geschäften sind oft die Verpackungen viel zu gross für meinen Singlehaushalt. Das stört mich – genauso das viele Plastik», sagt eine Kundin aus dem Aargau. «Zudem sind die Bio-Produkte oft in Plastik eingepackt – das nervt noch mehr.»

Faye Rodriguez (22) aus Luzern lebt ebenfalls allein und ist begeistert, dass man im Geschäft die Produktmenge individuell bestimmen kann: «Heutzutage gibt es überall so riesige Verpackungen. Ich koche nicht so viel, da passiert es öfter, dass die Sachen ablaufen.»

Dass es «zu viel Plastik auf der Welt» gibt, findet auch ein junger Mann aus Olten. Er hat sich im Unverpackt Luzern deshalb eine Holz-Zahnbürste zugelegt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arwen90 am 13.04.2017 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie teuer?

    Und wie teuer ist das so?

    einklappen einklappen
  • smithy am 13.04.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    Ist sicherlich teurer und nicht wirklich nachhaltiger da die Produkte sicherlich individuell verpackt sein werden bei der Anlieferung/Lagerung. Da müsste die ganze Industrie umdenken

  • Andreas am 13.04.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Eigentlich logisch, dass man die Zahnpasta nicht in der Tube kauft.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Limmattaler am 13.04.2017 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Hygiene

    ...und wo ist das Waschbecken zum Händewaschen vor dem Anfassen der Lebensmittel (Gemüse und so....)?

  • Strupi am 13.04.2017 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soll gefördert werden

    Ich sehe das Problem nur bei verderblicher Waren. Allerdings würde jeder Bürger so einkaufen, hätte man schon ein beachtlichen Teil von den vorgeschlagenen 43% abgearbeitet die in der ES2050 sind. Die Idee ist super

  • Luzernerin am 13.04.2017 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Freue mich

    Ich finds super und freue mich so aufs Einkaufen!

  • dosensuppe am 13.04.2017 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    hier wird sicher nur

    an der verpackung gespart, sicher ist bei ihnen alles teurer als im supermarkt, schliesslich müssen die ja die ganzen verpackungen von der ware nehmen und die ganzen verpackungen entsorgen, oder ist es teuer, weils ein eingebildeter mini hype im biotop ist?

  • eh nöd am 13.04.2017 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Verhalten immer in Wellen

    Vor ein paar Jahrzehnten war das klar definierte Ablaufdatum auf jedem Lebensmittel die grosse Sache, welche die Konsumenten unbedingt wollten. Die führte mit zu mehr Verpackung. Nun ist ein solches Datum dem Konsumenten wohl wieder weniger wichtig, was diese neuen Ladenkonzepte erst ermöglicht...