Zu wenig Vielfalt

28. April 2019 11:52; Akt: 28.04.2019 11:52 Print

Inzuchtgefahr stoppt Bartgeier-Auswilderung

Nach vier Auswilderungen in Folge werden dieses Jahr in der Schweiz keine Bartgeier ausgewildert. Die genetische Vielfalt ist zu klein, es besteht Inzuchtgefahr.

Auf der Melchseefrutt waren 300 Personen dabei, als vergangenes Jahr zwei Bartgeier ausgewildert wurden. (Video: SDA/Keystone)
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«In den vergangenen vier Jahren haben wir jeden Sommer junge Bartgeier in der Zentralschweiz bei Melchsee-Frutt ausgewildert», teilte die Stiftung Pro Bartgeier mit. Grund: Durch das Auswilderungsprogramm sollen neue Blutlinien in den Bartgeierbestand der Alpen gebracht und so Inzuchtprobleme verhindert werden.

Finja und Fredueli waren der achte und neunte Bartgeier, die im vergangenen Juni im Melchtal ausgesetzt worden waren, seit dort das Programm zur Arterhaltung im Jahr 2015 startete. Sie bleiben vorerst die letzten. Weil keine geeigneten Jungtiere zur Verfügung stehen, muss die Stiftung die geplante Auswilderung für dieses Jahr absagen.

Keine geeigneten Tiere

Geschlüpft waren Finja und Fredueli in einer spanischen Zuchtstation. Am Erhaltungszuchtprogramm der stark gefährdeten Vogelart beteiligen sich 40 Zoos und Zuchtstationen. Auch dieses Jahr hätten viele Brutpaare Nachwuchs gezeugt, aber: «Leider stammen aber alle Jungvögel aus genetischen Linien, die in der Alpenpopulation schon gut vertreten sind. Deshalb kommen diese Jungtiere für eine Auswilderung in der Schweiz nicht in Frage.»

Inzuchtgefahr stoppt Bartgeier-Auswilderung

Die Vögel werden in anderen Regionen ausgewildert oder für die Ausweitung des Zuchtstocks im Zuchtprogramm behalten. Weil der Bartgeierbestand in den Alpen aus eigener Kraft nur langsam anwächst, sei dessen genetische Diversität noch deutlich zu klein. Ohne Auswilderung weiterer Jungtiere aus der Zucht bestehe mittelfristig ein beträchtliches Risiko für Inzucht-Probleme.

Die Bartgeier-Auswilderung von 2017. (Video: SDA/Keystone)

Elf Brutpaare in der Wildnis

Die Stiftung überwache zurzeit die Wildbruten. «Bei mindestens elf Brutpaaren konnten wir dieses Jahr bereits eine Brut nachweisen.» Wegen der Auswilderungspause werde der Infostand am Henglirain bei Melchsee-Frutt in diesem Jahr nicht betreut.

Der Bartgeier, ein Aasfresser, war früher als Lämmerdieb verrufen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er in den Alpen ausgerottet. 1986 wurde ein Wiederansiedlungsprojekt in Österreich gestartet, 1991 eines in der Schweiz.

(sda/gwa)