Einbürgerung

28. Januar 2020 20:52; Akt: 29.01.2020 10:11 Print

Jetzt spotten Briten über Schwyzer Tierpark-Frage

In Arth SZ wurde ein Italiener (51) bei der Einbürgerung über die Lebensumstände von Wölfen und Bären im Tierpark befragt. Das sorgt international für Aufsehen. Die Gemeinde wehrt sich.

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Wohnen die Bären und die Wölfe im Tierpark Goldau im gleichen Gehege? Ja, das tun sie, was ein 51-jähriger Italiener aber nicht wusste, der sich in Arth einbürgern lassen wollte. Die entsprechende Frage der Einbürgerungskommission konnte er also nicht beantworten. Wegen dieser und anderen ganz lokalen Fragen wurde der Mann nicht eingebürgert.

Später kam ihm das Bundesgericht zu Hilfe; es wies die Arther Behörde an, dem Mann den Schweizer Pass zu erteilen – sinngemäss rügten die Richter aus Lausanne die kommunalen Schweizermacher deswegen, weil ein Einbürgerungswilliger nicht über spezifisches Wissen wie die Lebensumstände von Raubtieren in Zoos, sondern über Allgemeinwissen verfügen muss.

Neben dem Rüffel aus Lausanne müssen die Arther Lokalpolitiker nun auch noch den Spott der Briten über sich ergehen lassen: Genüsslich berichtet das grosse Boulevard-Portal Daily Mail über den Fall. Das Newsportal macht sich auch lustig über weitere kuriose Fälle, bei denen Personen nicht eingebürgert worden waren: So war 2019 das Einbürgerungsgesuch einer Irakerin abgelehnt worden, weil ihre Deutschkenntnisse trotz bestandener Sprachprüfung zu schlecht seien. Die Frau hatte beim Gespräch mit der zuständigen Einbürgerungskommission über 200-mal «Äh» gesagt.

Weiter spottet das Portal darüber, dass die Tierschützerin Nancy Holten aus den Niederlanden in der Schweiz zweimal nicht eingebürgert worden war, weil sie «zu nervig» gewesen sei. Inzwischen hat Holten jedoch die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten.

Arth erklärt Bären-Wolf-Fail zur Chefsache

Neben hämischem Spott hat die Bären-Wolf-Frage auch ein politisches Nachspiel: «Dieser Fall zeigt einmal mehr auf, dass der Kanton Schwyz nicht für ein ausreichend faires Einbürgerungsverfahren sorgt. Die aktuelle kantonale Gesetzgebung muss endlich überarbeitet werden», schreibt die SP Arth-Goldau. Sie fordert ein «faireres Einbürgerungsverfahren».

In der Gemeinde Arth wurde die Bären-Wolf-Aktualität unterdessen zur Chefsache erklärt. Auskunft dazu gibt nicht der Leiter der Einbürgerungsbehörde, sondern Gemeindepräsident Ruedi Beeler (CVP). Er sagt: «Natürlich werden wir das Urteil des Bundesgerichts umsetzen, aber wir sind schon nicht erfreut darüber.» Die Kommission habe durchaus eine Gesamtwürdigung des beanstandeten Gesuches vorgenommen; bei den Fragen über die Integration in die Gemeinde aber habe der Gesuchsteller über die Hälfte aller Fragen nicht oder falsch beantwortet. «Und das reichte dann auch unter Berücksichtigung der Gesamtwürdigung nicht», sagt Beeler. Er verweist darauf, dass auch das Verwaltungsgericht den Sachverhalt gleich wie die Gemeinde beurteilt hatte.

«Das Bundesgericht ist reisserisch»

Zudem gibt der Gemeindepräsident von Arth weiter zu bedenken, dass das betreffende Einbürgerungsverfahren schon 2015 begonnen habe. Damals sei die lokale Integration von Einbürgerungswilligen noch höher als heute gewichtet worden.

Beelers Fazit zum Rüffel aus Lausanne: «Es gefällt mir gar nicht, dass uns Willkür vorgeworfen wird. Das Bundesgericht hat hier einen reisserischen Pressetext geschrieben.»

(mme)