Prozess

22. August 2019 15:17; Akt: 23.08.2019 09:24 Print

Hatte sie nur Sex oder schlitzte sie Cabrios auf?

2000 Autos brachen sie auf: Täter einer «noch nie da gewesenen Aufbruchserie» im Kanton Zug standen vor Gericht. Strittig ist die Rolle einer 19-Jährigen.

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Die Zahlen sind eindrücklich: Waren im Wert von 100'000 Franken hat eine Jugendbande aus rund 2000 Autos gestohlen. Über 17'500 Autos versuchten sie aufzubrechen. Dabei verursachten sie Sachschaden in der Höhe von 200'000 Franken. Sogar der Anwalt des Hauptangeklagten (19) sprach von einer «im Kanton Zug noch nie da gewesenen Aufbruchserie», wie Zentralplus berichtet.

Der heute 19-jährige Haupttäter und seine gleichaltrige Freundin mussten sich vor dem Zuger Strafgericht verantworten. Meistens seien die Täter zu dritt gewesen. Sie schnitten jeweils Stoffverdecke von Cabriolets auf. Vorgegangen seien sie fast immer gleich. Auch in private Garagen brachen die Täter ein, um zu den Autos zu gelangen.

Haftstrafe und Landesverweis gefordert

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Zudem soll der 19-jährige Kosovare für fünf Jahre des Landes verwiesen werden und eine Geldstrafe bezahlen. Der Verteidiger forderte eine Verkürzung der Freiheitsstrafe um sechs Monate.

Vorgeworfen werden ihm banden- und gewerbsmässiger Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung Raub, Nötigung, Fälschung von Ausweisen und mehrfacher Hausfriedensbruch.

Dealer verletzt liegen gelassen

Einige Taten gab der Beschuldigte zu – etwa der Vorfall, weshalb ihm Nötigung vorgeworfen wird: So hatte er zusammen mit einem Komplizen einem Dealer Kokain gestohlen. Zuvor hatte der Komplize diesem in die Kniekehle getreten. Darauf stürzte der Dealer und schlug mit dem Kopf auf dem harten Boden auf.

Die Folgen: Ein Schädelhirntrauma mit Bruch des Schädelknochens und diverse Blutungen. Den Dealer liessen sie nach der Tat in Lebensgefahr schwebend liegen. Seinen Drogenkonsum gab er auch an als Grund für die Diebstähle: «Ich habe einfach das Geld gebraucht», sagte er.

Freispruch für Freundin gefordert

Im Vorstrafenregister des Haupttäters gebe es bereits einige Einträge. Weil er als Jugendlicher wegen versuchter schwerer Körperverletzung verurteilt wurde, könnte es zudem sein, dass er die damals ausgesprochene bedingte Haftstrafe von zwölf Monaten absitzen muss.

Auch seine Freundin musste sich vor dem Strafgericht verantworten: Auch für sie wurde wegen bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten und eine Busse gefordert.

Sie bestritt ihre Beteiligung aber: Dass ihre DNA an sieben Tatorten gefunden wurde, habe den Grund, dass sie zuvor mit ihrem Freund «intim gewesen» war. «Es handelt sich hier um eine DNA-Übertragung, nicht um bandenmässigen Diebstahl», so ihr Anwalt. Er forderte für sie einen Freispruch.

Das Urteil wird am kommenden Montag verkündet.

(gwa)