Luzern

26. Juli 2019 04:50; Akt: 26.07.2019 04:50 Print

Rätsel um Treffen von ehemaligen Elitesoldaten

Die Gruppierung Uniter aus Deutschland, plant ein geheimes Treffen im Kanton Luzern. Der «rechtsextreme Verein» wolle in die Schweiz ziehen, warnt die Juso.

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Dem Netzwerk Uniter aus Stuttgart (D) werden Kontakte zur rechtsextremen Szene nachgesagt. Laut barrikade.info wurde in Deutschland bereits der Generalbundesanwalt gegen den Verein aktiv. Weil sich die Bedingungen für den Verein in Deutschland zunehmend verschärften, plane dieser den Umzug in die Schweiz, schreibt die Juso Luzern in einer Medienmitteilung, in welcher sie vor Uniter warnt. Fest steht: Für Freitag ist in Luzern ein Treffen von Uniter-Leuten geplant. Den Treffpunkt hält der Verein geheim.

Zweifelhafte Absichten, militante Strukturen

«Netzwerk für Sicherheit, Leben, Bildung und Entwicklung» – dies sind die Werte des Vereins laut dessen Homepage. Zu den Mitgliedern zählen sich etwa aktive und ehemalige Elitesoldaten. Auch Personenschützer und ehemalige Polizisten sollen im Netzwerk aktiv sein. Laut eigenen Angaben soll der Verein eine Plattform bieten für «Menschen mit gleichen Werten und Tugenden, ohne Ansehen ihrer Herkunft, ihrer Kultur oder ihres Glaubens».

Einzelne Mitglieder und Personen, die dem Netzwerk nahe stehen, werden mit rechtsextremen Straftaten in Verbindung gebracht. Der deutsche Soldat Franco A. sei gemäss Berichten im Uniter-Netzwerk aktiv gewesen und ist wegen «illegalem Waffenbesitz und Vorbereitungen von Terroranschlägen gegen deutsche Politikerinnen, Flüchtlingsunterkünfte und Religionsgemeinschaften verhaftet» worden.

Der renommierte Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom hält die Gruppe für brandgefährlich. Er sagt gegenüber dem Magazin «Focus»: «Die jahrelange Vertuschung illegaler KSK-Operationen (Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr KSK, Anm. d. Red.) im Ausland, die politische Blockade einer funktionierenden parlamentarischen Kontrolle und die mangelnde militärische Dienstaufsicht über eine Rambo-Truppe haben die Wiedergeburt eines braunen Freikorps begünstigt».

Auch der rassistische Attentäter von Christchurch unterstützte gemäss der Juso den Verein. Letzten Samstag sei zudem bei einer Demonstration der rassistischen Identitären Bewegung in Halle das Logo von Uniter aufgetaucht. Ende 2018 geriet der Verein in den öffentlichen Fokus, seither prasseln schwere Vorwürfe auf ihn ein. Der schwerste: Mitglieder des Netzwerks sollen den Aufbau einer rechtsnationalen Schattenarmee geplant haben.

Chefs in der Schweiz

Laut Medienberichten wohnen der Präsident und auch der Vize des Netzwerks in den Kantonen Zug und Luzern. Da in Deutschland vermehrt gegen den Verein Stimmung gemacht werde, erwäge man eine Übersiedlung in die neutrale Schweiz. «Die Stimmung in der Schweiz ist weniger hysterisch als in Deutschland», sagte der Vizepräsident zur «Luzerner Zeitung».

Uniter distanziert sich von Vorwürfen

«Das Zusammentreffen in Luzern möchten wir vor allem dazu nutzen, die Mitglieder und Interessenten aus der Schweiz zu verbinden», schreibt der Verein auf seiner Facebook-Seite. Wo dieses stattfinden, ist nicht aufgeführt.

Den Vorwürfen will der Verein laut eigenen Angaben mit einer Schärfung des eigenen Profils begegnen. So solle durch Pressearbeit und via Social-Media die öffentliche Wahrnehmung positiv gestaltet werden. Von Straftaten und Rechtsextremismus distanziert sich der Verein.

Polizei weiss von Treffen

Die Medienstelle der Polizei Luzern gibt sich auf Anfrage zugeknöpft. Sie lässt einzig verlauten: «Wir haben Kenntnis von diesem Anlass». Die Polizei sei durchs Internet auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. Weitere Angaben will sie dazu nicht machen.

Auf Anfrage von 20 Minuten hat Uniter am Donnerstag eine Stellungnahme in Aussicht gestellt. Diese ist bis anhin jedoch nicht eingetroffen.

(nob)