Wegen Swisscom-Panne

14. Februar 2020 09:45; Akt: 14.02.2020 12:22 Print

Kanton Schwyz führt «Steinzeit»-System ein

Wegen der Swisscom-Panne in der Nacht auf Mittwoch waren erneut keine Notrufnummern erreichbar. Nun setzt der Kanton Schwyz auf alte Funktechnik.

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Bei Wartungsarbeiten hat die Swisscom in der Nacht zum Mittwoch grosse Teile ihres Netzes lahm gelegt. Betroffen waren erneut auch die Notrufe. Nach der zweiten grossen Panne innerhalb eines Monats will das Bakom die Ursachen nun selber untersuchen.

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Von 22.33 Uhr am Dienstagabend bis 00.10 Uhr am Mittwochmorgen ging für viele Swisscom-Kunden gar nichts mehr: Keine 4G-Mobiltelefonie, kein mobiles Internet, aber auch keine Festnetzverbindung und kein Internet zu Hause.

Um dies zukünftig zu verhindern, reagierte der Kanton Schwyz bereits. Fest stand: Das Lösungssystem darf nicht auf dem Internet basieren. Deshalb entschied sich der Kanton für sogenannte Polycom-Funksysteme, welche an diversen Notfall-Treffpunkten anzutreffen seien, wie Regierungsrat André Rüegsegger gegenüber dem «Boten»erklärt.

«Es ist wie ein Rückschritt in die Steinzeit»

Solche Notfall-Treffpunkte soll es überall im Kanton geben. Das dort installierte Polycom ist ein notstrombasiertes nationales Funksystem, wie der «Bote» berichtete. Es wird von Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit eingesetzt. «Es ist wie ein Rückschritt in die Steinzeit», sagt Regierungsrat Rüegsegger, «doch wenn das Internet nicht mehr funktioniert, müssen wir auf Altbewährtes zurückgreifen.» So können Menschen bei erneuten internetbasierten Störungen trotzdem einen Notruf tätigen.

Einsiedeln habe bereits Hinweisschilder angebracht. Andere Gemeinden würden damit noch abwarten. Trotzdem hätten die Gemeinden Arth, Altdorf und Lachen die Bewohner bereits über die Notfall-Treffpunkte informiert. Vermehrt befänden sich die Treffpunkte bei den Feuerwehrlokalen der Gemeinde. In Bennau wurde das Schild zwischen Schulhaus und Kirche angebracht, berichtete der «Bote».

Polizei, Feuerwehr und Rega sind gewappnet

Das Polycom-Funksystem wird aber nur bei länger dauernden Ausfällen in Betrieb genommen. Ausserdem würde bei einem Totalausfall des Internets auch die Polizei Massnahmen ergreifen. «So ist vorgesehen, bei einem längeren Ausfall der Notfallnummern die Feuerwehrdepots personell zu besetzen, und seitens der Kantonspolizei Schwyz würde eine erhöhte Patrouillentätigkeit und Dienstbereitschaft erstellt», sagt Polizeisprecher Florian Grossmann zum Boten. Auch können die Einsatzkräfte der Feuerwehr mittels Sirenenalarm ins Depot aufgeboten werden.

Auch die Rega-Einsatzzentrale am Flughafen Zürich setze seit längerem auf alternative Kommunikationsmittel, «um bei einem Totalausfall des Swisscom-Netzes ständig in Kontakt mit ihren 12 Einsatzbasen zu bleiben», wie Adrian Schindler, Mediensprecher der Rega erklärt. die Einsatzzentrale in Zürich koordiniert jegliche Einsätze in der gesamten Schweiz. «Dank Funktechnologie können die Rega-Einsatzleiter die Rettungshelikopter jederzeit aufbieten und mit der Crew in Kontakt bleiben», so Schindler weiter. Zudem könne man so mit anderen Blaulichtorganisationen kommunizieren, und dies «unabhängig vom Swisscom-Netz», wie Schindler sagt.

(jab)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • thomasmagnum am 14.02.2020 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Steinzeit??

    Was heisst hier Steinzeit? Wenn man sich so ein riesiges, unverantwortliches Klumpenrisiko selbst schafft und alles übers Internet laufen lässt, muss man sich nicht wundern, wenn bei der geringsten Panne alles ausfällt. Stellt euch mal vor, wir haben selbstfahrende Autos, die nur noch dank permanenter Internetverbindung überhaupt auf der Strasse bleiben. Und dann produziert Swisscom eine Panne. Guet Nacht am Sächsi! Gute Lösungen sind nur in den Augen von unverbesserlichen Digitalfreaks "Steinzeit"!

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  • Linus am 14.02.2020 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Das mögen die Amis aber gar nicht

    Wie wollen die Amis das effizient abhören? Die digitalen Leitungen in der Schweiz sind jetzt schliesslich komplett von den USA angezapft und jedes Bit wird dort ausnahmslos ausgewertet. Die hören "Funk" und "Analog" überhaupt nicht gerne.

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  • Pit767 am 14.02.2020 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen im Digitalen Zeitalter

    Wir Riskieren eine Menge wenn mann nur noch alles Digital halten will. Das gleiche gilt mit der gsnzen digitalisierung in den Behörden... sicherheit kann nie gewährleistet werden, da im Internet auch mit Verschlüsselung etc. nichts unhackbar bar... hat uns ja Crypto deutlich gezeigt....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D.Enk-Zettel am 17.02.2020 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum auch einfach, wenn's kompliziert auch geht..

    Wie wäre es, wenn die Swisscom anstelle ihrer " leider sind zur Zeit alle unsere Mitarbeiter besetzt....." Hotline eine " wir haben ein technisches Problem und arbeiten daran" aufstarten würde. Erstens würde dies ihre Callcenter- Mitarbeiter aus der "Schusslinie" nehmen und zweitens wüsste jeder Anrufende was Sache ist.

  • Schüppbacherbote am 17.02.2020 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wir in Schüppbach

    haben ganz einfach einen Stall angezündet um die Feuerwehr per Rauchsignal zu informieren. Rückständig oder einfach gretastisch modern?

  • Dani am 16.02.2020 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Gemeinde

    Die Gemeinde heisst Altendorf, Altdorf ist der Hauptort von Uri.

    • Mexikanerin am 17.02.2020 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      Finger im Po

      Mexiko

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  • Peter J. am 16.02.2020 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Alt, digital aber es funktioniert

    Na ja Polycom ist alt, manche sagen bereits bei Einführung veraltet, aber es ist digital, wird bei allen Blaulichtorganisationen und dem Militär eingesetzt und wird auch für Polyalert bei der Sirenensteuerung eingesetzt.

  • H. Bösch am 16.02.2020 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cyber-Angriff?

    Könnte dies nicht auch ein Cyber-Angriff von einem Mitbewerber sein? Denkt mal nach.