Recyclingkunst

10. Februar 2016 06:00; Akt: 10.02.2016 07:08 Print

Kappe aus Menschenhaar – Trend oder Ekel?

Zwei Luzerner Kunststudenten widmen sich dem «Zero Waste»-Trend und machen Kappen aus echtem Haar. Sie stossen damit auf gemischte Reaktionen.

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Menschliche Haare wachsen und werden – meistens beim Coiffeur – geschnitten. Danach werden sie in der Regel mit anderem Abfall verbrannt, da sie nicht alleine kompostierbar sind. Die beiden Studenten der Hochschule Luzern Design und Kunst Sibylle Uhler und David Williner haben deshalb das Potenzial dieses Produkts erkannt und einen neuen Einsatzbereich gesucht, wie hochparterre.ch berichtet: «Wir wollten einen Werkstoff herstellen, der im Alltag der Menschen einen Platz findet», so Williner.

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Würden Sie diesen hipstrigen Kopfhaarschmuck tragen?
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Insgesamt 1559 Teilnehmer

Coiffeure freuten sich über Anfrage

In den Friseursalons stiessen die beiden Produktdesigner auf offene Ohren bei den Hairstylisten. Sie hätten den Studenten die Haare sackweise zur Verfügung gestellt. Auch die Kunden der Coiffeure freuten sich: «Wenn einer der Kunden gerade auf dem Friseurstuhl sass, haben wir ihn gefragt und auch sie waren begeistert», so Williner.

Nachdem sie das nötige Material zusammen hatten, ging es an die Herstellung. Williner: «Wir haben einige Experimente durchgeführt, bis wir auf die Idee des Filzens gekommen sind.» Es sei die beste Methode zur Herstellung eines Textils aus Menschenhaar. Durch eine Kombination von Nass -und Nadelfilzen stellten die angehende Textildesignerin und der Objektdesign-Student grosse und stabile Filzflächen her und nähten daraus Kappen.

Extra gewaschen wurden die Haare vor dem Verfilzen aber nicht mehr: «Das hat ja schon der Coiffeur gemacht», so Williner. «Wir haben den Haarvlies nur noch eingeseift und durch das Filzen selbst wird das Haar sowieso nochmals gereinigt.»

Haarige Reaktionen der Mitstudenten

Für die beiden Studenten ist menschliches Haar ein Werkstoff wie jeder andere: «Die Anwendung einer Kopfhaarbedeckung, die aus Haupthaar hergestellt ist, soll den Ekel bei den Menschen überwinden.» Früher habe man in manchen Kulturen die Verstorbenen sogar damit geehrt, dass ihr abgeschnittenes Haar zu Trauerschmuck verarbeitet und von den nächsten Verwandten getragen wurde. Williner meint weiter: «Das Haar verschwindet von einem Kopf und wird in neuer Form auf ein anderes Haupt gesetzt.» Eigentlich setzten die Kappen durch den nachhaltigen Werkstoff auf den «Zero Waste»-Trend und würden so ein urbanes Publikum ansprechen.

Trotzdem merke man laut Williner, dass das Thema Haar mit vielen Bedeutungen und Gefühlen aufgeladen ist. So waren manche Dozenten und Studenten nicht sehr angetan von den Hipster-Mützen: «An der Ausstellung in unserer Schule spürten wir eine gewisse Abneigung gegenüber unserem Produkt», sagt Williner. Dies habe aber wahrscheinlich damit zu tun, dass die Menschen das Haar als tot betrachten, wenn es nicht mehr an der Kopfhaut ist. Williner: «Wir haben bemerkt, dass der Grundekel erst dann eintritt, wenn das Haar geschnitten ist.» Solange es auf dem Kopf des Menschen sei, würden es alle bewundern und schön finden.

(jak)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dr. p am 10.02.2016 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    mir wäre das rohstoffmaterial an und für sich egal. schade nur ist das endprodukt so unglaublich hässlich. ;) schade um die viele arbeit...

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  • Petra Wyler am 10.02.2016 06:36 Report Diesen Beitrag melden

    Bei Tierfell auch ok....

    Viele tragen heute ja wieder Fell/Pelz an Jacken oder als Mützen (ironischerweise als Kunstpelz deklariert aber echtes Fell verarbeitet, da billiger siehe diverse Artikel in Zeitungen vor paar Wochen). Ich frage mich warum man beim Menschenhaar dann so reagiert. Im Gegensatz zum Tier lebt der Menschenhaarspender noch.

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  • Reality am 10.02.2016 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunst?

    Was man heute alles als Kunst bezeichnen darf...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michelle am 11.02.2016 00:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar, warum nicht

    Haare oder Wolle, wo ist da der Unterschied. Schliesslich gehen wir freiwillig zum Coiffeur, und werden nicht lebend gerupft, wie manchmal Enten oder Gänse für die Daunengewinnung! Ob's gefällt ist eine andere Frage!

  • Saskiia am 10.02.2016 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Wort

    Eklig

  • Kassiopeia am 10.02.2016 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt der Unterschied?

    Komisch, Nieren, Herzen, Augen, Haut von anderen Menschen ist ok, Haare nicht?

  • Freddy am 10.02.2016 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kapitalismus pur

    Ist doch alles eine Frage des Preises sollten solche Produkte auf den Markt kommen. Aus Abfall werden. wieder Millionen gemacht. Die Wirtschaft will das so. Ist leider Tatsache. Wir bezahlen viel für Abfall und wir möchten sicher sein das er dann auch korrekt Entsorgt wird und nicht noch damit Geschäfte gemacht werden.

  • Büezer am 10.02.2016 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmm....

    Vielleicht könnte man die Haare in verschiedene Werkstoffe beimischen, so wie Beton oder In Kunstharz. Weiss jemand ob damit die Festigkeit dieser Werkstoffe erhöht werden kann? Oder als Dämmmaterial.... Alles wäre möglich....

    • dfgjk am 10.02.2016 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Büezer

      als armierung in farben. ich weiss wovon ich rede. bin maler.

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