Lämpchen-Streit

08. Januar 2013 02:06; Akt: 08.01.2013 11:44 Print

Kein Gratis-Licht mehr für die Kirche Näfels

Ein Landwirt aus Schänis SG muss nicht mehr für den Unterhalt des «Ewigen Lichts» in der Kirche Näfels aufkommen. Das Gericht befreite ihn von einer Grundlast aus dem Jahre 1357.

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In Näfels hing der Kirchensegen schief. Weil ein Bauer die Kerzen für das Ewige Licht im Gotteshaus nicht bezahlen will, klagte die Kirche den ungehorsamen Erdenbürger an. Den Schritt vor das weltliche Gericht begründet die Klägerin mit einem jahrhundertealten Brauch: Gemäss einer Urkunde im Kirchenarchiv Näfels soll Konrad Müller 1357 Heinrich Stucki umgebracht haben. Um sich von seiner Schuld loszukaufen, versprach er der Kirche, für den Unterhalt des Ewigen Lichts aufzukommen ... ... bis in alle Ewigkeit. Auf diese Urkunde stützt sich die Kirche: Ob dieser Mord tatsächlich stattgefunden hat oder der Ursprung der Ewig-Licht-Stiftung auf den tödlich endenden Streit zweier Tschudibrüder zurückgeht (eine Legende, die ebenfalls in den Näfelser Geschichtsbücher auftaucht), ist aber unklar. Trotz dieser unsicheren Faktenlage beharrt die Kirche darauf, dass die Besitzer zweier Parzellen in Näfels die Kerzen für das Licht bezahlen. Sie hat dem Angeklagten eine Rechnung von 1400 Franken für die nächsten 20 Jahre «Ewiglichtölkerzen» geschickt und will den Usus ins Grundbuch übertragen. Eine Rechnung aus dem Jahr 2006. Offenbar haben sich die Beträge mehrmals verändert. Diesesmal sollte die Mutter des Angeklagten 96 Franken zahlen. Die Kirche stellt sich auf den Standpunkt, dass sie dem Bauern schon genug entgegengekommen ist. Für Jakob Ackermann, den Verteidiger des Bauern, ist das Verhalten der Kirche «absurd». Das Kantonsgericht Glarus gab dem Bauern recht, wie es am 7. Januar bekannt gab. Damit muss er nicht mehr für das «Ewige Licht» aufkommen.

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Ein Lämpchen erhitzte in Näfels GL die Gemüter. Ein Landwirt wehrte sich dagegen, für den Unterhalt dieser Lampe Nussbaumöl im Wert von 70 Franken pro Jahr zu bezahlen. Das Kantonsgericht Glarus gab ihm Recht und befreite den Mann von einer Grundlast aus dem Jahre 1357, wie es am Montag mitteilte.

Beim Landwirt handelt es sich um einen Grundstückbesitzer des Landes, auf dem anno 1357 die Nussbäume des Niederurners Konrad Müller standen. Dies ist deshalb ausschlaggebend, weil es damals zu einem Mord gekommen sein soll. So hatte Mitte des 14. Jahrhunderts angeblich ein Konrad Müller einen Heinrich Stucki getötet. Für dessen «Seelenheil» und um sich der Rache der Familie zu entziehen, stiftete Müller der Pfarrkirche Mollis ein «Ewiges Licht». Sollte er seiner «ewigdauernden» Verpflichtung nicht nachkommen, so würden seine Grundstücke an die Pfarrei verfallen.

«Das ist absurd»

Das «Ewige Licht» wurde im Zug der Reformation der Pfarrei Näfels zugesprochen und die Liegenschaftsbesitzer erfüllten ihre Verpflichtung während der folgenden Jahrhunderte weiter. Als die Kirchgemeinde Näfels die 655 Jahre alte Unterhaltspflicht im Grundbuch der Gemeinde eintragen wollte, wehrte sich einer der Grundstückbesitzer, der junge Landwirt, dagegen. Darauf klagte ihn die Kirche an.

Sein Verteidiger Jakob Ackermann sagte zu 20 Minuten Online Anfang Dezember. «Das ist absurd». Er habe mit Historikern gesprochen, die Urkunden durchforstet und sich das Ewige Licht angesehen. Sein Fazit war klar: Weder aus den alten Schriften geht hervor, dass die Lampe etwas mit dem Mord zu tun hat, noch ist dokumentiert, dass es sich bei den heute belasteten Parzellen um jene handelt, die einst Stucki gehörten.

Es besteht keine Grundlast

Das Gericht gab dem Landwirt recht. Denn das geltend gemachte Recht sei spätestens nach der Bereinigung des Hypothekarwesens im Kanton Glarus in den Jahren 1842 bis 1849 untergegangen. Ausserdem gebe es keinen besonderen Bezug zwischen der Unterhaltspflicht für das «Ewige Licht» und den betroffenen Liegenschaften. Deshalb könne die Grundlast nicht bestehen.

(jep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frank am 08.01.2013 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch klar...

    "bis in alle Ewigkwit"... tja letztes Jahr ist die Welt ja untergegangen (wir haben es nur nicht gemerkt) und somit ist die Ewigkeit nun erreicht -> keine Zahlungspflicht mehr.

  • Lecram. am 08.01.2013 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gier nach Licht?

    Hat die Kirche auch ein Vertrag mit Gott ( schriftlich )? Wahr früher Mode dem Volk Angst zu machen , heute sind die Bauer nicht mehr so Dumm. Das ewige Licht trägt man im Herzen und nicht in der Kirche.

  • Yannick Brunner am 08.01.2013 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    Geld- und Machtgier

    Was ist das für eine Kirche, was für Menschen stecken da dahinter? Die sollten sich schämen. Sogar hier geht es nur um Geld und Macht. Für so einen alten Humbug sogar noch vor Gericht eine Zahlung erzwingen zu wollen, hat nur mit Geldgier und Macht zu tun. Kein Wunder, laufen diesen so genannten Hirten die Schäfchen davon.

Die neusten Leser-Kommentare

  • unsc am 11.01.2013 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wurde mit dem Geld

    die Familie des Opfers damals entschädigt, oder handelt es sich um ordinäre Schutzgeldzahlungen?

  • J. Meyer am 08.01.2013 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    alte Urkunden

    Ich möchte noch anmerken, dass, wenn alle Urkunden der Vergangenheit heute rechtsverbindlich wären, so möchte ich nicht wissen wie das heutige Bild der Schweiz ausehen täte, wenn tatsächlich über Generationen hinweg solche Urkunden aufbewahrt worden sind. Aus dem Jahr 1357 dürften da wohl in Kirchenarchiven mehr Urkunden liegen, als in privater Hand, aber allein die Tatsache, das vielleicht auch Zinsen fällig wären, würde wohl zu Summen generieren, die kaum alle Banken der CH im Tresor haben dürften. Oder Pachtzinsen von Häusern auf fremden Grund o.ä. Fälle.

  • J. Meyer am 08.01.2013 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nächstenliebe mit hohler Hand

    Die katholische Kirche ist eine der reichsten Institutionen der Welt u lehren die christliche Lehre Jesus. Doch Jesus war ein armer Mann. Wenn Glauben darin besteht, anderen das Scherflein aus dem Säckel zu ziehen, muss sich auch keiner mehr wundern, wohin sich diese Kirche selbst führte. Nächstenliebe mit hohler Hand predigen, widerspricht dem christlichen Glauben. Ich bin Christ auch ohne Kirche, denn da verliert man sich. Der obige Artikel bestätigt nur meine Meinung zur Kirche aufs Neue.

  • Steve Meyer am 08.01.2013 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderliche Kirche

    Dass die so was noch einklagen. Keine Dokumente, Belege, Unterlagen, nur Glauben. Wäre toll wenn die Kirche gewonnen hätte. Dann könnte jeder Bürger eingeklagt werden für seinen Glauben oder nicht Glauben. Kein Wunder gibt es immer mehr Kirchenaustritte. Bein uns baut die Kirche Wohnungen um die ausbleibende Kirchensteuer zu ersetzen. Wenn etwas nicht mehr funktioniert sollte man wohl damit aufhören. Wenn der Glaceverkäufer keine Glacen mehr verkaufen kann, vermietet er Wohnungen um sein Glace Geschäft offen zu behalten...

  • Patrick Lenhart am 08.01.2013 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    nach einigen Jahrhunderten.

    Das die Kirche es nötig hat und wegen läppischen 70.- sFr im Jahr ein Gericht bemühen muss ist schon mehr als erbärmlich.

    • Max Muster am 08.01.2013 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      Rechnung

      Nun ja, man kann es auch so sehen. Allerdings musst du auch sehen das die Familie nun über 45'000 CHF bezahlt hat.

    • Jay Lay am 08.01.2013 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      Ja da hast du recht

      Die Kirche ist und war schon immer erbärmlich.

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