Luzern

05. März 2011 11:43; Akt: 05.03.2011 11:46 Print

Kein Pardon für betagten Serienbetrüger

von Attila Szenogrady - Ein Rentner aus Luzern wollte mit nicht gedeckten Checks diverse Fahrzeuge für über 230 000 Franken ergaunern. Obwohl ein Grossteil der Betrüge misslang, muss der mehrfach vorbestrafte Senior für 20 Monate ins Gefängnis.

Fehler gesehen?

Mit dem heute 71-jährigen Luzerner stand am Donnerstag kein alltäglicher Angeklagter vor dem Bezirksgericht Zürich. So hatte der rüstige Innerschweizer trotz seines fortgeschrittenen Alters nicht nur im kriminellen Bereich erstaunlich viel Energie gezeigt. Zusammen mit seiner jungen Ehefrau zeugte er in den letzten Jahren noch zwei Kinder im heutigen Alter von fünf und zwei Jahren.

Fleissiger Serienbetrüger

Um seiner Familie ein anständiges Leben zu bieten, verlegte sich der bereits mehrfach vorbestrafte Senior auf reichlich unanständige Methoden. So betätigte er sich zwischen Ende 2007 und Sommer 2009 in verschiedenen Kantonen als fleissiger Serienbetrüger. Meistens arbeitete er mit einem Komplizen zusammen und wandte eine denkbar einfache Masche an: Er suchte diverse Autohändler unter einem falschen Namen auf und kaufte verschiedene Fahrzeuge ein. Der Betrug lag darin, dass der Täter jeweils mit ungedeckten Checks keinen Rappen bezahlte.

Mehr Versuche als erfolgreiche Betrüge

Die Anklageschrift listete 15 Vorfälle auf, wobei viele Opfer den Schwindel gerade noch bemerkten und die Fahrzeuge dem Beschuldigten nicht übergaben. Nur drei Verkäufer tappten tatsächlich in die Falle. Trotzdem führte die zuständige Staatsanwältin einen beachtlichen Deliktsbetrag von über 230 000 Franken auf und stufte die gescheiterten Projekte als versuchte Betrüge ein. In einem anderen Fall wollte der Angeklagte nach einem Datenklau einen Bundesbeamten um seine Lebensversicherung von rund 50 000 Franken bringen. Allerdings ohne Erfolg.

Aufgrund von mehreren einschlägigen Vorstrafen, unter anderem des Amtsstatthalteramtes Luzern, forderte die Anklägerin eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

Verteidigung für Milde

Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht grundsätzlich geständig, schob aber die Verantwortung auf den Mitttäter ab. Dieser habe ihn zu den Taten verleitet, sagte er. Der Verteidiger verlangte infolge der Opfermitverantwortung diverse Freisprüche. So hätten die Geschädigten das dilettantische Vorgehen des Angeklagten durchschauen müssen, plädierte er und setzte sich für eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten ein. Eine unbedingte Strafe lehnte der Anwalt ab und verwies auf die Strafempfindlichkeit seines gesundheitlich angeschlagenen Klienten.

Kein Pardon

In seinem am Freitag eröffneten Urteil kannte das Gericht kein Pardon. Es sprach den Angeklagten in den meisten Punkten schuldig und setzte wegen mehrfachen teilweise versuchten Betrugs, Urkundenfälschungen und weiteren Delikten eine unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten sowie eine Busse von 1200 Franken fest. Damit soll der Rentner für längere Zeit ins Gefängnis. Für den angerichteten Schaden wird er kaum aufkommen können. So erhält der heute mit über 100 000 Franken verschuldete Vater von seinem Beistand gerade einmal 110 Franken in einer Woche.