Luzern

20. August 2018 05:45; Akt: 20.08.2018 05:45 Print

Dealer verkaufte kiloweise – und machte Verlust

Marihuana, Haschisch und Kokain hat ein Dealer in grösseren Mengen gehandelt. Gelohnt hat sich das Geschäft für ihn aber nicht – er machte sogar Verlust.

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Das Kriminalgericht verurteilte den Dealer zu einer Freiheitsstrafe. (Bild: 20 Minuten)

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Das Luzerner Kriminalgericht hat einen 40-jährigen Chauffeur, der 2015 auf eigene Faust mit Drogen handelte, mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren bestraft. Der Beschuldigte hatte mit seinem Handel unter dem Strich einen Verlust eingefahren.

Von den drei Jahren muss der Drogenhändler ein Jahr absitzen. Dies wäre gerade noch in Halbgefangenschaft möglich. Für die restlichen zwei Jahre gilt die maximal mögliche Probezeit von fünf Jahren. Dazu kommen Verfahrenskosten von rund 67'000 Franken.

Das am Sonntag publizierte Urteil kam im abgekürzten Verfahren zustande und ist rechtskräftig. Das Gericht bezeichnete die Strafe in Anbetracht der gehandelten Mengen als milde. Es wies aber darauf hin, dass der Beschuldigte aus eigenem Antrieb mit dem Handel aufgehört habe, geständnisbereit gewesen sei und in geordneten familiären und beruflichen Verhältnissen lebe.

Kokain, Marihuana und Haschisch

Der Beschuldigte hatte 2015 1,5 Kilogramm Kokain, 20 Kilogramm Marihuana und 4,7 Kilogramm Haschisch verkauft. Der Umsatz wird von der Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift auf 167'000 Franken beziffert.

Zwar erzielte der Drogenhändler mit einzelnen Geschäften Gewinne, doch fuhr er in einem Geschäft einen grossen Verlust ein. «Der Beschuldigte erzielte eingestandenermassen insgesamt [...] einen Gewinn von ca. Fr. 18'000.-», heisst es im Urteil. Bei einem Geschäft habe er jedoch einen Verlust von 16'500 Euro gemacht, was rund 18'150 Franken entspricht.

«Insgesamt erzielte der Beschuldigte daher keinen Gewinn», so das Fazit. Würden noch die Fahrspesen berücksichtigt, dürfte er insgesamt mit dem Drogenhandel einen Verlust gemacht haben, bilanzierte die Staatsanwaltschaft. Da er nicht Teil eines Drogenrings war, waren die «finanziellen Verluste natürlich schwieriger zu verkraften als für einen grossen Drogenring mit entsprechend anderen finanziellen Möglichkeiten.»

Der Beschuldigte arbeitete tagsüber als Lastwagenchauffeur und machte am Abend mit seinem Privatwagen Drogengeschäfte. Er handelte nicht in Luzern, sondern in Grenzregionen der Schweiz und im grenznahen Ausland. Er hatte weder einen Chef noch Untergebene.

Professionell, aber trotzdem naiv

Um allfällige Ermittlungen zu erschweren, setzte der Beschuldigte für seinen Drogenhandel neun verschiedene Mobiltelefone ein. Er habe diesbezüglich recht professionell gearbeitet, schrieb die Staatsanwaltschaft. Er habe sich aber auch naiv verhalten.

So lieferte der Beschuldigte an Unbekannte 3 Kilogramm Marihuana, und wurde dabei um den Kaufpreis betrogen. Auch der geplante Import von 30 Kilogramm Marihuana aus Serbien ging schief: Geliefert wurden nur 18 Kilogramm, und diese Ware wurde zudem in Kroatien von der Polizei sichergestellt.

Die Polizei überwachte den Drogenhändler mit einem GPS-Gerät, das sie an seinem Auto montiert hatte. Das Gerät wurde aber entdeckt, als der Beschuldigte sein Auto in seiner Heimat Serbien verkaufte. Er hörte darauf Ende 2015 mit dem Drogenhandel auf. «Gewiss hatte das Aufhören seine Ursache im finanziellen Misserfolg seines Drogenhandels sowie im Entdecken des GPS», heisst es im Urteil. Die Polizei nahm ihn ein Jahr später fest, ohne dass er den Handel wieder aufgenommen hatte.

(gwa/sda)