Heim- und Verdingkinder

06. November 2008 10:58; Akt: 06.11.2008 12:19 Print

Kirche entschuldigt sich

Die Katholische Luzerner Landeskirche bittet die Verding- und Heimkinder um Verzeihung für das Unrecht, das ihnen geschah.

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Die vom Kirchenparlament am Mittwoch gutgeheissene Erklärung wird auch von Bischof Kurt Koch unterstützt.

Neben der Entschuldigung umfasst die Erklärung zwei konkrete Projekte. Einerseits soll ein Denkmal erstellt werden. Anderseits soll die Machbarkeit einer Studie über die Gründe, die zum Unrecht führten, abgeklärt werden. Für diese Anliegen wurden 3000 respektive 5000 Franken gesprochen.

Wie das Denkmal aussehen soll, steht noch nicht fest. Möglich wäre eine Gedenktafel mit zwei Bäumen, hiess es an der Sitzung. Auch der Standort ist noch offen, allenfalls käme das Heim in Rathausen in Frage.

Der definitive Entscheid über die Studie fällt voraussichtlich im November 2009. Im Unterschied zu der ebenfalls am Mittwoch vorgelegten Nationalfondsstudie über das Schicksal ehemaliger Verdingkinder soll die Luzerner Studie weniger die Fakten auflisten, sondern den Gründen nachgehen, die zum Unrecht an den Kindern führten.

Nicht Sache der Kirche

Im Kirchenparlament (Synode) gab es auch Widerspruch gegen die Erklärung. Die Entschuldigung sei unbestritten, nur habe sie den falschen Absender. Nicht die Landeskirche müsse sich entschuldigen, die habe es damals noch gar nicht gegeben. Vielmehr liege es am Staat, der diese Heime betrieb, und an den Ordensgemeinschaften, die dort eingesetzt wurden.

Dem wurde entgegengehalten, es sei wichtiger, dass sich jemand entschuldige, als auf jene zu warten, die zuständig sind, aber nichts tun. Die Erklärung wurde mit 60 zu 8 Stimmen, bei 12 Enthaltungen, verabschiedet.

Auch der zuständige Bischof Kurt Koch vom Bistum Basel stellt sich hinter das Anliegen. Sein Bischofsvikar Ruedi Heim legte der Synode am Mittwoch einen Brief vor, in dem er moralische Unterstützung zusichert.

Die Luzerner Entschuldigung dürfte die erste einer Landeskirche gegenüber von Heim - und Verdingkindern sein. Dem Medienverantwortlichen der Luzerner Landeskirche, Dominik Thali, sind keine anderen Entschuldigungen bekannt.

(sda)