Mit brennenden Fackeln

06. März 2019 05:44; Akt: 06.03.2019 19:15 Print

Video zeigt, wie Ku-Klux-Klan in Schwyz marschiert

Ein Video eines Leser-Reporters zeigt, wie eine Gruppe in Ku-Klux-Klan-Kutten in Schwyz unterwegs ist. Vermutet wird, dass es sich um Neonazis handelt.

Im Video eines Leser-Reporters ist zu sehen, wie die Gruppe in Ku-Klux-Klan-Kutten in Schwyz durch die Hinterdorfstrasse marschiert. (Video: 20 Minuten / Leser-Reporter)
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Brennende Fackeln, weisse Kutten mit der Aufschrift «KKK» und einem Feuerkreuz sowie eine Flagge mit einem Keltenkreuz: Ein Video eines Leser-Reporters zeigt, wie die als Ku-Klux-Klan-Mitglieder verkleideten Fasnächtler durch Schwyz marschieren. Auf den Bildern sind sie auf der Hinterdorfstrasse unterwegs.

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Vor Ort war am Güdelmontag auch ein Leser-Reporter aus Brunnen SZ. Als er auf dem Hauptplatz auf die Ku-Klux-Klan-Gruppe stiess, war er geschockt: «Das geht definitiv zu weit», ist der 23-Jährige überzeugt.

An der Fasnacht dürfe man ja vieles, «aber irgendwo gibt es auch Grenzen», so der junge Mann. Dies fand laut Leser-Reporter auch jener Mann im karierten Hemd, der auf einigen Bildern zu sehen ist. Dieser soll die Gruppe gebeten haben, den Platz zu verlassen. Ihr Auftritt gehe zu weit, habe er gesagt.

Fasnächtler verkleiden sich als Ku-Klux-Klan

Personen sollen aus Ibach, Schwyz und Muotathal stammen

Bei den Personen, die unter den Kutten stecken, soll es sich um Rechtsradikale handeln. «Das ist kein Spass. Diese Neonazis sind kampferprobt und gewaltbereit», sagt ein Informant gegenüber dem «Blick». Er kenne nicht jede Person, die am Fackelumzug marschiert sei. Doch er wisse: «Einige von ihnen stammen aus der Region Ibach, Schwyz und dem Muotatal.»

Die Rechtsradikalen hätten die Fasnacht genutzt, um ihren Auftritt ungestört auszuführen. Wie der «Blick» weiter berichtet, laufen bei der Kapo Schwyz erste Abklärungen. Sie werde sich demnach später zum Fackelumzug äussern.

«Einfalls- und geschmacklos»

Die Mitglieder der Gruppe tragen «eine ziemlich getreu nachgemachte Kleidung bzw. Tracht des amerikanischen Ku-Klux-Klans», sagt Rechtsanwalt und Rassismusexperte Daniel Kettiger. Der Ku-Klux-Klan sei das Paradebeispiel einer Trägerorganisation des weissen Rassismus gegen Schwarze. «Es handelt sich dabei um einen radikalen und militanten, bisweilen auch tätlichen Rassismus gegen Schwarze.»

Ein Auftritt des Ku-Klux-Klans stelle üblicherweise ein Statement für Rassismus gegen Schwarze dar. Kettiger ist der Meinung, «dass ein solcher Auftritt generell, aber gerade auch an der Fasnacht sehr einfalls- und geschmacklos ist».

Der Ku-Klux-Klan in den USA

Die Antirassismus-Strafnorm sei eine sehr schwierige, in verschiedene Teil-Tatbestände gegliederte Strafbestimmung. Strafbar machen könnten sich die Mitglieder der Gruppe laut Kettiger wohl nur wegen Rassendiskriminierung.

Haben sich die Fasnächtler strafbar gemacht?

«Der Tatbestand der gegen die Menschenwürde verstossenden Herabsetzung fällt wohl bei einem allgemeinen Auftritt einer Ku-Klux-Klan-Gruppe weg, weil es trotz des klar gegen Schwarze gerichteten Rassismus des Ku-Klux-Klans an der vom Gesetzgeber geforderten Ausrichtung des Auftritts gegen eine bestimmte Ethnie beziehungsweise Rasse fehlt», so Kettiger.

«Angesichts der Tatsache, dass die Aktion im Rahmen der Fasnacht stattfand und an der Fasnacht von einer bestimmten, wohl relativ hohen Narrenfreiheit ausgegangen werden darf, die wohl mindestens so gross ist wie die Freiheit der Satire, fällt wohl die Strafbarkeit der Aktion ganz dahin», sagt der Rechtsexperte.

Anders wäre dies, wenn die Gruppe etwa vor einer Asylunterkunft aufmarschieren würde, in der sich vorwiegend schwarzafrikanische Flüchtlinge befinden. «Dies wäre als Verstoss gegen die Antirassismus-Strafnorm zu betrachten und damit strafbar.»

(gwa/dag)