Spielschulden

24. Juni 2018 07:54; Akt: 24.06.2018 08:44 Print

Küssnachter Pfarrer bat auch Betagte um Geld

Der Geistliche, der wegen Spielschulden sein Amt niedergelegt hat, hat offenbar eine noch höhere Rechnung offen. Der Kirchenrat prüft eine Strafanzeige.

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Der Fall des geschassten Pfarrers aus Küssnacht am Rigi SZ könnte bald bei der Staatsanwaltschaft landen. Der 47-jährige Geistliche hatte während Jahren mehrere 100'000 Franken an Spielschulden aufgetürmt. Um diese begleichen zu können, bettelte er bei Mitgliedern der Pfarrei im Dorf um Geld.

Insgesamt lieh er sich Geld bei rund 50 Gläubigern. Recherchen der «SonntagsZeitung» zeigen jetzt, dass die Schulden vermutlich höher sind als bislang angenommen. Sie sollen zwischen einer und anderthalb Millionen Franken liegen. Hanstoni Gamma, der Präsident des Kirchenrats von Küssnacht, bestätigt nun der Sonntagszeitung: «Wir prüfen vom Kirchenrat eine Strafanzeige.»

Laut Gamma hat der Pfarrer nämlich auch «betagte Personen» um Darlehen angegangen. Und einige Gläubiger sollen auch nach Jahren noch auf Rückzahlungen warten. Eine in die Aufarbeitung involvierte Person sagt zudem: «Der Pfarrer hat sein Amt ausgenutzt, um an das Geld der Küssnachter zu kommen.» So habe der Geistliche den Gläubigern teilweise erzählt, er setze ihr Geld für karitative Zwecke ein – zum Beispiel für Projekte in Afrika. Stattdessen habe er es dann aber doch für die eigene Schuldentilgung genutzt.

Pfarrer bestreitet Vorwürfe

Gamma bestätigt auch, dass der Pfarrer seine Geldgeber jeweils dazu aufforderte, sich über die Zahlungen auszuschweigen. Der Pfarrer selber äussert sich in der SonntagsZeitung nur knapp und vage – er bestreitet die Vorwürfe.

Er schreibt, er habe seinen Gläubigern nicht erzählt, dass er die Darlehen für Projekte in Afrika brauche. Er habe jeweils gesagt, er benötige das Geld «für mich und meine Schulden». Auch bestreitet er die kolportierte Höhe der Schulden, er sagt: Eine Million «wird es nicht sein».

Trotz des Skandals wollen viele Küssnachter ihren Pfarrer zurück. Eine an den Churer Bischof Vitus Huonder gerichtete Online-Petition zählt aktuell 1'335 Unterstützende.

(kaf)