100. Geburtstag

22. Mai 2009 15:32; Akt: 22.05.2009 15:46 Print

Kunstmuseum Luzern zeigt Hans Erni

Hans Erni feiert seinen 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass zeigt das Kunstmuseum Luzern eine umfassende Werkschau des populären und umstrittenen Künstlers.

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Ein Arbeiter fixiert ein Fresko von Hans Erni bei der «Place des Nations» am UNO-Sitz in Genf, 12. Mai 2009. (Bild: Keystone)

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Die 230 ausgestellten Werke machen Ernis Entwicklung und Themen aus 81 Schaffensjahren deutlich. Die bis am 4. Oktober geöffnete Retrospektive beginnt und endet mit dem monumentalen Gemälde «Die Schweiz, das Ferienland der Völker». Für Museumsdirektor Peter Fischer ist dies ein Schlüsselwerk Ernis und der Schweizer Kunst.

Erni schuf das Werk 1939 für die Landesausstellung. Von dem 5 Meter hohen und 91 Meter langen Gemälde sind in Luzern 35 Meter zu sehen. Das Gemälde machte den 30-Jährigen auf einem Schlag bei einem grossen Publikum bekannt.

Erni montierte in diesem Werk aus bereits existierenden Bildern und Fotosujets ein komplexes Bild der Schweiz jenseits von Kitsch. Diese Technik war damals neu und nicht unumstritten. Vorgeworfen wurde Erni etwa mangelnde Originalität.

Rasante Entwicklung

In vier Sälen hängen 70 Werke von 1928 bis 1942. Sie zeigen den jungen, neugierigen Erni, der sich verschiedene moderne Stile aneignete und ausprobierte. Der Luzerner lebte damals auch in Paris und gehörte der Avantgarde-Bewegung «Abstraction - Création» an.

Ein Höhepunkt dieser Entwicklung ist die abstrakte Werkreihe «Panta Rhei» von 1935. Die Ausstellung zeigt aber auch, wie undogmatisch der avantgardistische Erni war, und wie er sich auf das Publikum auszurichten vermochte.

Das Fresko «Die drei Luzerner Grazien» etwa schuf Erni 1936 mitten in seiner abstrakten Periode für das Bahnhofrestaurant Luzern. Es handelt sich um ein gegenständliches, an den Geschmack des Beizenbesuchers gerichtetes Werk.

Typisch Erni

Bis 1940 hat sich Erni sein Archiv von Formen und Ausdrucksmöglichkeiten angeeignet. Nun wandte er sich, in seinem typischen Stil, seinen grossen Themen (Pferde, Mutter und Kind, Sport, Technik, Mythologie, Umwelt, Politik) zu.

Diesen Bildern, die Erni populär machten, ist ein weiterer Ausstellungsteil gewidmet. Oft übernimmt das Dekorative auf Kosten des Ausdrucks Überhand. Der erfolgreiche Erni wurde deshalb von der Kunstritik ignoriert.

In öffentlichen Museen war Erni kaum je zu sehen. Ausnahmen waren die private Fondation Gianadda in Martigny VS und das Hans Erni Haus in Luzern. Die letzte Retrospektive in einem öffentlichen Kunstmuseum war vor 37 Jahren ebenfalls in Luzern zu sehen.

Die Luzerner Ausstellung will zwischen Anhängern und Kritikern Ernis vermitteln. Er wolle dem Publikum einen distanzierten Blick ermöglichen und die Stärken des 80 Jahre umspannenden und komplexen Gesamtwerkes sichtbar machen, sagt Fischer.

Die Ausstellung zeigt auch den engagierten Zeitgenossen Erni, der 1949 wegen seines marxistischen Gedankenguts in Ungnade fiel. Vor allem mit Plakaten bezog er immer wieder zu sozialen und ökologischen Themen Stellung.

Auch das jüngste Bild der Ausstellung ist politisch. Erni malte «Verscharrte Opponenten» am 17. April als Reaktion auf eine Nachricht über ein Massengrab.

(sda)