«NSDAP-Rhetorik»

27. Februar 2019 05:47; Akt: 27.02.2019 07:02 Print

Fasnachtszeitung hetzt gegen LGBTQ-Community

In einer Luzerner Fasnachtszeitung wird die LGBTQ-Community verunglimpft. Kritiker fordern eine Entschuldigung.

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«Wir sind entsetzt über die getroffenen Aussagen und wehren uns entschieden dagegen», heisst es in einem anonymen Schreiben einer Gruppe namens Resolut, das die Redaktion von 20 Minuten am Dienstag erreichte. Grund dafür ist ein Text, der im «Knallfrosch», der satirischen Fasnachtszeitung der Luzerner Wey-Zunft, publiziert wurde.

Lebensberatung im Stil von «Dr. Sommer»

Dort heisst es auf einer Seite, die mit «Lebensberatung» betitelt ist und auf der im Stil von «Bravo»-Arzt «Dr. Sommer» Fragen an eine «Frau Dr. K.N. Allfrosch-Schenkel» gerichtet sind: «Ich bin schwul, pervers und arbeitsscheu und komme immer nur mit einem ziemlich aufdringlichen Frosch-Gequake. Froschsein ist mein Credo. Wo gibt es Gleichgesinnte, mit denen ich meinen Laich teilen oder tauschen kann?»

Die Antwort: «Machen Sie sich keine Sorgen. Es gibt in Luzern alles für LGBTQ-Freundinnen und Freunde. Zweimonatlich kannst Du im Neubad den Frosch markieren. Die meisten Wände sind gefliest.»

«Diese Rhetorik ist untragbar»

Am Dienstag hat die Gruppe Resolut nun ein Protest-Transparent beim Pulverturm aufgehängt, wo sich das Zunftlokal der Wey-Zunft befindet. «Diskriminierung ist keine Satire», steht dort. «Die durch den ‹Artikel› hergestellte Verbindung von LGBTQ-Personen mit arbeitsscheuen und perversen Menschen folgt direkt der Argumentation der NSDAP, welche solche Menschen als Asoziale zusammenfasste», teilt die Gruppe mit. «Diese Rhetorik ist untragbar.»

«Gute Satire» würde nach oben treten und «nicht ewiggestrige Vorurteile» bedienen. Sie beteilige sich nicht an der Diskriminierung sozial schwächer gestellter Personen, teilte die anonyme Gruppe namens Resolut mit. Sie fordert nun: «Wir verlangen von der Wey-Zunft eine Entschuldigung.»

«Das hier ist eine Schweinerei»

«Das ist sehr verletzend», sagt auch Denis Kläfiger, Präsident der BDP Kanton Luzern. Vergangenes Jahr hatte die Partei eine LGBTQ-Kampagne gestartet und damit für eine offene Gesellschaft geworben.

Zum Beitrag im «Knallfrosch» meint er: «Ich kann nicht verstehen, was daran witzig sein soll.» Und weiter: «Die Fasnacht erlaubt vieles. Ich bin mir dessen bewusst, dass dann deftigere Scherze gemacht werden und viele Gruppen zur Zielscheibe werden. Aber das hier ist eine Schweinerei.» Die Pauschalisierung der Szene als pervers und arbeitsscheu findet er sehr grenzwertig. «Wer auch immer das verfasst hat, sollte sich mal mit Leuten aus der Szene treffen.» So werde der Autor schnell merken, wie verletzend der Text sei.

Auch auf Social Media ist der Artikel ein Thema. «Alles hat seine Grenzen. Auch Satire», postete ein User zum umstrittenen Text. «Satire gegen Minderheiten ist erbärmlich», meinte jemand anders. Und Zentralplus zitiert Satirikerin Patti Basler: «Fasnacht ist wie Satire. Sie darf fast alles. Wenn es gut und lustig ist. Das hier ist allerdings einfach nicht gut. Und nicht lustig.»

Von der Wey-Zunft war am Dienstag keine Stellungnahme erhältlich. Zunftmeister Hebi Lörch verwies für Auskünfte auf Zunftpräsident Roger Gehri. Dieser war nicht zu erreichen. Und beim «Knallfrosch» schreiben die Autoren anonym. Im Impressum wird der Chefredaktor so umschrieben: «Ist in das Vögeln mit dem Adler vor dem Spiegel involviert.»

(gwa)