Rasende Kuhherde

25. Juli 2019 19:52; Akt: 25.07.2019 19:52 Print

Lässt der Wolf die Kühe durchdrehen?

Eine rasende Kuhherde attackierte einen Wanderer und seinen Hund. Laut Experten erinnern Hunde Mutterkühe an den Wolf.

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Ein Schweisshund kam am Dienstag oberhalb der Bannalp im Kanton Nidwalden zu Tode – eine rasende Mutterkuhherde zertrampelte ihn brutal. Auch der Wanderer geriet unter die Herde und musste ins Spital. Älpler Bruno Röllin sagt zu 20 Minuten, er habe noch nie gesehen, dass seine Kühe so verstört reagiert hätten. Er fordert darum ein Hundeverbot auf der Alp.

Hunde als Bedrohung für Kälbchen

«Kühe und Hunde vertragen sich nicht immer gut. Der Hund ist als ehemaliger Wolf eine Bedrohung für die Kälbchen», sagt auch Tierpsychologin Tamara Fretz. Hinzu komme, dass Kühe schon ab 22 Grad unter Hitzestress litten. Das könne mitunter eine Reizüberflutung auslösen. Auch den Herdentrieb dürfe man nicht unterschätzen: «Rennt eine Kuh los, rennen die anderen reflexartig hinterher.»

Für die Kuh-Expertin ist klar: «Nur weil wir Kühe seit 3000 Jahren melken, sie schlachten und Ledertäschli aus ihnen machen, sind diese keine Maschinen, die immer rational reagieren.» Und: Eine solche Kuh wiege bis zu 700 Kilo. Entsprechend ziehe der Mensch den Kürzeren. «Der Wanderer hat grosses Glück gehabt.» Wichtig sei, dass man Hunde ableine, wenn man die Weide einer Mutterkuhherde durchqueren müsse. Vor allem sollte man genügend Abstand zu den Tieren halten. «Steige ich auf Safari aus dem Jeep, frisst mich der Löwe auch.»

Macht der Wolf die Kühe nervös?

Heinz Feldmann von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (Bul) sagt, es gebe pro Jahr etwa drei bis fünf Zwischenfälle, bei denen Wanderer oder Spaziergänger verletzt würden. Der letzte Todesfall habe sich 2015 ereignet. Die Unfallzahlen seien trotz steigender Anzahl Wanderer stabil. Feldmann führt das darauf zurück, dass man Risikoeinschätzungen vornehme und etwa Herden neu zusammengestellt würden. Auch schaue man darauf, dass Kühe nicht in der Nähe von Wanderwegen abkalbten.

Wie Fretz sagt auch Feldmann, dass Kühe panisch auf Hunde reagieren können. «Niemand ist dem Wolf näher als der Hund.» Zur These eines Älplers, dass die Rückkehr des Wolfes nach Nidwalden die Kühe panisch reagieren lasse, sagt er: «Die Meinungen gehen auseinander. Wir gehen aber davon aus, dass die Anwesenheit von grossen Beutegreifern in einer Region das Verhalten der Kühe beeinflusst.» Letztere seien sehr intelligent und könnten sich über Wochen und Monate an negative Erlebnisse erinnern. Das sei auch der Grund, weshalb man den Wanderweg bei der Bannalp vorläufig gesperrt habe.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Buntspecht am 25.07.2019 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtsamkeit ist das Gebot der Stunde

    Nein, der Wolf macht die Kühe nicht rasend. Es sind die Ignoranten, welche mit ihren Hunden die Weiden der Kühe durchwandern, als wären sie allein da. Wer die Regeln beachtet, kommt nicht in Konflikt mit den Mutterkühen.

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  • Jojo am 25.07.2019 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Wahrscheinlich eher der Mensch! Will man das verantwortungslose Handel auf den Wolf abwälzen?

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  • Christian Bauer am 25.07.2019 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist definitiv der Hitzeeffekt!

    Früher konnten sich die Tiere frei bewegen und wurden nicht durch das Übel "Wanderer" belästigt. Dass nun der Wolf herhalten muss ist unverschämt. Die Ausraster der Kühe sind im Verhältnis zur Menge der Wanderer insignifikant. Unter diesen Massen gibt es in Gottes Namen welche, die man mit den Rasern vergleichen kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stadt Farmer am 26.07.2019 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Leine oder nicht ist egal

    Den Kühen ist es egal ob der Hund angeleint ist oder nicht. Wenn er als Gefahr für die Kälber erkannt wird muss er vertrieben oder eliminiert werden.

  • Kuh Elsa am 26.07.2019 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Expertin?

    Eine 'Expertin' sollte sich nicht wie in Bild 3 und 4 zu sehen einer Kuh nähern! Was ist wenn die Kuh eine Fliege auf ihrem Rücken abwehrt? Die 'Expertin' ist aufgespiesst! Dies weiss aber jedes Kind welches mit Kühen aufgewachsen ist!!!

  • Franz am 26.07.2019 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Herr Röllin will das natürlich gleich ausnutzen und Stimmung gegen den Wolf machen. Peinliches Verhalten.

    • Waldmensch am 26.07.2019 22:28 Report Diesen Beitrag melden

      danke

      Sie haben absolut Recht. Eine Schande jetzt wieder unnötig Stimmung gegen das einheimische und schöne Tier, der Wolf zu machen.

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  • Bergbauer am 26.07.2019 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Milchbetriebe stellen auf Mutterkuh um

    Facts ist,dass viele Milchviehbetriebe ( mehrere hundert Betriebe pro Jahr) die Milchviehhaltung aufgeben und zum Teil auf Mutterkuhhaltung umstellen. Gerade im Berggebiet ist es meistens die Notlösung für die betroffenen Bauern.Das abmurksen der Milchviehbetriebe haben die Verarbeiter und grossen Detailisten mit ihrer Preispolitik zu verantworten. Viele Medienschaffende hämmern tagtäglich auf die Bauern ein und merken nicht,dass gerade auf den Alpen genügend und gutes Alppersonal grosse Mangelware ist und die Situation sich rasant verschlechtert.

    • Andy am 26.07.2019 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      Alp = Big Business

      Jeder Bauer erhält pro Kuh auf der Alp einen Sonderzustupf, weshalb viele Älpler Kühe von anderen Bauern aufnehmen. Resultat: Massive Überweidung der Alpen, was man an den Stufen im Gelände erkennt. Gleichzeitig wollen sie nicht mehr auf den Alpen übernachten, weil der Komfort zu gering ist und es einfacher ist gleich im Tal zu bleiben. Also bleibt nur die Mutterkuhhaltung mit den im Bericht beschriebenen Konsequenzen für Leib und Leben. Neue Kuhrassen (z.B. Angus), welche aus weniger dicht besiedelten Gebieten stammen, machen die Gefahr noch grösser. Die Bauern stehen in der Verantwortung!

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  • Damisi am 26.07.2019 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gesunder Menschenverstand

    Ich möchte mich noch bedanken bei den Bauern, welche den gesunden Menschenverstand haben und ihre Kühe mit Kälber so einzäunen, dass weder sie noch die Menschen auf den Wanderwegen in Stress geraten. Danke für die grosse Portion gesunden Menschenverstand.