Horw

12. August 2015 10:55; Akt: 12.08.2015 18:34 Print

Lehrling (16) ertrinkt nach Firmen-Event im See

In Horw ist ein 16-Jähriger im See ertrunken. Es ist bereits der 40 Badetote dieses Jahr. Häufige Opfer sind junge Männer und Personen mit Migrationshintergrund, sagt ein Experte.

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Tragödie an einem schönen Sommerabend: Im Winkel in Horw ist am Dienstagabend ein Lehrling (16) ertrunken. Passiert ist es nach einem Lehrlingsevent einer grösseren Zentralschweizer Firma. Der CEO des betroffenen Unternehmens ist am Dienstag vor Ort gewesen. Gegenüber Radio Pilatus sprach er von einem tragischen Unfall; Alkohol oder andere Substanzen seien zuvor nicht konsumiert worden. Zwischen dem Lehrlingsevent und dem Badeunfall gibt’s laut dem CEO keinen Zusammenhang, was auch die Polizei bestätigte.

Badegast fand den Lehrling am Seegrund

Die Lehrlingsgruppe traf gegen 21 Uhr im Strandbad Winkel ein. Einige der Lehrlinge badeten dann im Vierwaldstättersee. Kurz darauf vermissten die badenden Lehrlinge ihren Kollegen und begannen, ihn zu suchen. Ein Badegast fand den Jugendlichen schliesslich in Ufernähe auf dem Seegrund. Er wurde sofort an Land gebracht und dort reanimiert, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Leider ohne Erfolg: Ein Ambulanzteam stellte kurze Zeit später den Tod des Jugendlichen fest.

Im betroffenen Strandbad Winkel hatte zur Zeit des Unfalls kein Bademeister Aufsichtsdienst. Die Badi wird tagsüber betreut, am Abend ist der Eintritt jedoch frei und die Badegäste tragen die Verantwortung für ihr Handeln selbst.

Schon mehr Badetote als im gesamten letzten Jahr

Laut Reto Abächerli, Geschäftsführer der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG), handelt es sich bereits um den vierten tödlichen Badeunfall in der Zentralschweiz in diesem Sommer. Zwei Fälle davon passierten im Kanton Luzern, zwei weitere im Kanton Uri. So ertrank etwa vor rund einer Woche ein elfjähriges Mädchen im Seelisbergsee. Meistens handelt es sich laut Abächerli bei den Opfern jedoch um junge Männer. Ebenfalls zugenommen haben tödliche Badeunfälle mit Personen mit Migrationshintergrund. So warnen Betreuer in Luzern Asylbewerber vor den Gefahren beim Baden.

Schweizweit sind in diesem Sommer gar schon 40 Menschen ertrunken. Das sind bereits mehr Opfer als im gesamten Vorjahr. Möglicher Grund laut Abächerli: «Wegen der vielen schönen Sommertage zieht es mehr Personen an die Gewässer.» Das heisse Wetter trage dazu bei, dass die Leute risikofreudiger würden. So komme es vermehrt vor, dass Personen ohne Annetzen ins kühle Wasser springen: «Dies kann von einem Kälteschock bis hin zu einem Herzstillstand führen», warnt Abächerli. Aber auch Personen, die bereits medizinisch vorbelastet sind, oder alkoholisierte Personen würden beim Baden ein höheres Risiko eingehen.

Viele tödliche Badeunfälle könnten laut Abächerli vermieden werden, wenn die Badegäste die sechs Baderegeln beachten würden: «Wer diese sechs Regeln aufmerksam befolgt, kann sein Eigenrisiko beim Baden um ein Vielfaches verringern.»

(as/sam/gwa)