«Baum vor Bau»

30. Juni 2019 14:46; Akt: 30.06.2019 14:46 Print

Linke sorgen sich um dicke Bäume

Bäume, die einen Stammumfang von 80 Zentimetern haben, sollen nur noch in «absoluten Ausnahmesituationen» gefällt werden dürfen: Das verlangt ein Vorstoss der SP und Grünen.

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«Lebensraum, Nahrungsquelle, Schattenspender, Identitätsstifter, Schadstoff-Filter, natürliche Klimaanlage, Sauerstoffproduzent und unmittelbar überlebenswichtig»: Die SP und die Grünen definieren in einem neuen Vorstoss etliche Kriterien, wieso Bäume wichtig sind, gerade in Städten. Und darum wollen die Motionärinnen Mirjam Landwehr (Grüne) und Luzia Vetterli (SP) die Bäume in der Stadt Luzern besser schützen.

Konkret verlangen sie: «Bäume mit einem Stammumfang ab 80 Zentimetern sollten künftig nur in absoluten Ausnahmesituationen zur Fällung freigegeben werden dürfen, die Grundregel muss lauten ‹Baum vor Bau›.» So sollen solche dicken Bäume beispielsweise nur noch gefällt werden dürfen, wenn dies sonst ein Bauvorhaben verunmöglichen würde und dies einer «materiellen Enteignung» gleichkäme. Es solle zudem angestrebt werden, dass quantitativ die Anzahl Bäume auf Stadtgebiet mindestens erhalten bleibe.

«Druck nimmt zu»

Zwar dürfen Bäume ab 80 Zentimetern Umfang bereits heute nicht einfach so abgeholzt werden in der Stadt Luzern: Dies ist gemäss Bau- und Zonenreglement bewilligungspflichtig. Aber: «Der Druck auf grüne, unbebaute Flächen im Siedlungsgebiet, wo häufig auch alte Baumbestände vorhanden sind, nimmt zu. Es ist zu befürchten, dass im Vergleich von Baumerhalt und Bauvorhaben häufig das Bauvorhaben höher gewichtet
wird», schreiben die Motionärinnen.

Weiter geben sie zu bedenken, dass wohl Ersatzpflanzungen gefordert werden könnten, wenn alte Bäume gefällt werden. Ein gefällter, alter Baum werde aber bestenfalls durch eine Jungpflanze ersetzt, welche Jahrzehnte brauche, «bis sie die Funktion ihres Vorgängers vollumfänglich übernehmen kann».

Die Motion wird nun in einer nächsten Sitzung im Stadtparlament behandelt.

«Gottsjämmerlich zusammengeschissen»

In der Stadt Luzern werden immer wieder im grösseren Stil Bäume gefällt. Die Stadt kommuniziert dies jeweils aktiv, da es jeweils viele Reaktionen von Passanten gibt. Kürzlich etwa sagte ein Mitarbeiter der Stadtgärtnerei, als 108 Allee- und Parkbäume gefällt werden mussten: «Manchmal werden wir gottsjämmerlich zusammengeschissen.» Diese Bäume mussten allerdings keinen Bauvorhaben weichen, sondern waren alt und krank.


Sehen Sie im Video, wie die Stadtgärtnerei eine Kastanie an der Bahnhofstrasse fällt. (Archiv 20 Minuten)


Hier wird eine grosse Pappel beim Bahnhof Luzern gefällt. (Archiv 20 Minuten)


Die Fällung der Pappel im Zeitraffer. (Archiv 20 Minuten)

(mme)