Sinkende Bestände

02. Juni 2015 19:02; Akt: 02.06.2015 19:02 Print

Luchs bedroht Gämsen – Jäger wollen sie umsiedeln

In der Zentralschweiz gibt es immer weniger Gämsen. Schuld daran ist nebst dem Tourismus vor allem der Luchs. Nun fordern die Jäger Massnahmen.

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Jäger fordern eine gesunde Regulierung der Luchspopulation. (Bild: fotolia)

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Wenn die Zentralschweizer Jäger auf Pirsch gehen, kommen ihnen immer seltener Gämsen vor ihre Flinten – die Bestände sinken und die Zahl der Abschüsse ist auf dem tiefsten Stand seit Jahren angelangt. In den Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden gab es gemäss eidgenössischer Jagdstatistik 2013 insgesamt 1523 Gamsabschüsse. 2005 waren es noch 1959, im Jahr 2000 gar noch 2332. «Aus Sicht der Jäger sieht die Situation im Moment nicht so gut aus», sagt Bruno Planzer, Präsident des Urner Jägervereins.

Für diese Entwicklung gibt es gemäss Planzer neben den üblichen Krankheiten zwei Hauptgründe: «Zum einen ist es die hohe Luchspopulation, zum anderen sind es neue Entwicklungen im Winter- und Frühlingstourismus», sagte er zur «Neuen Urner Zeitung». So hätten die Tiere zu wenig Ruhe und durch diesen Stress würden weniger Jungtiere zur Welt kommen.

Um dem Luchs-Problem beizukommen möchten die Jäger die Zahl der Tiere im Kanton senken. Rund 15 geschlechtsreife Luchse habe es derzeit im Kanton Uri. «Das Problem liegt vor allem westlich der Reuss», sagt Planzer. Vier bis fünf Luchse verträgt es dort laut Planzer – die überzähligen Tiere abzuschiessen ist jedoch nicht möglich. Denn bräuchte es eine Bewilligung, denn der Luchs ist geschützt. «Man könnte die Tiere aber einfangen und umsiedeln», sagt Planzer.

Problem auch in Luzern bekannt

Zudem wollen die Jäger das Gespräch mit dem Kanton und Tourismus-Organisationen suchen. So sollen die Gämsen vor den Wintersportlern geschützt und zusätzliche Wildruhezonen eingerichtet werden. «Östlich der Reuss funktioniert das bereits sehr gut», so Planzer.

Auch im Kanton Luzern ist das Problem bekannt: Dort sind die selben Ursachen für den Rückgang der Gamsbestände verantwortlich. «Während im Raum Pilatus vor allem die Freizeitgestaltung die Gamsbestände sinken lässt, ist im Entlebuch der Luchs hauptsächlich für den Rückgang verantwortlich», sagt Peter Küenzi, der Präsident von Revierjagd Luzern. Aber auch im Raum Pilatus würden es die Jäger an der Nervosität der Wildtiere spüren, wenn ein Luchs durch das Gebiet zieht.

Derzeit sind laut Küenzi im Kanton Luzern durchschnittlich 1,8 Luchse pro 100 Quadratkilometer zu finden. «Dieser Wert ist zu hoch, eine gesunde Regulierung und Bewirtschaftung wie bei den anderen Tieren wäre hier nötig.», sagt Küenzi. «Wir sind nicht gegen den Luchs», betont er. Aber: Das betreffende Gesetz des Kantons ist bereits seit rund 20 Jahren in Kraft und entspreche nicht mehr den heutigen Gegebenheiten. «Die Jägerschaft wartet schon seit drei Jahren auf eine Revision dieses Gesetzes – wegen fehlender Ressourcen beim Kanton wird die Anpassung jedoch verzögert», so Küenzi.

(gwa)