Wilde Polterabende

22. Juli 2014 06:16; Akt: 12.08.2014 14:11 Print

Luzerner Beizer haben genug

Sie sind laut, hemmungslos – und meistens stark alkoholisiert: Poltergruppen. Nun ziehen gleich mehrere Luzerner Wirte die Notbremse. Polterer haben bei ihnen fortan Hausverbot.

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Vor dem schönsten Tag kommt der wildeste Abend: Wer heiratet, egal ob Mann oder Frau, lässt es kurz vor der Ehe nochmals so richtig krachen. Besonders während der Sommerzeit sind in Luzern an jedem Wochenende zahlreiche Poltergruppen unterwegs. Mal verkleidet, mal mit einem Leiterwagen – und nicht selten alkoholisiert.

Auch Claudia* (28) und ihre Kolleginnen zogen neulich durch die Stadt, um ihren Polterabend zu feiern. Als die Frauen zur Mittagszeit in der «Rathaus Brauerei» an der Reuss Platz nahmen, um sich mit einem Bier auf den bevorstehenden Abend einzustimmen, folgte die böse Überraschung: Freundlich, aber bestimmt wurden die zu diesem Zeitpunkt noch komplett nüchternen Frauen vom Servicepersonal aufgefordert, das Lokal zu verlassen.

Hans-Ruedi Bachmann, Geschäftsführer der «Rathaus Brauerei», bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten, dass das Restaurant eine «Nulltoleranz»-Strategie fahre und Poltergruppen konsequent wegweise. Weiter will sich Bachmann nicht zum Thema äussern. Er lässt aber durchblicken, dass er in der Vergangenheit schon mehrfach negative Erfahrungen mit Poltergruppen gemacht hat.

Polterer stören andere Gäste

Die «Braui» ist nicht der einzige Ort, an dem Polterer nicht willkommen sind. Auch im «Weissen und Schwarzen Schaf» an der Frankenstrasse werden grundsätzlich keine Poltergruppen eingelassen, wie Geschäftsführer Mahyar Bayat auf Anfrage erklärt. «Je grösser und wilder eine Gruppe ist, desto eher fühlen sich andere Gäste gestört.»

Schlechte Chancen haben Polterer auch in der «Seebar» beim KKL. «Wir sind auch nicht das typische Lokal für eine solche Veranstaltung», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Stefan Dorrighi. Bedient werden Poltergruppen nur dann, wenn sie sich ruhig und unauffällig verhalten. «Wir mussten auch schon Gruppen wegschicken», so Dorrighi.

«Luzern ist eine Polterabend-Stadt»

Ein Blick in den aktuellen Sicherheitsbericht der Stadt bestätigt: Polterabende sind mehr als nur eine Randerscheinung. «Luzern hat sich zur Polterabend-Stadt entwickelt», heisst es in dem Dokument. Dass es Lokale gibt, die Poltergruppen konsequent wegweisen, wusste der städtische Sicherheitsmanager Maurice Illi bislang nicht. «Das bestätigt aber meinen Eindruck, dass Polterabende klar an Beliebtheit gewonnen haben und dass die Gruppen mit der Zeit ungehemmter werden.» Es sei jedem Bar- und Restaurant-Betreiber selber überlassen zu entscheiden, ob und wem er ein Hausverbot erteile.

Ernsthafte Probleme habe es dieses Jahr mit Polterabenden noch keine gegeben, trotzdem sagt Illi: «Wenn an einem Ort acht bis zehn solcher lustiger Truppen aufeinandertreffen und gemeinsam weiter ziehen, kann es in Kombination mit Alkohol und übertriebener Ausgelassenheit ein Problem für Anwohner und Passanten werden.»

Massenschlägerei im Roadhouse

Alles andere als lustig endete ein Polterabend vor genau einem Jahr im Luzerner Roadhouse. Die Schwinger-Brüder Ivo und Adi Laimbacher feierten mit über 30 Kumpels den Polterabend von Ivo in Luzern. Was mit dem morgendlichen Besuch in einer Schwyzer Schnapsbrennerei begann, endete abends mit einer Massenschlägerei im «Roadhouse». Infolgedessen wurden die Schwinger-Brüder wegen Raufhandels zu bedingten Geldstrafen und Bussen von mehreren Tausend Franken verurteilt. Trotz des Vorfalls sind Poltergruppen heute nach wie vor gern gesehene Gäste im «Roadhouse», wie es auf Anfrage im Lokal heisst.

*Name von der Redaktion geändert.

(ds)