«Sexperiment»

21. April 2014 13:54; Akt: 17.04.2014 14:16 Print

Luzerner Filmemacher dreht Sexdoku

Der Luzerner Filmstudent Manuel Gübeli will Grenzen ausloten. Das Projekt: Acht Protagonisten sollen im Film über ihre sexuellen Grenzen sprechen – und diese vor der Kamera testen.

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In diesem Raum fanden die Dreharbeiten statt. (Bild: Ea Eller)

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«Es ist ein Experiment. Es wird ein Film. Es geht um Sex» – so begann der Aufruf an mögliche Teilnehmer eines Filmprojekts. «Der Film ist eine Kurzdokumentation über ein Sexualexperiment», sagt Manuel Gübeli (37) aus Luzern. Der angehende Filmemacher studiert an der Hochschule Luzern - Design und Kunst (HSLU). Den rund zwölf Minuten langen Film mit dem Titel «Sexperiment» realisierte er im Rahmen einer Projektarbeit. Gübeli beschäftigt sich im Film mit persönlichen Grenzen und wie weit Menschen bereit sind, diese auszudehnen um neue Erfahrungen zu machen. Konkret geht es darum, wie weit man mit einem fremden Menschen beim ersten Treffen gehen würde, wenn man dabei gefilmt wird.

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In einem ersten Teil des Experimentes sprach Gübeli mit den insgesamt acht Teilnehmern einzeln «über sehr intime Themen». Speziell daran: Die Protagonisten und Gübeli haben sich vor diesem Gespräch noch nie persönlich getroffen, sondern waren nur via Email in Kontakt. «Ich wusste nicht, was dabei rauskommt, aber ich wusste, welche Situationen ich in den Gesprächen suchte.» Es gehe um Respekt, Angst, Neugier, Beziehungen und den Drang zur Weiterentwicklung. Die Gespräche hätten dabei jeweils rund eine Stunde gedauert. Neben den beiden Gesprächspartnern war dabei auch ein vierköpfiges Filmteam im Raum. «Es ist erstaunlich, wie die Leute die Kameras bewusst ausblenden konnten und sehr offen gesprochen haben», sagt Gübeli.

Im zweiten Teil sollten sich die Protagonisten schliesslich alle zusammen am selben Abend zum ersten Mal begegnen. Dabei sollten sie ihre zuvor definierten Grenzen testen. «Jede Person entscheidet in jedem Moment selber, wo ihre Grenzen sind – und ob sie die verschieben möchte.»

Strenges Auswahlverfahren bei der Kandidatensuche

Für seinen Film suchte Gübeli keine Lüstlinge, Voyeure oder Draufgänger, die einfach nur Sex haben wollten. «Ich suchte neugierige, selbstbestimmte, experimentierfreudige Personen», sagt Gübeli. Auch Respekt hätten die Protagonisten mitbringen dürfen. Er hätte schliesslich auch gehörig Respekt vor dem Projekt gehabt: «Bei der ersten Begegnung über solche Themen zu sprechen, ist eine ungewöhnliche Erfahrung. Man kennt sich ja schliesslich nicht», sagt Gübeli. Auf den Aufruf hätten sich eine Hand voll Leute gemeldet. Davon wählte sich Gübeli acht Personen aus: «Bei der Auswahl habe ich mich von drei Psychologen beraten lassen», so Gübeli. Diese hätten ihn auch bei der Gestaltung des Experiments unterstützt.

Beratung durch die Aids-Hilfe

Diverse weitere Vorbereitungen seien ebenfalls nötig gewesen. So liess sich Gübeli auch von der Aids-Hilfe Luzern zu möglichen Gefahren seines Vorhabens beraten. Die HSLU hätte ihm zudem klare Rahmenbedingungen für seine Arbeit gegeben. Rund vier Monate arbeitete Gübeli am Film. Viel Geld hätte er nicht investieren müssen: Die Filmcrew arbeitete ohne Bezahlung, auch die Psychologen hätten ihn unentgeltlich unterstützt. Filmequipment hat er bei der Hochschule ausgeliehen.

Was in der Doku schliesslich gezeigt wird und ob es im zweiten Teil des Experiments wirklich zu Sex gekommen ist, will Gübeli nicht verraten. Er wolle schliesslich nicht den ganzen Inhalt vorwegnehmen. Sein Projekt will er bei mehreren Kurzfilmfestivals einsenden. «Es wäre grandios, wenn der Film irgendwo gezeigt werden würde.»

(gwa)